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Das Projekt "Help The Homeless" aus Perl setzt sich für Obdachlose ein

Schengen-Lyzeum Perl : Drei Luxemburger kämpfen gegen Vorurteile

Schüler des Schengen-Lyzeums in Perl befassen sich im Projekt „Help the Homeless“ mit dem Alltag von Obdachlosen.

„Die sind doch selbst schuld an ihrer Situation“ – „Wenn man denen Geld gibt, dann kaufen die sich sowieso nur Alkohol davon“: Das sind gängige Vorurteile gegenüber Obdachlosen. Svenja Fock (17), Tom Heber und Sam Schmitz (beide 18) wollen dagegen ankämpfen. Die jungen Leute aus Luxemburg besuchen das Schengen-Lyzeum in Perl und haben dort vor sechs Monaten das Projekt „Help the Homeless“ (Helft den Obdachlosen) ins Leben gerufen. In ihrer luxemburgischen Heimat sei Obdachlosigkeit ein Tabuthema, erklärt Fock.

Angefangen hat alles im Oktober vergangenen Jahres am Schengen-Lyzeum. Dort nahmen Fock, Heber und Schmitz an dem Seminarfach „Business School“ teil. Ihre Aufgabe bestand darin, selbständig ein Projekt zu organisieren. Das Trio entschied sich für ein Thema aus dem sozialen Bereich – „Help the Homeless“ war geboren. Um mit Obdachlosen in Kontakt treten zu können, wandten sich die jungen Luxemburger an die Wärmestube Saarbrücken (siehe Infokasten). Dort erhalten wohnungslose Menschen zum Beispiel eine warme Mahlzeit. Die Wärmestube reagierte laut Fock sehr positiv auf die Anfrage: „Sie fanden es cool, dass wir das machen.“

Es stellte sich jedoch als Problem heraus, Obdachlose zu finden, die dazu bereit waren, mit den Schülern über ihre Situation zu reden. Insbesondere die weiblichen Obdachlosen hätten sich sehr verschlossen gezeigt, so Heber. Letztlich konnte die Wärmestube Interviews mit sechs männlichen Wohnungslosen arrangieren. In den Räumlichkeiten der Wärmestube in der Landeshauptstadt fanden auch die Gespräche statt. Ohne die Mithilfe der wohltätigen Einrichtung wäre „Help the Homeless“ in dieser Form nicht möglich gewesen. Daher bedanken sich Fock, Heber und Schmitz ausdrücklich bei der Wärmestube Saarbrücken und ihrer Ansprechpartnerin Johanna von Zydowitz.

Vor dem ersten Treffen mit einem Obdachlosen zeigte sich das Trio nervös, wie sich Schmitz erinnert: „Es war sehr schwierig einzuschätzen, wie sie reagieren würden.“ Schließlich seien in der Wärmestube Saarbrücken zwei völlig gegensätzliche Lebenswelten aufeinander getroffen. Doch die Nervosität habe sich im Laufe des Gesprächs gelegt, ergänzt Fock. Schmitz denkt gerne an die Begegnungen mit den Obdachlosen zurück: „Leute, die auf der Straße leben, sind netter als wohlhabende Menschen“, fasst er seine persönlichen Erfahrungen zusammen.

Im Januar und Februar dieses Jahres haben Fock, Heber und Schmitz die Interviews mit den Obdachlosen geführt. Im Vorfeld des ersten Gesprächs hatten sie einen Fragebogen erarbeitet, der auch bei den darauffolgenden Treffen in der Wärmestube zum Einsatz kam. Die Schüler wollten ihren eigenen Worten nach „die verschiedenen Gründe der Obdachlosigkeit analysieren“. Wenn die Wohnungslosen eine Frage als zu persönlich empfunden hätten, dann sei es möglich gewesen, die Antwort zu verweigern. Jedoch habe keiner der Befragten von dieser Option Gebrauch gemacht, erläutert Heber. „Wir haben keinen Druck auf die Obdachlosen ausgeübt“, fügt Schmitz hinzu.

Die Wohnungslosen, die sich auf die Teilnahme am Projekt „Help the Homeless“ eingelassen haben, hätten bereitwillig über ihre Situation Auskunft erteilt. Vor allem ein Gesprächspartner ist Schmitz in Erinnerung geblieben: „Er hat erzählt, erzählt, erzählt...“

Im Schnitt dauerte ein Gespräch 20 bis 30 Minuten, sagen die Schüler. Sie betonen unisono, dass das Auswerten der Gespräche den größten Teil der Arbeit in Anspruch genommen habe. Sie sind zu dem Schluss gekommen, dass oftmals ein Schicksalsschlag zur Wohnungslosigkeit führe – und eben kein Selbstverschulden vorliege. „Obdachlose haben mehr Aufmerksamkeit verdient“, findet Fock. Auf die Frage, was sie von den Obdachlosen gelernt hat, entgegnet sie: „Ich bin viel dankbarer für das, was ich habe.“

Das Trio steht vor dem Schulabschluss. Ob sie danach etwas im sozialen Bereich machen möchten, wissen sie jetzt noch nicht. Aber egal, wie sie sich entscheiden – während der Arbeit am Projekt ist ihnen eigenen Angaben zufolge klar geworden, dass Schubladendenken der Vergangenheit angehören sollte. Oder um es mit den Worten von Heber zu sagen: „Nur weil jemand auf der Straße lebt, ist er nicht gleich drogenabhängig.“