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Bahnhof hat noch Zukunftspotenzial

Bahnhof hat noch Zukunftspotenzial

Ein kurzer Blick in alte Akten zum Bahnhof Perl. Heute setzt die Gemeinde auf Sanierung statt Abriss.

Nach der Eröffnung der Moselbahn am 15. Mai 1878 nahmen die Haltestellen Nennig, Besch und Perl ihren Betrieb auf. Die ursprüngliche Planung sah allerdings nicht vor, die beiden Orte Perl und Besch an das neue Schienennetz anzuschließen, also keine Haltestellen zu bauen. Für Perl begründete die Eisenbahnverwaltung die Ablehnung mit dem Hinweis, dass der Bahnhof Sierck für Perl ausreiche. Darauf hat die Gemeinde Perl bei der Eisenbahndirektion mehrere Eingaben gemacht. Alle Beschwerdebriefe wurden 1875 von der Direktion abgelehnt. Anschließend wandte sich der Bürgermeister von Perl beschwerdeführend an den Regierungspräsidenten. Die Entfernung nach Sierck sei für die Bevölkerung zu groß. Perl sei Kantonsort und habe Friedensgericht, Notar, Einnehmer, Arzt und Apotheke. Die Eingabe beim Regierungspräsidenten hatte Erfolg, der Bahnhof in Perl wurde gebaut.

Die Gemeinde Besch hatte das gleiche Problem. Am 3.1.1882 erhielt sie auf Anfrage bei der Eisenbahndirektion für den Bau einer Haltestelle eine Absage. Sie bekam aber Hilfe aus Luxemburg. Der Staatsminister von Blochhausen befürwortet in einem Schreiben mit den Unterschriften der Orte von Schwebsingen, Wintringen und Elwingen die Einrichtung eines Haltepunktes in Besch, mit Erfolg. Der Haltepunkt Besch wurde 1885 gebaut.

Die deutsche Bahnhoflandschaft hat sich auf Grund des demografischen Wandels verändert. Die Empfangsgebäude in Nennig und Perl gingen vor einigen Jahren durch Kauf in das Eigentum der Gemeinde Perl über. Beide Anlagen befanden sich damals schon, insbesondere Bahnhof Perl, in einem sanierungsbedürftigen baulichen Zustand. Für den Bahnbetrieb waren beide Anlagen nicht mehr notwendig Das Empfangsgebäude in Nennig wurde in den Jahren 1928/29 neu gebaut. Das Bahnhofgebäude Perl wurde 1926 von Architekt Voßberg aus Trier geplant.

Zu ihrer Entstehungszeit waren beide Bahnhöfe zukunftsweisend. Leider stehen heute viele kleine Bahnhofbauten vor ihrem materiellen Ende. Wenn die Rede vom Bahnhof ist, meint man selbstverständlich nur das Empfangsgebäude. Alle übrigen Bahnanlagen (Gleis, Bahnsteig, Signale. Abfahren und Ankommen) bleiben bei der Bundesbahn. Das Wort Bahnhof leitet sich durch die Bewirtung am Bahnhof seit dem 18. Jahrhundert von Gasthof ab.

Die Funktion der Empfangsgebäude der kleinen Bahnhöfe ist entbehrlich geworden. So auch der Bahnhof Perl. Nach dem jetzigen Stand der Planung ist wahrscheinlich, dass er weiterhin erhalten bleibt. Der Bahnhof Perl ist ein wichtiger Teil unserer Baukultur, er hat in kultureller und baugeschichtlicher Hinsicht das Dorf mit geprägt. Für den Bahnhof ist daher noch ein Zukunftspotential vorhanden, wenn wir wollen.

Doch das Erscheinungsbild der meisten unserer Bahnhöfe ist momentan nun mal, wie es ist. Obwohl die Bahnhöfe Perl und Nennig nicht mehr im Eigentum der Bahn sind, liegt die Betreiberverantwortung für ein ordnungsgemäßes Erscheinungsbild mit einem sicheren, barrierefreien Zugang zu den Gleisen bei der Bahn.

Von daher ist die neue Initiative der Gemeinde Perl zu begrüßen, dass sie das Vorhaben "Sanierung Bahnhof Perl" im Rahmen eines EU-Förderprogramms angemeldet hat (SZ vom 14. Februar). Es wäre schade gewesen, wenn das Empfangsgebäude, wie es bisher beabsichtigt war, abgerissen worden wäre. Damit wäre auch ein Teil der Geschichte des Perler Bahnhofs zu Ende gegangen. Der Bahnhof würde quasi "nackt" ohne einen identifikationsstiftenden Eingang da stehen.