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Bauern im Saarland demonstrieren bei Perl gegen Vorgaben des Bundes

Kostenpflichtiger Inhalt: Demonstration bei Perl : Bauern wehren sich gegen neue Vorgaben

Etwa 50 Landwirte aus dem Kreis Merzig-Wadern haben am Dienstagabend auf dem Potsdamer Platz demonstriert.

Auch im Saarland gehen die Bauern auf die Straße, um gegen die geplanten schärferen Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und gegen weitere Dünge-Beschränkungen zum Schutz des Grundwassers zu demonstrieren. Über 50 Demonstranten standen mit rund 30 Traktoren am frühen Dienstagabend am Potsdamer Platz zwischen Sinz und Oberleuken an der Straße Spalier, um die vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Auf dem Acker dahinter brannte ein mächtiges Mahnfeuer, um die Blicke der Passanten auf die Demo zu lenken und den in Berlin demonstrierenden Berufskollegen symbolisch den Weg nach Hause zu leuchten.

„35 Prozent des Stahlaufkommens in Deutschland gehen in Form von Maschinen und Geräten in die Landwirtschaft“, erklärte Günter Weber aus Faha und verwies zudem auf über neun Millionen Wähler aus diesem Klientelbereich. Ferner warnte er vor den Gefahren eines Handelsabkommens mit den USA, denn auf diese Weise gelangten genmanipulierte Fleisch- und Pflanzenprodukte in die Bundesrepublik Deutschland.

Für die Nitratbelastungen des Grundwassers vornehmlich die Landwirtschaft verantwortlich zu machen, bezeichnete Weber als falsch. Nicht optimal funktionierende Kläranlagen und ein marodes Kanalsystem trügen ganz wesentlich zur Nitrat- und Stickstoff-Belastung des Wassers und der Böden bei.

Auch die Bauern seien für Insektenschutz, betonte Weber, denn die Insekten seien für die Landwirtschaft nützlich. Aber vor allem die stete Umwandlung großer Ackerflächen in Bauland trüge nicht unwesentlich zum Insektensterben bei. Abschließend bedauerte der Landwirt aus Faha, dass der nur wenige Kilometer entfernt wohnende Bauernverbands-Präsident Peter Hoffmann nicht vor Ort anwesend gewesen sei.

Veranstalter der Demo am Potsdamer Platz war die Aktion „Land schafft Verbindung – wir rufen zu Tisch“, eine parteipolitisch und verbandsunabhängige Gemeinschaft, die aus Facebook-Gruppen entstanden ist und bundesweit inzwischen über 20 000 Mitglieder zählt. Im Saarland gibt es derzeit rund 350 Mitglieder, wie Josef Gitzinger aus Faha erklärt.

„Wir rufen zu Tisch“ sei dabei wörtlich zu nehmen, betont er. „Die Bauern wollen mit der Politik an einem Tisch sitzen, wenn es um agrarpolitische Entscheidungen geht“, führt er weiter aus.

Nach seinen Worten hat die Politik im Saarland aber bereits reagiert. So ist am 11. Dezember ein Gespräch mit Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), am 13. Januar mit Umweltminister Reinhold Jost (SPD) und am 23. Januar mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Markus Uhl anberaumt. „Die Landwirte wollen zudem die Aufklärung der Öffentlichkeit selbst in die Hand nehmen, denn es kursieren zu viele Unwahrheiten und Fehlinformationen“, erklärt Josef Gitzinger abschließend und betont dabei, dass man für Gespräche mit allen offen sei.