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Ein Elektroingenieur will die Weichen für Perl stellen

Ein Elektroingenieur will die Weichen für Perl stellen

SZ-Redakteurin Margit Stark sprach mit dem Bürgermeisterkandidaten der SPD über seine Ziele für die Gemeinde Perl. Für Fixemer steht fest: Die Ausgaben müssen eingeschränkt, Schulden abgebaut werden.

Die Verwandtschaftsverhältnisse sind schnell geklärt: "Ma kennen Dich doch", strahlt Peter Koch in Besch den SPD-Bürgermeisterkandidaten an. Michael Fixemer, der am späten Nachmittag seine Runde durch Besch dreht, gibt nur zu gerne Auskunft über das Befinden von Mutter und Vater. Doch nicht nur Privates wird angerissen. Der Wunsch des Beschers nach einem Bürgerhaus ist ebenso Thema wie die nach seiner Meinung nach dringende Renovierung der Bischof-Walo-Straße. "Die Wasserleitung dort ist noch vor dem Krieg verlegt worden", klagt er - eine Forderung, die der Sozialdemokrat nach seinen Worten nachvollziehen kann. Doch es fehle an Unterstützung durch das Land: "Mit der Bahnhofstraße in Perl müssen wir wegen Saarbrücken warten", sagt er. Noch ein kurzer Plausch, ein Kugelschreiber und ein Flyer wandern aus der prall gefüllten Tasche in die Hand von Peter Koch - weiter geht es mit Wahlkampfhelferin Gertrud Schumann zum nächsten Haus.

Bescher wünschen Sanierung

Auf sein Klingeln öffnet niemand - eine Sache, die ihm mittlerweile bestens vertraut ist. "Es gibt keine klassische Zeit, in der die Leute zu Hause sind", sagt er. Berufstätige anzutreffen sei besonders schwer. Zuversichtlich ist er, was seine Chancen angeht, den Chefsessel im Perler Rathaus zu gewinnen. "Es ist eine Persönlichkeitswahl. Ich will es schaffen. Natürlich gehe die Welt nicht unter, wenn es nicht klappen würde. Aber enttäuscht wäre ich schon", sinniert er.

Eine Bescherin reißt ihn aus seinen Gedanken. "Wenn Du Dich in Besch umguckst, sieht Du, wo es fehlt", sagt Rita Reinhard. "Man muss den Bürgern ganz klar sagen, was geht und was nicht", antwortet Fixemer, überreicht der Frau ein kleines Präsent und drückt auf den nächsten Klingelknopf. Für Hagar, die belgische Schäferhündin, die vor Frauchen den Kopf aus der Haustür steckt, gibt es eine Portion Streicheleinheiten. "Ich bin der Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten ", stellt sich der 39-Jährige Malwina Bodenik vor. "Als Polin sind Sie EU-Staatsbürger und dürfen den Verwaltungschef Ihrer Gemeinde mit bestimmen. Die Wahl ist am 28. Juni." Die Hausherrin nimmt Flyer und Kugelschreiber entgegen, bedankt sich, verspricht zur Urne zu gehen.

Raserei im Ortskern ist ein Problem, das die Mutter des vierjährigen Ben umtreibt. "Wir brauchen regelmäßige Geschwindigkeitskontrollen", sagt Fixemer - eine Sache, die er sich auf die Agenda geschrieben habe.

Ein Plausch unter Freunden

"Vom Gesinn her kenne ma uus", lacht Patrik Diwo, Steuermann und Mitorganisator des Drachenbootrennens, bei dem Fixemer und seine Parteifreunde regelmäßig vom Moselufer aus starten. "Dieses Jahr wird das wohl nichts. Just an diesem Tag ist die Bürgermeisterwahl", bedauert Fixemer, zieht mit Gertrud Schumann weiter zum nächsten Haus. Auf das Klingeln öffnet niemand. "Wahrscheinlich ist er wieder mit dem Rad auf Tour. Seit er in Pension ist, macht er viele Ausflüge", verrät die Sozialdemokratin aus Besch die Gepflogenheiten des Hausherrn. In unmittelbarer Nachbarschaft hat Fixemer mehr Glück: Adelheid Gliedner öffnet die Tür, ein Gespräch entwickelt sich. Anneliese Feraro mit Hund Paulchen sieht die Drei, gesellt sich dazu. Aufmerksam lauschen sie Adelheid Gliedner, die in Erinnerung an ihre Arbeitszeit im Amt schwelgt. Gerne würden die Wahlkämpfer noch bleiben - doch zu viel Arbeit liegt noch vor ihnen. Ein kurzer Gruß, Fixemer und Schuman ziehen weiter.

Dass er zufällig zur Kommunalpolitik gekommen ist, verrät der Sozialdemokrat Adelheid Gelz und Monika Theis. "Ich habe mich über was geärgert und mich bei meinem Parteifreund Roland Lahr beschwert. Da hat er gesagt: Ändere es doch. Und so bin ich zur Politik gekommen - und geblieben", gesteht der Sinzer Ortsvorsteher den beiden Frauen. Privates steht bei Maria Pölzke an, die Verwandtschaftsverhältnisse interessieren. "Ja, Wilfried is da Pätter", bestätigt Fixmer der 92-Jährigen, die das Wahlkampfteam, mittlerweile verstärkt durch Sebastian Kirch, bei der Gartenarbeit antrifft. "Sie macht noch vieles allein", weiß Gertrud Schumann - ein Satz, der Bewunderung hervorruft. Bei Martine Caben outet sich der Bürgermeisterkandidat als überzeugter Fastnachter.
Ein Kaffee zum Verschnaufen

Die Diplom-Ingenieurin bittet die Gruppe in ihre vier Wände am zauberhaften Moselufer, lädt zu Kaffee und Wasser ein. Was die gebürtige Luxemburgerin stört: In Besch gibt es weder ein Café noch ein Restaurant, wo Ausflügler und Wanderer einkehren können - ein Problem, das Fixemer bekannt ist. "Es ist nicht das erste Mal, dass wir eingeladen worden sind", freut sich der 42-Jährige über die Unterbrechung.

Welche Probleme sind Ihrer Ansicht nach die größten in der Gemeinde Perl?

Michael Fixemer: In unserer Gemeinde werden sehr viele Dinge begonnen, ohne sie wirklich zu beenden oder weil sie vor der Entscheidung nicht zu Ende gedacht werden. Hierzu zählt zum Beispiel der Bahnhof in Perl, bis zum heutigen Tag ist keine Entscheidung getroffen worden, was damit gemacht werden soll. Als Eingangstor zu unserer Gemeinde stellt der Bahnhof ein beschämendes Bild und ein finanzielles Risiko dar. Das Gleiche gilt für die Standorte unserer Grundschule in Perl und Besch. Als vor Jahren die Entscheidung getroffen wurde, den Standort Perl in der Ortsmitte Perl zu sanieren, wurde die Entscheidung, ob beide Standorte erhalten bleiben sollen oder ob es nur einen einzigen geben soll, nicht gefällt. Es wurden seitdem Millionen in den Standort Perl investiert, und die Entscheidung, ob der Standort Besch saniert wird oder ob in Perl erweitert wird, die schiebt der Gemeinderat weiter vor sich her.

Dies wiederum hat wesentliche Bedeutung und Einfluss auf die anstehenden Vorhaben zum Neubau eines Feuerwehrgeräte- und Bürgerhauses in Besch. Was sollte die Gemeinde mit einem nicht mehr erforderlichen Grundschulgebäude tun? Gleichzeitig werden dann weitere Ergänzungsbauten am Standort Perl erforderlich, und wir müssen unverzüglich dem Anspruch der freiwilligen Feuerwehr gerecht werden, um im Jahr 2016 ein bedarfsgerechtes Feuerwehrgerätehaus in Besch zur Verfügung stellen zu können. Ich könnte noch weitere Beispiele aufführen, da könnte man eine mehrseitige "Sonderausgabe" herausgeben.

Als positive Beispiele kann man die Kombination der Kanal- und Straßenbaumaßnahmen aufführen, dort wird im übergeordneten Zusammenhang geplant.

In Sachen Finanzsituation sind wir auf einem guten Weg. Nach meinen Vorstellungen können und müssen wir uns in Zukunft einschränken, die Ausgaben der Gemeinde strenger und kritischer bewerten und zugleich Schulden abbauen, das heißt: den Haushalt weiter konsolidieren. Ein weiteres Thema ist die Verkehrssituation. Die Gemeinde ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, aber die Anbindung der Baugebiete wurde nicht ausreichend berücksichtigt. In unserer Gemeinde wird innerhalb der Ortslagen und besonders auf den Durchgangsstraßen zu schnell gefahren. Ebenso wird geparkt, ohne Rücksicht auf Fußgänger, besonders auf Kinder und ältere Menschen zu nehmen. Hier muss mit Verkehrskontrollen und neuen Verkehrskonzepten gegengesteuert werden.

Was würden Sie anders als Ihr Vorgänger machen, wenn Sie Bürgermeister wären?

Fixemer: Ich möchte die Vorbereitung der Beratungen verändern, die Einbindung der Bevölkerung in kritische Entscheidungen bereits im Vorfeld ermöglichen, die Zusammenarbeit zwischen den Ortsräten, dem Gemeinderat und dem Bürgermeister ausbauen und die Abgrenzung hinsichtlich der Verantwortung des Bürgermeisters und des Gemeinderates erkennbar darstellen.

Der Bürger muss wissen: Wenn eine Sache beschlossen ist, dann wird sie auch durchgeführt! Die Darstellung der Kostenplanung und Entwicklung der laufenden Baußmahmen müssen für die Bevölkerung einsehbar und nachvollziehbar werden.

Letztlich werde ich als Bürgermeister sehr viel Zeit in die Verbesserung der Zusammenarbeit und der Arbeitsabläufe in der Gemeindeverwaltung investieren, denn ohne eine gute und gedeihliche Zusammenarbeit kann ein Bürgermeister nichts erreichen.

Welche Lösung favorisieren Sie für den Sportplatz und das geplante Hotel mit Seniorenresidenz in der Ortsmitte von Perl?

Fixemer: Es geht hier für mich nicht mehr um die Frage der Lösung in der Sache, sondern tatsächlich um die Umsetzung der Gemeinderatsentscheidung. Die Frage der Lösung hat der Gemeinderat mit der Auswahlentscheidung für Victor's ja bereits getroffen. Persönlich hätte mir eine Wohnbebauung am besten gefallen, aber der Gemeinderat hat sich 2012 für das Konzept von Victor's entschieden und im April 2014 einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan getroffen.

Welche Stärken besitzt Ihrer Meinung nach die Gemeinde?

Fixemer: Die Menschen und die Vereine sind das Herz und die eigentliche Stärke unserer Gemeinde. Ohne deren vielfältige Aktivitäten wäre unsere Gemeinde nicht lebenswert. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig die ehrenamtliche Arbeit in den Vereinen für eine gut funktionierende Dorfgemeinschaft ist. Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Bedeutung des Ehrenamtes aufzuwerten und - wo es möglich ist - diese Arbeit zu unterstützen.

Wir haben das Glück, durch den Schengen-Vertrag von der deutschen Randlage in eine europäische Mittellage gekommen zu sein. Dadurch hat sich die Verkehrsanbindung der Gemeinde Perl in hohem Maße verbessert, und die Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung hat eine positive Wende genommen.

Ergänzen Sie folgenden Satz: Ich lebe gerne in der Gemeinde Perl, weil…

Fixemer: …... weil ich hier "fest verwurzelt” bin und weil ich mich in dieser Heimat einfach wohl fühle.

Vor dem Hintergrund der Kommunalreform, die für 2019 angekündigt ist: Was werden Sie tun, um die Eigenständigkeit der Gemeinde zu erhalten?

Fixemer: Um die Eigenständigkeit der Gemeinde zu rechtfertigen, muss die Gemeinde ihre finanziellen Entscheidungen überdenken und von kurzfristigen Sichtweisen in eine langfristige Kosten- und Bedarfsplanung verändern. Dazu zählt, dass wir unsere Ansprüche anpassen, keine neuen Schulden mehr aufnehmen und alte Schulden abbauen. Man kann nicht mehr Geld ausgeben als man einnimmt, dieser Leitspruch sollte die Grundlage für alle Entscheidungen werden. Die Zusammenlegung mit anderen Kommunen sollte nicht alleine von der Größe neuer Gemeinden, sondern vom eigenen Handeln abhängig sein. Es gibt viele Gemeinden, die sich nicht mehr aus ihrer finanziellen Situation befreien können. Dazu gehört unsere Gemeinde Perl mit Sicherheit nicht.

Zum Thema:

Zur PersonMichael Fixemer, am 13. August 1975 in Saarburg geboren, wohnt mit Lebenspartnerin Tania Faber in Sinz. Nach seinem Hauptschulabschluss in Orscholz erwarb er an der Parkschule in Merzig die mittlere Reife. Seiner Lehre als Energieelektroniker, die er 1998 abschloss, folgte die Fachhochschulreife, die er 1998 an der Merziger Fachoberschule für Ingenieurwesen, Fachbereich Elektrotechnik erwarb. Sein Studium an der Fachhochschule schloss er 2002 als Diplom-Ingenieur ab. Viele Aufgaben hat der Elektroingenieur bei der Deutschen Bahn AG übernommen. Zurzeit ist er für Leit- und Sicherungstechnik verantwortlich. Im Juli 2007 zog er in den Sinzer Ortsrat ein, ist mittlerweil Ortsvorsteher. Seit Juli 2014 ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Perler Gemeinderat. Als Hobbys nennt er Laufen, Wandern, Fußball und die Fastnacht. Er engagiert sich unter anderem im Caritas-Förderverein und als Kassierer des Westwall-Museums. mst

Zum Thema:

Auf einen BlickMichael Fixemer von der SPD und Ralf Uhlenbruch von der CDU wollen den Sozialdemokraten Bruno Schmitt an der Spitze der Gemeindeverwaltung ablösen. Am Montag, 15. Juni, 19 Uhr, treffen sie im Perler Vereinhaus aufeinander und diskutieren Themen, die für die Kommune an der Obermosel wichtig sind und liefern sich womöglich einen Schlagabtausch. Thomas Gerber, SR, und Wolf Porz, SZ, moderieren. Fragen sind auf redmzg@sz-sb.de einzureichen. red