Christdemokraten feiern frenetisch ihren Sieger

Christdemokraten feiern frenetisch ihren Sieger

Nur in Besch, in seinem Heimatort Sinz und bei den Briefwählern hatte SPD-Kandidat Michael Fixemer die Nase vorn. Das reichte nicht, um den satten Vorsprung von CDU-Wahlsieger Uhlenbruch aus den anderen Orten aufzuholen.

Mama Heike schiebt die Zwillinge Mara und Leonie durch die jubelnde Menge. Die achtjährigen Mädchen, beide im Dirndl, können es gar nicht erwarten, ihrem Papa zu dem Sieg und zu dem künftigen Titel Verwaltungschef von Perl zu gratulieren. 2002 Wahlberechtigte hatten für ihn votiert, das sind 55,2 Prozent der Stimmen. Der SPD-Kandidat Michael Fixemer erhielt 1622 Stimmen, 44,8 Prozent.

"Ich habe meinen Töchtern gesagt, dass die Welt auch nicht untergeht, wenn ich die Wahl verliere", sagt der 42-jährige CDU-Kandidat. "Aber ich habe es gepackt", strahlt er und betrachtet liebevoll die Bastelarbeiten seiner quirligen Töchter, die er als Maskottchen seit dem Wahlkampf mitträgt. "Sie haben mein Foto vom Wahlkampf als Vorlage genommen und unter die Krawatte geschrieben: der neue Bürgermeister von Perl." Für den 42-jährigen Diplom-Rechtspfleger am Amtsgericht Merzig steht fest: "Ich will einen regelmäßigen Austausch mit den Fraktionschefs im Perler Gemeinderat." Dazu soll es Gespräche geben, wie wichtige Themen für die Gemeinde gemeinsam angegangen werden können. Und ihre Meinung sollen die Fraktionen im Amtsblatt veröffentlichen können. Zufrieden drückt CDU-Kreisparteichefin Helma Kuhn-Theis dem Gewinner die Hand, ebenso wie Alt-Bürgermeister Toni Hoffmann und seine Enkelinnen Anna und Sophie, während Andreas und Rita Hoffmann Schnappschüsse für das Familienalbum schießen. "Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit mit dem neuen Kollegen. Dass er meiner Partei angehört, freut mich besonders", kommentiert Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich den Ausgang der Wahl.

Derweil steht für den CDU-Gemeindeverbands-Vorsitzenden Harald Lahr fest: "Wir haben acht Jahre lang darauf hin gearbeitet. Und es hat geklappt." Und so drängen sich bei der Fete im Garten und Brauerei-Museum von Alois Becker, dem Ortsvorsteher von Tettingen-Butzdorf, die Gratulanten, um mit dem Wahlgewinner anzustoßen. Ein Glas Sekt in der einen Hand, einen römischer Becher mit Mulsum in der anderen, mit seiner Familie oder mit seinen Sympathisanten: Wie viele Fotos Uhlenbruchs Freunde von dem Mann machen, der Amtsinhaber Bruno Schmitt am 31. Oktober beerben wird, vermag er am Ende des Tages nicht mehr zu sagen. Nur eines ist ihm klar: "Ich habe den Großteil meines Urlaubes für den Wahlkampf geopfert, damit ich möglichst viele Leute antreffen kann, und es hat geklappt."

Einziger Wermutstropfen: die für Perl doch spärliche Wahlbeteiligung von 54,5 Prozent. Bei der letzten Wahl 2007 hatte sie noch bei rund 71 Prozent gelegen. Insgesamt waren in der Gemeinde an der Obermosel rund 6800 Bürger zur Wahl aufgerufen gewesen. "Das heißt, dass gut 45 Prozent der Bevölkerung egal ist, wer Bürgermeister wird", klagt Elmar Trierweiler, Vorstandsmitglied im SPD-Kreisverband Merzig-Wadern. Eine Wahlpflicht wie in Luxemburg könnte seiner Meinung nach dieser Gleichgültigkeit ein Ende setzen. "Bei über 60 Prozent Wahlbeteiligung hätte ich die Chance gehabt, zu gewinnen", gesteht SPD-Kandidat Michael Fixemer geknickt. "Ich wollte gewinnen, doch die Wähler haben anders entschieden." Nach seinen Worten ist es müßig, über die Gründe zu spekulieren. Die müssten erst einmal analysiert werden. "Ich weiß, was ich in den letzten Tagen getan habe." Für ihn die Lichtblicke: das Super-Ergebnis, das er in seinem Heimatort Sinz einfahren hat. Mit 156 gegenüber 30 Stimmen für den CDU-Kandidaten dankten sie ihrem Ortsvorsteher für seine Arbeit. In Besch hatte er mit vier Stimmen die Nase vorn, ebenso wie bei der Briefwahl. "Es ist wie bei einem Fußballspiel. Als ich angetreten bin, war mir bewusst, dass ich verlieren kann." Für SPD-Kreisparteichefin Anke Rehlinger ist das Ergebnis für ihren Parteifreund "mehr als ein Achtungserfolg". Die Zustimmung der Sinzer nennt die saarländische Wirtschaftsministerin ein klares Votum für Fixemers gute Arbeit als Ortsvorsteher. Dass die Wahl mit einer Niederlage für die SPD endete, bezeichnet sie als "bedauerlichen Ausgang". Doch man werde konstruktiv weiterarbeiten. Im Gasthaus Gerardy, dem Treff der Sozialdemokraten in Sinz, warten Fixemers Freunde auf ihren Kandidaten.

Während Alfons Gerardy, Schwester Inge Tinnes und ihre Crew die Gäste mit Essen und Trinken versorgen, spricht SPD-Gemeindeverbandschefin Doris Petzinger den Wunsch aus: "Wir hoffen für die Gemeinde Perl, dass Uhlenbruch sein Geschäft versteht." Laut Petzinger hat den SPD-Kandidaten ausgezeichnet, dass er im Wahlkampf gesagt hat, was in der Gemeinde möglich ist und was nicht. Sie kündigt an, alle Kräfte zu bündeln und eine gute Oppositionspolitik zu machen. Genau 380 Stimmen lag CDU-Wahlgewinner Ralf Uhlenbruch am Ende vor seinem SPD-Kontrahenten Michael Fixemer - ein Vorsprung, der bereits vor Auszählung der Briefwahlstimmen nahezu festgestanden hatte. Zwar konnte der SPD-Kandidat bei den Briefwählern einen kleinen Vorsprung von vier Stimmen erzielen, aber das änderte nichts mehr am deutlichen Erfolg für den CDU-Mann.

Zu verdanken hatte Uhlenbruch den unter anderem seinem guten Ergebnis im Hauptort Perl. Trotz einer sehr niedrigen Wahlbeteiligung von nur rund 37 Prozent erzielte der CDU-Kandidat dort einen satten Vorsprung von 112 Stimmen gegenüber dem SPD-Mann. Hier könnte die Diskussion um die geplante Seniorenresidenz mit Hotel auf dem Gelände des Perler Sportplatzes und die unterschiedlichen Positionen der Kandidaten hierzu eine Rolle gespielt haben: Während Fixemer sich vor der Wahl klar für eine Realisierung des Projektes ausgesprochen hatte, war Uhlenbruch eher auf Distanz dazu gegangen und hatte angekündigt, dass er mit dem Investor Victor's über eine Verlagerung des Projektes an einen anderen Standort reden wolle. Dass Uhlenbruch erwartungsgemäß in seinem Heimatort Tettingen-Butzdorf ein sehr starkes Ergebnis einfuhr (159 zu 44 Stimmen), konnte Fixemer durch ein noch besseres Abschneiden in Sinz, wo er Ortsvorsteher ist, wettmachen: 156 Stimmen erzielte der SPD-Kandidat dort, mehr als fünf Mal so viel wie sein Kontrahent. Ein anderer wahlentscheidender Ortsteil war Besch mit seinen über 1000 Wahlberechtigten: Hier war der Wahlkampf mit am intensivsten geführt worden, hier hatten sich beide Kandidaten viel erhofft. Am Ende gab es ein Quasi-Patt: Nur vier Stimmen lag Michael Fixemer am Ende vor Ralf Uhlenbruch. Das reichte nicht, um die Stimmengewinne wettzumachen, die Uhlenbruch in den für die CDU traditionell starken Ortsteilen auf dem Gau eingefahren hatte: 54 Stimmen Vorsprung in Eft-Hellendorf, 44 mehr in Büschdorf, 52 mehr in Borg, 55 mehr in Oberleuken - das war ein Polster, auf dem der CDU-Kandidat seinen souveränen Sieg gründete.

Dass die Wahlbeteiligung gegenüber der letzten Bürgermeisterwahl 2007 um gut 16 Prozent einbrach, lag womöglich an der ausgebliebenen Mobilisierung der Wähler , da es keine allzu ausgeprägte Polarisierung unter den Kandidaten gegeben hatte. Es lag aber wohl auch daran, dass die meisten der seit 2007 neu in die Gemeinde gekommenen Einwohner (immerhin rund 1600) nicht zur Wahl gegangen waren. Insgesamt lag die absolute Zahl der Wähler mit 3624 nur etwa neun Prozent unter dem Wert von 2007 (3916). Da sich aber die Zahl der Wahlberechtigten um besagte 1600 erhöht hat, brach die Quote viel deutlicher ein. Auffällig ist, dass in Orten, in denen sich seit der letzten Wahl viele Neubürger, großenteils aus Luxemburg, niedergelassen haben (zum Beispiel Perl oder Nennig), die Wahlbeteiligung deutlich unter dem Gemeindeschnitt lag. Umgekehrt verzeichnete Büschdorf, dass seit 2007 kaum Zuzüge erlebte, mit über 64 Prozent eine sehr hohe Resonanz.

Meinung :
Wahlbeteiligung gibt zu denken

Michael Fixemer gratuliert Ralf Uhlenbruch.

Von SZ-RedakteurChristian Beckinger

Ralf Uhlenbruch hat den "Betriebsunfall" von 2007 für seine Partei rückgängig gemacht und das Rathaus in der CDU-Hochburg an der Obermosel zurückerobert. Mit seiner sachlichen, besonnenen Art konnte der 42-Jährige trotz seiner nicht ausgeprägten kommunalpolitischen Erfahrung eine unerwartet deutliche Mehrheit der Wähler für sich gewinnen. Bedenklich ist die sehr mäßige Wahlbeteiligung von knapp über 50 Prozent. Offenkundig ist ein Großteil der in den letzten Jahren neu nach Perl gezogenen Bürger, die meisten davon aus Luxemburg, nicht zur Wahl gegangen. Hier muss der neue Verwaltungschef zusammen mit dem Gemeinderat an einer besseren Integration der Neubürger in der Gemeinde arbeiten.