1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Perl

Sinz: Buntes Kirmestreiben an der Scheune

Sinz : Buntes Kirmestreiben an der Scheune

Mit einem Hochamt und dem Frühschoppen wird am kommenden Wochenende in Sinz die Dionysius-Kirmes eingeläutet.

Die Pfarrgemeinde und der gesamte Ort Sinz feiern an diesem Wochenende, 7.und 8. Oktober, die Dionysius-Kirmes. Dem heiligen Dionysius sind eigentlich zwei Gedenktage gewidmet: einmal der 9. Oktober als „Namenstag“ und demnach auch als Patronatsfest für Sinz, zum zweiten der 4. Dezember, an dem damals die Gebeine von Dionysius nach Paris überführt wurden.

Das Kirmeshochamt in der Pfarrkirche St. Dionysius findet am Sonntag, 8. Oktober, um 10.30 Uhr statt. Nach dieser Dionysius-Messe laden die Fußballfreunde und der Löschbezirk der Freiwilligen Feuerwehr zum Frühschoppen und Feiern auf den Kirmesfestplatz rund um die Scheune am Brunnen in der Kreuzweiler-Straße 3 ein. Zur Mittagszeit wird ein schmackhaftes Mittagessen, am Nachmittag Kaffee und Kuchen angeboten. Am Abend klingt die Dionysius-Kirmes bei einem gemütlichen Beisammensein in und an der Scheune aus. Beginnen werden die Sinzer ihre Kirmes schon am Samstag, 7. Oktober, um 19 Uhr mit dem Fassanstich und dem anschließenden „Feiern bis zum Abwinken“.

Der Ort und auch die Pfarrei blicken auf einer sehr wechselhafte Geschichte zurück, in der es auch dunkle Stunden gab. Sinz ist einer von 14 Ortsteilen der Gemeinde Perl. Die Einwohnerzahl von Sinz hat sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt und liegt heute bei rund 360 Menschen. Der Name des Ortes Sinz, mittelalterlich „Sintziche“ oder  „Sentziche“ genannt, geht auf den älteren Begriff Sentiacum zurück, was als „Siedlung eines Sentius“ gedeutet wird. Bodenfunde im Distrikt „Jupiter“ unweit des Dorfes bezeugen, dass hier schon keltische Bauern gewohnt und den Pflug durch die Gauerde geführt haben.

Die Pfarrei St. Dionysius Sinz wird erstmals im neunten Jahrhundert in den Büchern von St. Matthias (Trier) erwähnt. Unter der Schreibform „Sinciche“ wird Sinz dann in einer Urkunde des Erzbischofs Albero von Trier (1131-1152) unter den 76 Pfarreien, die alljährlich zum Grabe des heiligen Lutwinus nach Mettlach pilgerten, genannt.

Die erste urkundliche Erwähnung erfährt Sinz im Jahre 1148. Papst Eugen III. bestätigte dem Abt Bertulf von St. Eucharius (dem späteren Stift St. Matthias Trier) den Besitz und die Rechte des Klosters, darunter „Senciche“ mit Kirche und Zehnten. Das Dorf gehörte zur Gaupflege im trierischen Amt Saarburg und die Grundgerichtsbarkeit besaßen gemeinschaftlich das Erzstift und die Abteien Mettlach und St. Matthias. Letztere hatte auch das Kollationsrecht, später mit dem Erzbischof zusammen.

Die Pfarrei gehörte zum Landkapitel Perl. Bei einer Visitation 1569 versah anstelle eines Pfarrers ein Kaplan Matern Henstroff die Pfarrei „Syntzig“. Im Jahre 1657, bei einer erneuten Visitation, neun Jahre nach dem 30-jährigen Krieg, war die mit zwei Altären ausgestattete Kirche St. Dionysius zu „Syntz“ (so die damalige Schreibweise) laut historischer Quellen in einem „trostlosen Zustand“, ja teilweise gar ruiniert, und die Pfarrstelle war verwaist. Anno 1683 wurde dann eine neue Kirche errichtet. Aus einer gerichtlichen Urkunde von 1719 geht hervor, dass zu dieser Zeit „19 Individuen“ in Sinz lebten. Aus einer Aufstellung aus dem Jahre 1757 geht hervor, dass in Sinz wieder 33 Einheimische ansässig waren. Bei der Reorganisation der Diözesan- und Pfarrgrenzen im Jahre 1803 kam Sinz als Filiale zur Pfarrei Tettingen, behielt aber einen eigenen Vikar. Ein weiterer und wohl der wichtigste „Meilenstein“ in der Kirchengeschichte von Sinz ist das Jahr 1839. Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt Sinz in Tettingen eingepfarrt war, entsandten die Sinzer eine Abordnung zum Bischof nach Trier, um den Neubau einer Kirche und damit die Eigenständigkeit der Pfarrei wieder zu erwirken. Zuvor wurde eine entsprechende Bittschrift an „Seine Mayestät, den König von Preußen, Großherzog vom Niederrhein“ nach Berlin entsandt, in der um Mithilfe bei der Neuerrichtung der Pfarrei gebeten wurde. Dieser Brief vom 20. März 1832 ist im Original noch in Sinz erhalten. Nachdem man schließlich einige Zugeständnisse machte, wurde dem Ansinnen der Sinzer stattgegeben. So wurde am 15. Mai 1839 die Pfarrei  St. Dionysius Sinz wieder errichtet. Im selben Jahre bauten die Sinzer (360 an der Zahl) ein neues Pfarrhaus sowie eine Schule. Einige Jahre später (1844) wurde die Kirche neu aufgebaut, wobei der Turm der alten Kirche aus dem Jahre 1683 erhalten blieb. Und bereits am 10. November 1844, nach nur einem halben Jahr Bauzeit, fand die Einweihung der neuen Kirche statt.

In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg verlief die Entwicklung des Ortes ohne nachhaltige Störungen. Ein schweres Schicksal traf Sinz allerdings im Zweiten Weltkrieg. Während der Kämpfe 1944/45 wurde der Ort – und damit auch die Kirche – fast vollkommen zerstört. In einer der schlimmsten Panzerschlachten des Zweiten Weltkrieges um den „Orscholz-Riegel“ rund um Sinz ließen Freund und Feind Ströme von Blut, Haus um Haus sank in Schutt und Asche. Auch die Kirche fiel einem Feuerorkan zum Opfer. Als endlich die Waffen schwiegen, blieb eine Trümmerwüste zurück.

Sinz empfing seine heimkehrenden evakuierten Bewohner im April 1945 in schweigender Hoffnungslosigkeit.  Es begann die Zeit des „Aufräumens“ im Ort, von dem auch die zerstörte Kirche betroffen war. In der Sakristei waren die Kirchengewänder und die ganze Kirchenwäsche aus den Schränken gerissen und auf dem Boden verstreut. Auch die herrliche Orgel und die drei alten Altäre waren total zerstört. Am Tag vor Fronleichnam 1945 wurde die einzige noch vorhandene Glocke aus den Trümmern ausgebuddelt und zum Läuten aufgehängt. 

Mitte Februar 1946 wurde die zerstörte Kirche zum zweitenmal ausgeräumt. Im Mai desselben Jahres  wurde eine geräumige Baracke aus dem Lager Hinzert auf dem Grundstück Gödert an der Hauptstraße aufgestellt und diente als Notkirche.   Schritt für Schritt ging es in der Folgezeit im Dorf und an der Kirche aufwärts. Nach den Bauplänen des Architekten Ulrich aus Perl wurde die Kirche in den Jahren 1949/50 auf den alten Fundamenten in veränderter Form wiederaufgebaut. Schließlich wurde das fertige Gotteshaus am 12. November 1950 benediziert und seiner Bestimmung übergeben.
Im Jahre 1951 zählte Sinz in 84 Haushalten 336 Seelen. Von den Erwerbstätigen waren weitaus die meisten in der Landwirtschaft (61 Haupt- und 7 Nebenerwerbsbetriebe) beschäftigt. Am 31. Juli 1953 wurden drei neue Glocken für die Kirche in Colmar abgeholt. Am 1. August wurden diese Glocken durchs Dorf gefahren und am 2. August 1953 fand die Weihe der drei Glocken in der Kirche statt. Am 14. August 1953 läuteten diese Glocken dann erstmals über Sinz.

 Im Zweiten Weltkrieg wurde der kleine Ort beinahe vollständig zerstört (Aufnahme von 1945).
Im Zweiten Weltkrieg wurde der kleine Ort beinahe vollständig zerstört (Aufnahme von 1945). Foto: Kurt Petry/Kurt petry

In den zurückliegenden Jahren hat die Pfarrgemeinde die Kirche renoviert und auf einen technisch guten Stand gebracht (neue Orgel, neue Heizung, Lautsprecheranlage, Beleuchtung, Innen- und Außenanstrich und einiges mehr). Im Jahre 2012 wurde der Altarraum neu gestaltet. Die feierliche Wiedereröffnung der Kirche und die Konsekration des neuen Altares durch Weihbischof Robert Brahm fand am 30. September 2012 statt.