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Bildung in der Grenzregion auf gutem WegMg-bildung1Den Europagedanken lehren und lebenFür eine lebendige Sprache

Bildung in der Grenzregion auf gutem WegMg-bildung1Den Europagedanken lehren und lebenFür eine lebendige Sprache

Perl. "Das Schengen-Lyzeum ist das einzige deutsch-luxemburgische Gymnasium auf der ganzen Welt", verkündet Jürgen Schreier, CDU-Fraktionschef im saarländischen Landtag, am Freitagabend im Schengen-Lyzeum. Das Kontra auf die Bemerkung des ehemaligen Kultusministers und Vaters der binationalen Schule lässt nicht auf sich warten

Klaus Kessler, Gerard Zens, Jürgen Schreier, Wolf Porz, Jorgo Chatzimarkakis und Anke Rehlinger (von links) diskutieren.

Perl. "Das Schengen-Lyzeum ist das einzige deutsch-luxemburgische Gymnasium auf der ganzen Welt", verkündet Jürgen Schreier, CDU-Fraktionschef im saarländischen Landtag, am Freitagabend im Schengen-Lyzeum. Das Kontra auf die Bemerkung des ehemaligen Kultusministers und Vaters der binationalen Schule lässt nicht auf sich warten. "Vorsicht, die Chinesen kopieren alles", warnt SZ-Redakteur Wolf Porz. Der Moderator hat bei der Podiumsdiskussion die Lacher der rund 50 Zuhörer auf seiner Seite. "Der europäische Bildungsgedanke", so hatten die beiden Gastgeber VHS und CEB diesen Abend überschrieben - der Auftakt zu einer Reihe von politischen Diskussionen, die die wichtigen Wahlen im kommenden Jahr vorbereiten sollen, wie VHS-Chef Dirk Dillschneider, von Beginn an Lehrer am Schengen-Lyzeum, sagt. Mit Schulleiterin Marion Zenner aus Luxemburg ist er sich einig: "Der europäische Bildungsgedanke ist der Geist dieses Gebäudes." Man habe die Chance einer Kooperation genutzt, "und die Synthese hat geklappt", wie Dillschneider ergänzt. Das sieht Professeur Gérard Zens vom luxemburgischen Bildungsministerium genau so. "Schengen-Lyzeum", antwortet er auf die Frage von Moderator Porz, welche Vision er von einer grenzüberschreitenden Bildung habe. An dieser Ganztagsschule unterrichteten Lehrer aus zwei Ländern Schüler aus zwei Ländern. "Die Grenze ist hier längst keine Hemmschwelle mehr. Wir haben hier das Unmögliche möglich gemacht." An dieser Schule habe zusammengefunden, was am schnellsten zusammen passt, meint Jürgen Schreier. Natürlich sei dies nur ein Anfang. Doch zunächst müssten in diesem "internationalen Bildungslaboratorium" Konzepte entwickelt werden. Daher sei es noch zu früh, das "Schengen-Lyzeum en bloc" an andere Standorte zu übertragen. Für Klaus Kessler, Bildungspolitischer Sprecher der Grünen Saar, steht fest: Das Schengen-Lyzeum komme den schulpolitischen Ideen seiner Partei sehr nahe. "Eine binationale Schule ist der richtige Weg und ein guter Weg", nennt Kessler einen Grund für seine Zustimmung. Auch das integrierte Konzept, der Kulturaustausch und die Chance "auf alle Schulabschlüsse" machten diese Schule zu einer "hochwertigen Ganztagsschule". Derweil spricht Anke Rehlinger, SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende des Europaausschusses des saarländischen Landtages, von einem lebenslangen Lernen ohne Sprachbarrieren und stellt die Frage nach einer Veränderung der Lehrerausbildung. Und der Europa-Parlamentarier Jorgo Chatzimarkakis spricht sich in den Grenzgebieten für Mehrsprachigkeit aus - nicht nur eine Muttersprache dürfe es geben, sondern mehrere. Für Kinder sei dies kein Problem. "Sie saugen diese auf wie ein Schwamm." Perl. Ob im Kindergarten, in der Grundschule oder später auf der Uni: Mit der Zusammenarbeit müsse es weitergehen. Und da sei Austausch das beste Mittel, um voran zu kommen, wie SPD-Landtagsmitglied Anke Rehlinger, zudem Vorsitzende des Europaausschusses des saarländischen Landtages, kommentiert. Nach Ansicht von Pia Stöve, Mutter einer Schülerin am Schengen-Lyzeum, geht die Diskussion nicht weit genug. Europa sei am Schengen-Lyzeum bereits eine konkrete Angelegenheit. Die Eltern wollten vielmehr wissen, welche finanziellen Anreize für Lehrer geschaffen würden, damit es auch positiv weitergehe. "Sind nicht genug und nicht tolle Lehrer da?" - eine Antwort von Jürgen Schreier, die die Perlerin nur bejahte. "Und so soll es auch weitergehen", meint CDU-Fraktionschef Schreier, ehemals Kultusminister und Vater der binationalen Schule. "An dieser Schule herrscht ein anderer Anspruch", meint Klaus Kessler, Bildungspolitischer Sprecher der Grünen Saar. Da sei es schwierig, einfach Lehrer an die Schule abzuordnen. Er fordert finanzielle Anreize für Pädagogen. Zufrieden registriert CEB-Geschäftsführer Gisbert Eisenbarth, neben der VHS Gastgeber der Veranstaltung, dass künftigen Absolventen des Schengen-Lyzeums der Arbeitsmarkt in Luxemburg offen stehe. "Egal, ob mit Abitur oder einem berufsbildenden Abschluss, deutsche Schüler haben nicht weniger Chancen als die aus Luxemburg", meint Professeur Gérard Zens vom luxemburgischen Bildungsministerium.Derweil fordert Perls Bürgermeister Bruno Schmitt bilinguale Grundschulen diesseits und jenseits der Grenzen. Dies schaffe bessere Ausgangsbedingungen und erleichtere den Übergang der Kinder von den Grundschulen zum Schengen-Lyzeum - ein Wunsch, dem sich der FDP-Europa-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis anschließt. Als Beispiel nennt er die Europaschule in Luxemburg, "an der der Europa-Gedanke gelehrt wird". Derweil steht für Mettlachs Bürgermeisterin Judith Thieser fest: Seit sechs Jahren biete man zweisprachige Erziehung mit französischsprachigen Erzieherinnen im Kindergarten an, damit soll es weitergehen. mstPerl. Luxemburgisch generell als verbindliches Schulfach in der Region oder als Sprache, mit der sich Schüler und Lehrer auf dem Schulhof verständigen? - eine Frage, an der sich bei der Podiumsdiskussion die Geister scheiden. Luxemburgisch sei eine Sprache zum Sprechen, bricht Professeur Gérard Zens vom luxemburgischen Bildungsministerium eine Lanze für seine Muttersprache. Selbst er wisse oft nicht, ob Sprachwissenschaftler einverstanden seien, wie er manche Wörter schreibe, schmunzelt Zens.Derweil steht für Jürgen Schreier, fest: Man könne sich in Moselfränkisch, das in der Region gesprochen werde, unterhalten. Daher brauche es nicht unbedingt Luxemburgisch als Unterrichtsfach, sondern nur in der Kommunikation.Auch Anke Rehlinger von der SPD, Mitglied des Landtages und Vorsitzende des Europaausschusses des saarländischen Landtages, plädiert dafür, Luxemburgisch auf freiwilliger Basis zu erlernen. "VHS und CEB bieten beispielsweise Kurse in dieser Sprache an", ergänzt der FDP-Europa-Abgeordnete Jorgo Chatzimarkakis. Er mahnt: "Lasst das Französische nicht fallen." Englisch sei die Verkehrssprache, ohne die nichts möglich sei. Französisch sei die Sprache der Region. mst "An dieser Schule herrscht ein anderer Anspruch."Klaus Kessler zum Schengen-Lyzeum"Deutsche Schüler haben nicht weniger Chancen als die aus Luxemburg."Gérard Zens