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Tag der offenen Gartentür
Gartenbesitzer stellten ihre Oasen vor

Die Eheleute Charlotte und Jörg Kallass zeigten am Sonntag mit Freude ihren Garten.
Die Eheleute Charlotte und Jörg Kallass zeigten am Sonntag mit Freude ihren Garten. FOTO: Werner Krewer
Merzig-Wadern . Auch im Grünen Kreis öffneten am Sonntag Hobbygärtner beim „Tag der offenen Gartentür“ ihre Schmuckkästchen für Besucher.

Für viele ist er mehr als nur ein Hobby. Er ist Ort für Erholung, für Urlaub, er ist Genuss, er ist Sport, Ausgleich zum Beruf – der heimische Garten. Am Sonntag hatten Gartenfreunde wieder Gelegenheit, Gleichgesinnten zu zeigen, was sie in oft jahrelanger Arbeit kreiert haben. Wir stellen einige der neun Gärten im Kreis vor, die am Wochenende im Rahmen des „Tags der offenen Gartentür“ (siehe Infokasten) für Besucher geöffnet hatten.


Romy Wallrich, Hilbringen

Romy Wallrich wohnt in Hilbringen und arbeitet als Krankenschwester in Schwemlingen. Der Garten ist alleine ihr Projekt, und das, wie sie verrät, bereits seit 28 Jahren. In dieser Zeit habe sich der Garten aber immer wieder grundlegend verändert, sagt die 52-Jährige. „Anfangs war es ein reiner Nutzgarten mit Beeten und Hühnern. Als dann die Kinder kamen, wurde er halb zu einem Wohngarten umgebaut. Seit die Kinder groß sind, habe ich ihn ganz zum Wohngarten gemacht“, erzählt sie. Sie nahm in diesem Jahr zum ersten Mal am „Tag der offenen Gartentür“ teil. „Bisher habe ich an diesem Tag immer nur andere Gärten besucht. Nachdem Verwandte den Vorschlag gemacht hatten, ich sollte mich doch einmal selbst dafür bewerben, habe ich mir einen Ruck gegeben und mich beim Verband der Gartenbauvereine gemeldet“, erzählt die Hobby-Gärtnerin. Ihr grünes Paradies musste Romy Wallrich auf engstem Raum unterbringen. Seitlich hat der Garten daher wenig Platz, erstreckt sich aber ein gutes Stück in die Länge. Dabei ist jeder Teil der Anlage etwas höher gelegen als der davor. Trotz des eingeschränkten Raums hat es die 52-Jährige geschafft, einen Aufenthaltsort für jede Tageszeit zu schaffen – in einer Sitzecke kann man besonders gut die Morgensonne genießen, unter einer Überdachung hingegen die Mittagshitze überstehen. Dass auf so wenig Raum Blumenbeete, ein Teich, ein Rosenpavillon, ein Gewächs- und ein Backhaus sowie ein Whirlpool Platz finden, erstaunte die Besucher. Der Garten halte sie aber immer auf Trab, verrät Romy Wallrich: „Ich arbeite hart in meinem Beruf als Krankenschwester, und der Garten ist mein Ausgleich. Daher setze ich mich abends in der Regel todmüde zu meinem Mann auf die Couch. Der Garten ist sozusagen mein Fitnessstudio.“ Ihr zweites Hobby ist das Töpfern: „Alles, was Sie an Töpferarbeiten hier sehen, habe ich selbst hergestellt.“



Charlotte und Jörg Kallass, Wadern

Dass Gärten unterschiedlicher nicht sein könnten, beweist die Anlage von Charlotte und Jörg Kallass in Wadern. Ihr Haus ist idyllisch am Rande des Stadtgebiets gelegen, und die beiden Hobby-Gärtner haben die freien Flächen dahinter ausgiebig genutzt. Die Eheleute sind beide in Rente und widmen ihrem Garten viel Zeit. Wobei man schon beinahe von mehreren Gärten sprechen muss: Die Grünflächen hinter dem Haus erstrecken sich erstaunlich weit, nach Angaben von Jörg Kallass bewirtschaftet das Ehepaar mittlerweile eine Fläche von knapp 1800 Quadratmetern. „1999 haben wir unseren Garten angelegt, kaum ein Jahr nachdem unser Haus fertiggestellt wurde. Nachdem wir eingezogen waren, war uns klar, dass die Carportbegrünung nicht die einzigen Pflanzen bleiben sollten“, sagen die beiden. „Dabei hatten wir ursprünglich nur 480 Quadratmeter zur Verfügung“, erinnert sich Jörg Kallass, „2004 haben wir dann 550 und 2013 762 Quadratmeter dazugekauft.“ Direkt an das Haus schließt sich ein Wohngarten mit einem Teich und Hochbeeten an. Hinter einer großen Hecke als Trennwand beginnt der Nutzgarten, in dem sich ein Gemüsegarten, vier Hochbeete, eine Obst- und Beerenwiese sowie ein Gewächshaus befinden. Hinter einer weiteren Hecke liegt der hinterste Teil des Gartens, in dem ein großes Hühnerhaus, eine Voliere und ein Bienenhotel Platz finden.

Beim „Tag der offenen Gartentür“ nahmen sie schon zum zweiten Mal teil. „Unser Garten war uns immer schon wichtig, und ich wollte nach all den Jahren einfach wissen, wie kommt er bei anderen Leuten an?“ Neben Hühnern, Bienen und den Hunden des Waderner Ehepaars tummeln sich in dem Garten auch einige wildere Tiere: „In unserem Teich leben Moderlieschen, Frösche, Kröten, Teichmuscheln und Molche“, zählt Hausherrin Charlotte Kallass auf. „Auch eine Ringelnatter haben wir schon einmal gesehen.“ Insgesamt finden sich in dem weitläufigen Garten der Eheleute laut eigenen Angaben 30 verschiedene Rosensorten, 28 Bäume und Sträucher, 50 Stauden, Gräser und Farne sowie 15 Teich- und Wasserpflanzen.

Petra und Mariusz Kardzis, Bardenbach

Nicht weit von dem Garten der Eheleute Kallass entfernt zeigten Mariusz und Petra Kardzis ihre grüne Oase in Bardenbach. Der Garten schließt nicht direkt an das Wohnhaus der Familie an, sondern liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Viel Verkehr gibt es dort aber nicht, da Haus und Garten in einer Sackgasse liegen. Die Tür ihres Hauses – ein altes, renoviertes Bauernhaus – hatte Petra Kardzis, die als Erzieherin im Sonderkindergarten in Weierweiler arbeitet, für den „Tag der offenen Gartentür“ ebenso geöffnet wie die ihres Gartens und bot allen Besuchern Getränke, Kaffee und Kuchen an. Der Garten selbst ist von der Größe her überschaubar, aber überraschend vielseitig: „Hier war ursprünglich nichts weiter als eine Wiese“, verrät Petra Kardzis. Die Arbeiten darin habe sie vor 15 Jahren begonnen, rund ein Jahr nachdem sie in das gegenüberliegende Haus gezogen war.

Angefangen habe sie den Gartenbau mit einem Buchsbaum, der heute einen Kreis in der Mitte des Gartens formt. Um dieses Zentrum hat die Erzieherin dann alles Weitere aufgebaut. An einem Ende der eher länglich geformten Gartenfläche befindet sich eine kleine, hübsche Ruhe-Ecke, die Petra Kardzis „Weinstrand“ getauft hat. „Der offizielle Weinstrand ist ja in Thailen, und da ich hier nicht so viel Platz habe, wollte ich mir eine Miniatur davon in meinem eigenen Garten bauen“, erläutert die Hausherrin. Vor der einzigen Liege am Strand, auf der zwei Personen Platz finden, befindet sich ein Miniatur-Teich, ein paar Schritte weiter lauert ein Stein-Krokodil. Der Garten sei für das Ehepaar eine unendliche Aufgabe, wie die Chef-Gärtnerin sagt. Auch ihren Ehemann halte die Bardenbacherin auf Trab, wie sie erzählt: „Er hat eine Liste mit Sachen, die ich in unserem Garten noch machen will, aber die kann er nie abarbeiten, weil mir andauernd was Neues einfällt.“ Dabei wäre der „Tag der offenen Gartentür“ für die Familie beinahe ins Wasser gefallen. „Die Unwetter haben uns schwer erwischt. Noch bis vor zwei Wochen stand der Garten unter Wasser.“ Der nahe Wahnbach war über die Ufer getreten. „Der Garten trocknete Gott sei Dank von alleine, aber in dem Unwetter waren Äste von dem großen Baum gestürzt und hatten den Pavillon zerstört.“

Julia Winter, Nunkirchen

Romantisch mutet der üppige Staudengarten an, den Julia Winter angelegt hat, und in dem sich viele schöne Deko-Objekte verstecken. Sie hatte am „Tag der offenen Gartentür“ ebenso viel zu tun. In ihrem Garten stehen Obstbäume und mehrere Beerensträucher sowie ein Kräuter-Hochbeet. Auffallend ist eine riesige, zirka 50 Quadratmeter große Kürbisplantage. Ihr Garten grenzt an das Grundstück ihrer Eltern Peter und Christel Koch. Viele Besucher interessierten sich am Sonntag auch für das große Moorbeet und die ausgestellten Moorinseln für Gartenteiche, die ihre Schwester Nina herstellt. „Eine wunderbare Anregung für unseren neuen Gartenteich“, bemerkte ein Besucher und notierte sich gleich die Adresse. Neben der Liebe zur Natur hat die Gartenbesitzerin auch ein Herz für Tiere. Sie unterhält eine Kleintierpension. Auf der großen Wiese hinter ihrem Haus, inmitten herrlicher Landschaft, befinden sich mehrere Gehege für Kaninchen und Meerschweinchen. Daneben grasen Schafe auf der Wiese.

Peter und Christel Koch, Nunkirchen

Eine wahre Farbenpracht! Blumenstauden, Rosen und Blütengehölze, wohin das Auge schaut. Peter und Christel Koch haben sich, unterstützt von den beiden Töchtern Julia und Nina, einen paradiesischen Garten geschaffen, der sehr vielseitig ist. Hier gibt es so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Viele Gartenfreunde bestaunten am Sonntag ihren Garten, bekamen Tipps und Inspirationen von den Gartenbesitzern und freuten sich über selbst gezogene Lavendel- und Teichpflanzen sowie leckere Erfrischungsgetränke. „Ein einzigartiger Garten, der große Lavendelhügel weckt Erinnerungen an die Provence“, sagt Familie Meyer aus Losheim und ist begeistert. Das Tomatenhaus verspricht eine reiche Ernte. Ebenso die Bohnen- und Gurkenspaliere, ein Hochbeet, ein gemischter Blumen-, Obst- und Gemüsegarten und viele Beerensträucher. In der Mitte des Gartens dominiert eine große Kräuterspirale. Wunderschön die Gartenteiche mit Seerosen und blühenden Wasserpflanzen. Ausruhen konnten sich die Besucher auf der Sitzgruppe unter dem großen Nussbaum oder auf der Terrasse im mediterranen Flair, mit Oliven-, Feigen- und Zitronenbäumen, Oleander, Fuchsien und Hortensien. Mit viel Liebe zur Natur und zur Gartenarbeit ist hier im Laufe der Jahrzehnte eine wahre Oase entstanden, die Peter und Christel Koch jeden Tag aufs Neue genießen.

Kleine Teiche, üppige Bepflanzung: Peter Koch in Nunkirchen (rechts) hat hier seine Freude an der Arbeit.
Kleine Teiche, üppige Bepflanzung: Peter Koch in Nunkirchen (rechts) hat hier seine Freude an der Arbeit. FOTO: Werner Krewer
Hier sind Meerschweinchen und Kaninchen gut aufgehoben, Julia Winter in Nunkirchen behütet sie, wenn ihre Besitzer in Urlaub sind.
Hier sind Meerschweinchen und Kaninchen gut aufgehoben, Julia Winter in Nunkirchen behütet sie, wenn ihre Besitzer in Urlaub sind. FOTO: Werner Krewer
Hier war vor zwei Wochen nach dem Starkregen, noch alles überflutet. Doch mittlerweile fühlt sich Petra Kardzis an ihrem Mini-Weinstrand wieder wohl.
Hier war vor zwei Wochen nach dem Starkregen, noch alles überflutet. Doch mittlerweile fühlt sich Petra Kardzis an ihrem Mini-Weinstrand wieder wohl. FOTO: Werner Krewer
Stolz zeigt Romy Wallrich (Mitte, in grün) in Hilbringen ihren Garten, der auf kleiner Fläche große Vielfalt bietet.
Stolz zeigt Romy Wallrich (Mitte, in grün) in Hilbringen ihren Garten, der auf kleiner Fläche große Vielfalt bietet. FOTO: Werner Krewer