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Der beste Wein ist ein Saarländer

In Fässern aus Eichenholz lässt Thomas Schmitt den Premium-Wein „1725“ ein ganzes Jahr ruhen. Foto: Rolf Ruppenthal
In Fässern aus Eichenholz lässt Thomas Schmitt den Premium-Wein „1725“ ein ganzes Jahr ruhen. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Perl. Es war eine Überraschung sowohl für die Jury des Deutschen Weininstituts als auch für das Weingut Schmitt-Weber in Perl. Gestern erhielt es den Preis „Pinot Trio“ für den besten Grauburgunder Deutschlands. Ute Kirch

Thomas Schmitt ist im Weinberg mit der Lese des 2014er Jahrgangs beschäftigt, als seine Frau Tanja aufgeregt angerannt kommt. Soeben hat das Deutsche Weininstitut (DWI) angerufen und mitgeteilt, dass der "2012er Grauburgunder Spätlese trocken, Perler Hasenberg" aus der Premium-Weinklasse "1725" seines Weinguts zu Deutschlands bestem Grauburgunder gekürt wurde. "Ich kann es auch noch nicht so richtig fassen", sagt der 49-Jährige auch eine Woche später. "Das ist nicht irgendeine Medaille." Gestern Abend erhielt er die Auszeichnung von der Deutschen Weinkönigin Janina Huhn in Mainz.

Um das internationale Augenmerk stärker auf die deutschen Burgunderweine zu lenken, lobt das DWI zum vierten Mal in Folge im Rahmen der Bundesweinprämierung den Sonderpreis "Pinot Trio" aus - jeweils für den besten der eingereichten Weiß-, Spät- und Grauburgunder . Die Preisverleihung fand gestern Abend in Mainz statt. "Nur Weine, die zuvor schon bei Landesweinprämierungen ausgezeichnet worden, können bei der Bundesweinprämierung eingereicht werden", erklärt Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts. Insgesamt 240 Grauburgunder standen bei der Jury des DWI, Weinkennern und Medienexperten, zur Wahl. Der Grauburgunder aus dem Hause Schmitt-Weber überzeugte "mit einer tollen Balance zwischen dieser Komplexität und Fruchtigkeit unter einem leichten Einsatz von Barrique ". "Es war eine absolute Überraschung für uns, dass der Gewinner ein Wein aus dem Saarland ist", sagt Büscher. Im Saarland wird gerade einmal auf hundert Hektar Wein angebaut. "Das ist etwa ein Tausendstel dessen, was in Deutschland angebaut wird. Dass Großes immer im Kleinen entsteht, ist mit diesem Bundespreis bewiesen", sagt der Winzer Schmitt.

Doch kommt der Erfolg nicht von ungefähr. 2010 begann er, sich mit der Wein-Kollektion "1725-Premium-Serie" von der heimischen Konkurrenz abzusetzen. Der Name 1725 ist das Jahr, in dem der Weinbau in der Familie Schmitt erstmals dokumentiert wurde. Der 1725er wird in traditioneller Methode, "so wie es vor 300 Jahren gemacht wurde", angebaut. Dies bedeute wesentlich mehr Arbeit - im Weinberg werden nur die besten, vollreifen Trauben geerntet, im Keller reifen sie in 600 Liter Eichenholzfässern langsam und schonend ein ganzes Jahr lang auf natureigener Hefe und werden erst danach abgefüllt. "Das ist sehr riskant, weil es bei der Hefepopulation am Anfang entscheidend ist, ob es gelingt oder schief geht", erklärt Schmitt. Deshalb werde gewöhnlich Reinzuchthefe verwendet, bei der dieses Risiko nicht besteht. "Doch wenn es gelingt, gewinnt der Wein um Längen und ist um so toller." Für den Premium-Wein von der Obermosel wurde das Weingut Schmitt-Weber im renommierten Weinführer "Gault Millau Deutschland 2013" neu aufgenommen und mit einer "roten Traube" ausgezeichnet, die für "besondere Aufmerksamkeit in ihrer Klasse" steht. Ein bislang einmaliges Ereignis für das Saarland.

800 Flaschen hat Schmitt und sein Team vom Siegerwein hergestellt, der pro Flasche 22,50 Euro kostet. "Er hat ein offenes Bouquet, erinnert etwas an Honig, weiße Blüten, ist vielschichtig und hat eine kraftvolle Struktur", beschreibt der Winzer sein Produkt. Der Preis ist für ihn auch ein Ansporn, auch im nächsten Jahr zu schauen, ob das Weingut weiterhin mit den besten mithalten kann.

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