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Reha-Klinik Orscholz
Wiebke machte den Weg nach Orscholz frei

Orscholz. Der Wirbelsturm half dem Unternehmer Johannes Zwick im Frühjahr 1990 bei der Standortfindung.

Verbindet man anderswo Wiebke mit Verwüstung und Katastrophe, so ist der Wirbelsturm für die Orscholzer im Nachhinein zum Segen geworden. Denn der Sturm sollte zum Wegweiser für den Standort der geplanten Rehaklinik in der Gemeinde Mettlach werden. Mit 130 bis 200 Stundenkilometern war der Orkan in der Nacht vom 28. Februar auf den ersten März 1990 über Deutschland und die Schweiz gebraust, hatte 35 Todesopfer gefordert und Milliarden Schäden an Häusern, Autos und in der Forstwirtschaft angerichtet. So rund um die Saarschleife: Dächer wurden abgedeckt, Bäume knickten um. Binnen weniger Stunden hatte Wiebke aus dem Wald eine Windbruchfläche gemacht – ein idealer Standort für eine Rehaklinik, wie der Unternehmer Dr. Johannes Zwick kurze Zeit später befand.


„Er war auf die Gemeinde zugekommen, um sein Geschäftsmodell, das im bayerischen Bad Füssing sehr erfolgreich war, im Dreiländereck fortzusetzen“, erzählt der ehemalige Ortsvorsteher von Orscholz, Hermann Kiefer. Einige Standorte hatte der Mediziner nach seinen Worten ins Auge gefasst: ein Waldgelände oberhalb von Saarhölzbach, den Scheuerhof und die Mettlacher Siedlung in Keuchingen. Wiebke habe dafür gesorgt, dass der Bau des neuen Gesundheitszentrums in Orscholz hochgezogen worden sei. „Der Orkan hat das Waldareal, das unter Naturschutz stand, binnen weniger Stunden platt gemacht. Durch diese Naturgewalt ist Orscholz erst ins Spiel gekommen“, erinnert sich der Kommunalpolitiker, der im Sommer 1989 zum Ortsvorsteher gewählt worden war. Zwick wollte laut Kiefer die Chance wahrnehmen, in unmittelbarer Nähe zur Saarschleife den Neubau zu errichten. „Die Architektur des Gebäudes ist der Form der Saarschleife nachempfunden. Nur eine Achse fehlt.“

„Was mich an dem Projekt immer fasziniert hat: Es dauerte nur zwei Jahre von der Idee bis zur Fertigstellung.“ Nur zu gerne hätten Land, Kreis und Gemeinde Zwicks Plan unterstützt. Nach der Bauvoranfrage im März 1990 habe er am 20. Juli 1991 das Grundstück gekauft, am 16. August sei Spatenstich gefeiert worden. „Er ist mit offenen Armen empfangen worden.“



Rund 200 Arbeitsplätze sind laut Kiefer durch den Klinik-Betrieb entstanden. „Diese haben einige kompensiert, die zuvor bei Villeroy und Boch verloren gegangen sind – das Wichtigste für unseren Ort.“ Nur zu gerne denkt er an den Altentag 1993 zurück. „Vor der Öffnung am 22. Oktober hat man mir die Türen zur Caféteria geöffnet. Ich durfte dort den Altentag ausrichten.“ Auch ein Tanzcafé habe der Personalchef in einem leerstehende Lokal in Orscholz etabliert. „Tanzen ist gut für unsere Patienten, die wegen des Bewegungsapparates zu uns kommen“, erinnert sich der ehemalige Ortsvorsteher an das Argument des damaligen Personalchefs.

Und noch eine Anekdote ist ihm im Gedächtnis haften geblieben: „Kurz vor der Eröffnung habe ich mit Luitwin Gisbert von Boch die Rehaklinik besucht. Als wir die Treppe runtergingen, fiel sein Blick auf das Geschirr, das dort stand. Er war entsetzt. Es war nicht von V&B. Es hat sich herausgestellt, dass es nicht das Geschirr für die Patienten war, sondern von dem Party-Service, der die Einweihungsfeier ausrichte. Da war er beruhigt.“

(mst)