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Der Wiesenhof bei Perl praktiziert mustergültige Milchviehhaltung

Wiesenhof bei Perl : Zu Besuch dort, wo die Milch herkommt

Auf dem Wiesenhof in Perl waren kürzlich ein Vertreter des Umweltministeriums und der stellvertretende Landtagspräsident zu Gast.

Eigentlich galt der Besuch des stellvertretenden Landtagspräsidenten Günter Heinrich und Rolf Faßbender vom saarländischen Umweltministerium dem Thema „Artgerechte Tierhaltung“. Als die beiden Besucher aber den Wiesenhof in Perl nach dem Baustau im Tunnel Pellinger Berg mit der unter solchen Umständen üblichen Verspätung eintrafen, musste Faßbender nach der Begrüßung den Hausherrn Alfons Wender erst mal freundlich fragen: „Haben Sie Strom?“ Klar gibt’s den auf dem Hof, weitgehend dank Photovoltaik sogar selbst produzierten. Offenbar ging dem E-Golf des Umweltministeriums der Baustau auf die Batterie, so dass seine Energie vielleicht nicht mehr ganz für die spätere Rückfahrt nach Saarbrücken gereicht hätte. Sicherheitshalber zapfte der Fahrer frische Kraft aus einer von Wenders Steckdosen.

Faßbender hatte die Dienstreise nach Perl angetreten, weil er als Vertreter des Umweltministeriums bereits seit rund 20 Jahren den Auf- und Ausbau des Wiesenhofs zu einem modernen Musterhof der saarländischen Milchviehbetriebe sozusagen vom Amts wegen begleitet. So vernahm er, anders als der Vizepräsident des Landtags, nicht viel Neues, als Alfons Wender in seinem Eingangsreferat die mit viel Arbeit verbundene Erfolgsgeschichte seines Betriebes umriss.

Vor inzwischen 36 Jahren hatte er den Hof mit gerade mal 20 Kühen übernommen. Heute präsentiere sich der Wiesenhof mit rund 270 Kühen plus Nachwuchs und einer kontinuierlich ausgebauten Infrastruktur (Gebäude, Maschinenpark und modernste Technologie mit Photovoltaik und GPS) als ein wirtschaftlich gesunder Betrieb, der trotz seiner Größe allein von zupackenden Familienmitgliedern bewirtschaftet werde.

Interessiert hörte Heinrich weiterhin zu, als der Gastgeber kurz auch auf den längst vollzogenen Generationswechsel einging, der heute vielen landwirtschaftlichen Betrieben schwer zu schaffen macht. „Das war bei uns zum Glück kein Problem“, und der Senior fuhr fort, „seit 2004 kümmern sich mein Sohn Andreas und Schwiegertochter Marion fachgerecht um alles, was in Sachen Milchvieh und Nachzucht unter Dach passiert, während ich mich unter anderem auf die Futterversorgung auf unseren Freiflächen konzentriere. Das klappt – das machen unsere jungen Leute tadellos!“

Bei dieser Gelegenheit brachte der Landtags-Vizepräsident das Thema Gülleausbringung ins Spiel, das bundesweit vielerorts zu Konflikten mit dem Naturschutz führe. Wender: „Eigentlich bei uns kein Ärgernis, weil wir auf eigenen Flächen die bei uns anfallende Gülle zum korrekten Düngen ausbringen können.“ Allerdings würde er sich von der Politik flexiblere Regelungen wünschen, wenn beispielsweise besonders nasse Herbstwochen das fristgerechte Befahren der zu düngenden Flächen unmöglich machen. Und dann ermahnte er, ohne Heinrich persönlich anzusprechen, die „große Politik“, endlich in der öffentlichen Diskussion nicht länger Tierschutz in der Landwirtschaft und das Thema Klimaschutz zu vermischen.

Während danach die Teilnehmer der Gesprächsrunde zur eigentlichen Hofbesichtigung aufbrachen, wies Faßbender noch darauf hin, dass die Milchproduktion im Saarland mengenmäßig trotz ständig abnehmender Betriebe im Großen und Ganzen seit Jahren praktisch unverändert geblieben sei, was nicht zuletzt auf die fortschreitende technische Anpassung der Unternehmen zurückzuführen sei. In einem der modernen Ställe des Wiesenhofes demonstrierte dann Marion Wender auf ihrem Handy die weitgehend digitalisierte Betriebsführung des Familienbetriebs.

„Nur zahlenmäßig kann man bei uns vielleicht von Massentierhaltung sprechen“, räumte der Landwirt beim Rundgang offen ein. Das seien sicherlich viele Tiere, aber offensichtlich alle artgerecht untergebracht. Das bestätigte auch Heinrich.

Auf dem Wiesenhof ruhen die Kühe im sogenannten Weichbett, womit eine Unterlage aus Stroh oder Sägemehl gemeint ist. Je nach Alter stehen jedem Tier dabei sechs bis sieben Quadratmeter zur Verfügung. Und sollte der einen oder anderen Kuh mal der Rücken jucken, setzen sie ganz nach Wunsch rollende Bürsten als Wohlfühlfaktor in Betrieb. Nicht einmal auf eine Fußdusche, der Fachmann spricht wohl eher von einer „Klauen-Waschanlage“, müssen die Kühe dort verzichten. Die Besucher waren sich vor ihrer Heimreise jedenfalls darüber einig, dass der negativ befrachtete Begriff „Massentierhaltung“ auf dem Wiesenhof kein Thema ist.