Bei seinem Amtsantritt war Rudolf Biewer mit 23 jüngster Ortsvorsteher

Ortsvorsteher Borg : Seit 45 Jahren ist Rudolf Biewer Ortsvorsteher

Mit 23 Jahren wurde Biewer Ortsvorsteher in Borg. Damals war er der Jüngste im Saarland, nach 45 Jahren ist er der Dienstälteste.

Eines ist Rudolf Biewer gewiss: die Zustimmung seiner Borger. Das beweisen die vielen Kreuzchen, die der langjährige Ortsvorsteher des 443 Einwohner zählenden Dorfes bei den Kommunalwahlen erhält. Bayerische Verhältnisse fährt er ein: 2014 waren es insgesamt 76,1 Prozent der Stimmen, getoppt im Mai des vergangenen Jahres mit 76,6 Prozent.

Dass der Gemeinderat in seiner Jahresabschluss-Sitzung für die Erweiterung des Baugebietes „Auf dem Waas“ in dem Perler Ortsteil gestimmt hat, freut den Christdemokraten sehr. Und er hofft, dass noch mehr künftige Bauherren ihr Häuschen in dem Dorf hochziehen können. Denn das verspricht nach seinen Worten weiteren Zuzug und damit mehr Leben. „Wir haben zugelegt“, vergleicht er die Zahl der Einwohner, die seit 2014 um mehr als 40 angewachsen ist.

Als weiteren Wunsch brennt ihm auf der Seele: „schnelles Internet für alle Haushalte in Borg.“ Gerne würde er nach seinen Worten sehen, wenn es mit der Dorferneuerung weitergehe. Viel hat sich im Laufe der 45 Jahre verändert, in denen der 69-Jährige im Amt ist. Mit der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 bekamen die Borger einen neuen Ortsvorsteher. 23 Jahre war Rudolf Biewer damals alt. War er damals der jüngste Ortsvorsteher im Saarland, so ist er mittlerweile der älteste.

Die Freude an seinem Amt hat er in all den Jahren nicht verloren, und kein bisschen Engagement für seine Borger eingebüßt. Froh ist er nach seinen Worten, dass mit Leuten aus Borg das Bürgerhaus angegangen wurde. „Da steckte Eigenleistung drin“, beschreibt er den Umbau der ehemaligen Schule. Ebenso stolz ist er, für die Jugend einen Raum geschaffen zu haben.

Einen Meilenstein für Borg nennt er den Beginn der großflächigen Ausgrabungen 1986, bei der die Überreste einer der größten römischen Villenanlagen im Saar-Mosel-Raum auf einem Areal von etwa 7,5 Hektar entdeckt wurden. Die rekonstruierte römische Villenanlage, die auf dem Terrain errichtet wurde, hat unzählige Touristen zu einer Zeitreise in die Welt der Römer animiert und den Namen Borg bekannt gemacht, wie er sagt. Und so manchen Auswärtigen hat er den Weg zur Villa Borg gezeigt. Die Erweiterung des Geländes der ehemaligen Spedition Fixmer nennt er ebenso als Highlight wie den Bau des Gestütes Peterhof, das nach seinen Worten nicht nur Pferdefans anlockt. Stolz ist er auch auf den dritten Platz, den der Ort beim SZ-Wettbewerb „Unser Dorf hat viele Gesichter 2012“ errungen hat. Durch seine Initiative wurde die Freiwillige Feuerwehr Borg zur Stützpunktwehr an der Autobahn A 8 aufgerüstet.

Dass Biewer sich so lange in dem Ehrenamt engagieren würde, hätte er sich nie träumen lassen, als ihn Freunde Anfang der 70er Jahre zum Eintritt in die CDU überredeten. „Du würdest gut in unser Team passen und könntest prima mitschaffen“, machten sie ihm nach seinen Worten in geselliger Runde die Arbeit schmackhaft. Damals war sein Vorgänger Anton Böwen für Borg zuständig gewesen – doch das sollte sich mit der Gebiets- und Verwaltungsreform ändern. Böwen war Mitarbeiter der Gemeinde Perl – also unmöglich, Beruf und Ehrenamt miteinander zu vereinbaren. So sprang Rudolf Biewer, damals knapp 23 Jahre alt, ein.

Mit vier Bürgermeistern hat er zusammengearbeitet: Josef Landes, Heinz Bauer, Toni Hoffmann und Bruno Schmitt. Mit Ralf Uhlenbruch, dem fünften Verwaltungschef, kommt er auch gut klar, wie er verrät. Als Dank für sein Engagement erhielt der Mann, der 42 Jahre Schichtdienst bei der Zulieferfirma Drahtcord verrichtete, im Oktober 2014 die Freiherr-vom-Stein-Medaille. „Im Dezember des gleichen Jahres wurde ich von der Gemeinde geehrt.“ Eines weiß er ganz genau: „Hätte meine Frau nicht mitgezogen, wäre das alles nicht möglich gewesen“, gesteht Biewer, der seit vergangenem Jahr Vorsitzender des Vdk Borg-Eft-Hellendorf-Oberleuken ist.

Ein Stück Borger Geschichte bewahrte er gemeinsam mit Ehefrau Elisabeth. In einem Buch hat das Ehepaar die Namen von Opfern der Weltkriege festgehalten und vor dem Vergessen bewahrt. Und darüber, dass der Oberleuker Peter Kiefer in teils mühsamer Fleißarbeit Daten, Anekdoten und Begebenheiten aus Borg zusammengetragen und ein Buch über den Ort geschrieben hat, ist Biewer dem Heimatkundler dankbar.