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Der Bahnhof in Nennig verfällt

Der Bahnhof in Nennig verfällt

Nennig. Fast genau vor 130 Jahren, am 15. Mai 1878, hielt nach der Eröffnung der Bahnstrecke Ehrang-Trier-Perl, der erste Personenzug im Bahnhof Nennig

Die Passage zum Mittelbahnsteig. Foto: SZ

Nennig. Fast genau vor 130 Jahren, am 15. Mai 1878, hielt nach der Eröffnung der Bahnstrecke Ehrang-Trier-Perl, der erste Personenzug im Bahnhof Nennig. Mit der Fertigstellung des letzten Streckenabschnitts war die von der damaligen Regierung favorisierte und geplante Bahnlinie von Berlin nach Metz, die aus strategischer Überlegung für die Landesverteidigung gebaut wurde, fertig gestellt. Daher nannte man auch die Bahnstrecke im Volksmund "Kanonenbahn". Im Bahnhof Nennig halten alle Personenzüge in Richtung Trier und Perl, und die Anbindung des öffentlichen Nahverkehrs in beiden Richtungen kann als gut bezeichnet werden. Bedauert wird allerdings, dass die neu eingerichtete durchgehende Zugverbindung Trier-Metz, die nur samstags und sonntags verkehrt, im Bahnhof Nennig nicht hält. Damit besteht für die Nenniger und Remicher Bahnkunden nicht die Möglichkeit, von der grenzlosen Wochenendtour nach Metz Gebrauch zu machen.Das unter Denkmalschutz stehende Bahnhofsgebäude aus dem Jahre 1929 und ein Teil des anschließenden Umfeldes bieten derzeit einen trostlosen Anblick. Das Nebengebäude ist ebenfalls in einem desolaten Zustand. Gras und Sträucher überwuchern die Fassade , was einen ungepflegten Eindruck hinterlässt. Nicht mehr einladendWer mit dem Zug an- oder abreist und vom Mittelbahnsteig die Personenunterführung passiert, erlebt einen krassen Anblick von Graffiti-Schmierereien an den Wänden des Tunnels. Gelegentlich nimmt der Reisende auch Uringeruch wahr. Der Bahnhof galt lange als Tor zum Ort Nennig. Der heutige Zustand lädt leider nicht mehr zum Besuch ein. Die Zeiten, in denen noch ein Bahnhofsvorsteher stationiert war, der im Bahnhof für Sauberkeit und Ordnung sorgte, gehören längst der Vergangenheit an. Alles in allem stellt der Bahnhof Nennig im jetzigen Zustand für den Ort und die Gemeinde Perl einen unschönen Anblick dar, der sicherlich auch für den Tourismus nicht besonders förderlich ist. Im Bahnhofsgebäude ist noch ein Fahrdienstleiter, der das 1961 gebaute Drucktastenstellwerk bedient. Seit 1970 ist die Stückgutabfertigung geschlossen. Fahrkarten können nur noch aus dem Fahrkartenautomat gezogen werden. In den ehemaligen Räumen der Bahnhofsgaststätte befindet sich ein Bistro. Es gibt aber auch ein Projekt in der Region zum Bau schönerer Bahnhöfe. So sollen zur Verbesserung und Verschönerung der Bahnhöfe auf der Mosel- und Saarstrecke nach Mitteilung des für den Nahverkehr zuständigen Zweckverbandes SPNV Nord in den nächsten Jahren mehr als 30 Millionen Euro investiert werden. Da der Zweckverband seinen Sitz in Koblenz hat, somit eine Verbandseinrichtung in Rheinland-Pfalz ist, gehen die beiden saarländischen Bahnhöfe Nennig und Perl vermutlich bei der Verschönerung leer aus.