Commerçon wirbelt in der Grundschule Perl Klassen durcheinander

Grundschule in Perl : Überraschung am ersten Schultag

Alle Bescher Kinder mussten in eine Klasse – eine Sache, die manche Eltern verärgerte. Dies sei so üblich, sagt das Bildungsministerium.

Sauer ist Edmund Kütten auf Bildungsminister Ulrich Commerçon und dessen Haus – sauer, weil der Sozialdemokrat nach Ansicht des ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten an der Perler Grundschule Dreiländereck die drei Klassen der Abc-Schützen durcheinander gewirbelt hat. „Schulleiter und Lehrer hatten sich jede Menge Mühe gemacht, um in den drei Klassen einen guten Proporz aus allen elf Ortsteilen an der Obermosel hinzukriegen“, berichtet der siebenfache Opa. „Auch wurde von der Schulleitung darauf Wert gelegt, dass Kinder mit ihren Freunden eine Klasse besuchen konnten.“

Mit der Einteilung, die den Eltern vor dem ersten Schultag mitgeteilt wurde, waren nach den Worten des Politikers aus Oberleuken die meisten auch zufrieden. Freudestrahlend hätten sich die Mädchen und Jungen mit ihren Schultüten, begleitet von Eltern, am Montag auf den Weg zur Schule gemacht. „Da mein jüngster Enkel auch seinen großen Tag hatte, wollte ich neben seinen Eltern bei der Einschulung mit dabei sein“, berichtet der langjährige Kommunalpolitiker.

Was er dann habe erleben müssen, habe ihn entsetzt. „Von der Einteilung und der Arbeit, die die Schulleitung vorab gemacht hatte, war nichts mehr übrig geblieben. Statt dass – wie zuvor angekündigt – in den drei Klassen Jungen und Mädchen aus allen Ortsteilen die Schulbank drückten, wurde bekannt, dass alle Bescher Kinder in eine Klasse mussten.“

Das Ergebnis der neuen Aufteilung: Tränen von Kindern und viele verärgerte Eltern. Ausschlaggebend dafür war nach den Worten von Kütten nicht die Grundschule, sondern das Ministerium. „Hat der Minister sonst keine Probleme, als sich um die Einteilung der Klassen in der Perler Grundschule zu kümmern und die dort sehr gute Arbeit der Schulleitung infrage zu stellen?“, sagt er. „Das Ministerium ist für eine Topbildung im Land zuständig und nicht dafür, wie sich eine Klasse zusammensetzt und welches Kind in welche Klasse kommt“, schimpft er.

Aus dem Bildungsministerium heißt es auf Anfrage der SZ: „An den saarländischen Grundschulen werden die Klassen der ersten Jahrgangsstufen durch die Schulleitungen zusammengesetzt; dabei besteht die Möglichkeit, die Klassen ortsteilbezogen oder ortsteilübergreifend zu bilden.“ Darüber hinaus fänden die von den Eltern auf dem Anmeldebogen geäußerten Wünsche – wie zum Beispiel nach einem oder mehreren zukünftigen Klassenkameraden – so weit wie möglich Berücksichtigung.

Die Zusammensetzung der Klassen der ersten Jahrgangsstufe an der Grundschule Dreiländereck in Perl für das Schuljahr 2019/20 ist nach Darstellung aus dem Hause Commerçon so erfolgt wie in den beiden vergangenen Schuljahren – überwiegend ortsteilbezogen. „Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass für die Grundschule Dreiländereck davon auszugehen ist, dass die Gemeinde Perl ihrer Verpflichtung als Schulträger zur ordnungsgemäßen Unterhaltung und gegebenenfalls Ertüchtigung des Gebäudes der Dépendance in Besch nachkommt und somit eine Wiederaufnahme des Schulbetriebs möglich ist“, heißt es aus dem Ministerium weiter.

Seit Frühjahr 2016 schwelt ein Streit zwischen Gemeinde, Schulträgerin in Besch, und dem Bildungsministerium. Grund: Mit der Mehrheit seiner Stimmen hatte der Perler Gemeinderat für die Schließung gestimmt. Als Grund für das Ende der Schule wurde die finanzielle Situation der Kommune genannt, die nur die Sanierung eines Schulstandortes erlaube – die Grundschule in Perl. Mitte Juni 2017 verabschiedete der Rat einstimmig den Schulentwicklungsplan, der nur von einem Grundschulstandort ausgeht – den im Kernort Perl. Derweil hält der Bildungsminister an der Grundschul-Dépendance fest.

Mehr von Saarbrücker Zeitung