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Kunst als Integrationshilfe: Das Skizzentagebuch begleitet sie

Kunst als Integrationshilfe : Das Skizzentagebuch begleitet sie

16 Frauen und Männer, die nach ihrer Flucht aus der Heimat im Saarland ankamen, haben im Zeichnen eine neue Perspektive.

Neu in einem fremden Land zu sein und sich zurechtfinden zu müssen, ist nicht immer einfach. Im Jahr 2015 sind laut dem saarländischen Sozialministerium insgesamt 13 443 Asyl suchende Menschen ins Saarland gekommen — in der Hoffnung sich hier ein neues zu Hause aufzubauen.

Weit weg von Krieg, Terror und Verwüstung möchten diese Menschen ein neues Leben beginnen. Dass das nicht immer einfach ist, weiß die Perler Künstlerin Ursula Bauer: „Vielen Neuankömmlingen fehlt der Kontakt zu gleichaltrigen Einheimischen sehr, und das macht es schwer, sich in einer neuen Umgebung wohlzufühlen.“ Der Künstlerin, die sich im Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BKK) engagiert, war es wichtig zu helfen und sich aktiv zu beteiligen. Sie hat die Initiative ergriffen, um so zur Integration dieser Menschen in der Region beizutragen und das Projekt „4 Jahreszeiten — Ein Skizzentagebuch“ ins Leben gerufen.

Kern der Aktion war und ist die Kunst. Das Projekt wurde im Rahmen des Programms „Kultur macht stark“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert, durch den BBK betreut und von lokalen Partner umgesetzt.

Der Name der Aktion ist Programm: 16 Teilnehmer und Teilnehmerinnen zwischen 18 und 26 Jahren durften vier Jahreszeiten miteinander in der neuen Heimat erleben. Mit dabei war natürlich immer ein Skizzenbuch, denn zentraler Bestandteil der monatlichen Treffen war Zeichenunterricht. Neue Heimat bedeutet in diesem Falle Mettlach und Perl, wo die Neuankömmlinge mit entweder syrischen oder eritreischen Wurzeln leben.

Die verschiedensten Zeichentechniken stellten fortan für die Teilnehmer ein Werkzeug dar. Ein Werkzeug, um Raum, Umgebung, Eindrücke und Erfahrungen festzuhalten. Ergänzt wurden die Workshops durch regelmäßige Exkursionen in und um das Saarland herum. Während Besuchen im Zeitungsmuseum in Wadgassen, bei Stadtführungen in Saarburg und Trier oder im Erlebnisbergwerk Velsen wurde den Neuankömmlingen die Möglichkeit gegeben, ihre neue Heimat kennenzulernen.

Aber nicht nur die Heimat wurde erkundet, sondern auch die Menschen. Die Teilnehmer untereinander verstanden sich prächtig und zeigten großes Interesse an der Region, der Kunst und Kultur und der deutschen Sprache. „Alle fanden es toll, mal den Rest des Landes und der weiteren Umgebung zu sehen“, berichtet Ursula Bauer begeistert. „Auch von den Führungen waren alle sehr angetan. Dort konnten sie ihre Sprachkenntnisse testen, denn es war ja alles auf deutsch.“ Ziel war es bei den Ausflügen die neu erlernten Zeichenkünste auszuprobieren und das Erlebte festzuhalten.

„Die jungen Menschen hatten an diesen Projekt-Tagen immer eine Art Urlaub vom Alltag und die Chance Kontakte zu knüpfen“, erzählt Ursula Bauer. Unterstützt wurde sie von der ehrenamtlichen Helferin Bertina Nollmeyer aus Orscholz. Sie war für die Organisation und Betreuung der Teilnehmer zuständig. „Mit dem Projekt konnten wir den Flüchtlingen eine ganz andere Art des Zusammenseins ermöglichen. Es war alles ohne Zwang und Druck. Die Teilnehmer konnten sich einfach frei entfalten“, schildert Bertina Nollmeyer ihre Eindrücke.

Zwar stand an erster Stelle die Kunst, aber ganz nebenbei ging es auch noch um das Thema Integration. „Unsere Aufgabe war es, Kunst und Kultur zu vermitteln. Das Thema Integration schließt sich dabei nicht aus und war ein positiver Nebeneffekt“, erklärt die Projektleiterin. Außerdem findet sie, dass sich die Gruppe sehr gut zusammengefunden habe. „Für die Teilnehmer war es auch wichtig, dass ich sehr viel mit ihnen gesprochen habe. Wir haben über Gott und die Welt geredet, über ihre und unsere Probleme. Das war ganz wichtig für sie. Dass sie dabei immer Deutsch sprechen mussten, war hilfreich.“

Das Kunstprojekt ist diesen Monat zu Ende gegangen, aber Arbeit gibt es dennoch: Eine Ausstellung der gesammelten Arbeiten wird von den Teilnehmern vorbereitet. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion werden die Projekt-Beteiligten mit den Besuchern ihre Erfahrungen teilen. Auch sollen zu diesem Anlass Musik und Tänze aus den verschiedenen Herkunftsländern der Teilnehmer vorgestellt werden.

Künstlerin Ursula Bauer führte die Teilnehmer in regelmäßigen Workshops in die Kunst des Zeichnens ein. Foto: Ursula Bauer
Den Alten Turm in Mettlach hat ein Teilnehmer als Motiv gewählt. Foto: Ursula Bauer
Zeichnung eines Teilnehemers unter Anleitung von Ursula Bauer. Foto: Ursula Bauer
Ein Ausflug in das Erlebnisbergwerk Velsen stand auch auf dem Programm. Foto: Ursula Bauer
Natürlich darf auch die Saarschleife unter den Skizzen nicht fehlen. Foto: Ursula Bauer
Ursula Bauer (rechts) mit den Teilnehmern ihres Kunstprojektes auf dem Perler Hammelsberg. Foto: Ursula Bauer
Gespannt lauschen die Teilnehmer Erzählungen über den Bergbau im Saarland auf dem Saar Polygon in Ensdorf. Foto: Ursula Bauer

Die Abschlussveranstaltung von „4 Jahreszeiten — Ein Skizzentagebuch“ findet am Samstag, 4. November, ab 17 Uhr im Bürgerhaus in Nennig statt.