ÖPNV verbessert? Neue Buslinien im Kreis Merzig-Wadern ab 1. Januar 2020

Kostenpflichtiger Inhalt: Mehr Busse für den Kreis Merzig-Wadern : Mit dem Bus zur Cloef, Schule und Arbeit

Besonders Schüler, Arbeitnehmer und Touristen sollen von den neuen und veränderten Busverbindungen, die ab dem 1. Januar im Grünen Kreis gelten, profitieren.

Viel Kritik hat sich Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich bereits wegen der Busverbindungen im Kreis Merzig-Wadern anhören müssen. Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfes wurde das Thema durch den Kreisreport der Arbeitskammer ins Zentrum des Geschehens gerückt. Die Klage: zu wenige Verbindungen, insbesondere am Wochenende, und unzufriedene Nutzer. Doch am 1. Januar des kommenden Jahres tritt der schon seit einiger Zeit angekündigte neue Nahverkehrsplan in Kraft – und dieser bringt einige Änderungen mit sich.

Zunächst einmal nimmt die Anzahl der Kilometer, die insgesamt gefahren werden, zu: Derzeit seien es nach Worten von Schlegel-Friedrich 1,5 Millionen Kilometer pro Jahr, der neue Plan sehe rund 2,2 Millionen Kilometer vor. Dabei werden einige Linien neu geschaffen, darüber hinaus werden einige bestehende „entflochten“, wie Claudia Schulligen-Maslo von der ARGE Nahverkehrsgesellschaft Merzig-Wadern (siehe Info) es nennt. Das heißt: Die Linien werden in mehrere aufgespalten. „Das Ziel ist ein übersichtlicherer Fahrplan für die Kunden“, sagt sie.

Eine bessere Übersicht soll unter anderem durch das System der dreistelligen Liniennummern entstehen: Die erste Ziffer ist dabei immer dieselbe (2) und steht für den Landkreis Merzig-Wadern. Die zweite Ziffer gibt die Stadt oder Gemeinde an, die der entsprechende Bus hauptsächlich bedient: 0 steht für Wadern, 1 für Weiskirchen, 2 für Losheim am See, 3 für Beckingen, 4 für Merzig, 5 für Mettlach, 6 für Perl. Die dritte Ziffer informiert den Fahrgast darüber, wie wichtig die Linie ist, erklärt Schulligen-Maslo weiter – je niedriger die Ziffer, desto wichtiger ist die Linie. Die 0 kennzeichnet die Hauptachsen, die Ziffern 1 bis 6 stellen die Ergänzungsachsen dar, 7 bis 9 sind Schul- und Kindergartenbusse.

Eine der Linien, die neu geschaffen wurde, ist die 230 über Losheim, Beckingen und Merzig. Ebenfalls neu im Angebot ist ein Schichtbus (Linie 234), der aus dem Haustadter Tal zu Ford und zur Dillinger Hütte fährt. Auch durch einen Bus angebunden werden in Zukunft der Saarwiesenring und das Gewerbegebiet Bruchwies in Merzig, nicht umgesetzt allerdings wurde eine Linie, die Saargummi bedient.

Neben der besseren Anbindung von Industrie- und Gewerbegebieten soll es auch für Schüler Verbesserungen geben. Eine neue Linie bietet die Möglichkeit, das Berufsbildungszentrum (BBZ) Nunkirchen von Beckingen aus zu erreichen, außerdem gibt es eine Direktverbindung zwischen Hermeskeil und dem Hochwaldgymnasium in Wadern. Zudem werden freiwillige Ganztagsschulen mit Schulschluss um 17 Uhr bedient.

Aber nicht nur Arbeitgeber und Schüler sollen vom neuen Nahverkehrsplan profitieren – sondern auch Touristen und sonstige Ausflügler. Denn am Wochenende fährt ab dem kommenden Jahr unter der Liniennummer 255 der sogenannte Saarschleifenbus. Dieser verkehrt an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen jeweils vier Mal von Merzig nach Nennig und zurück und hält dabei unter anderem an der Cloef, an der Rehaklinik in Orscholz und an der Villa Borg. „Der Bus hat einen Fahrradanhänger“, kündigt Schulligen-Maslo an – an den meisten Haltestellen, darunter die Bahnhöfe in Merzig, Mettlach und Nennig, kann also ein Fahrrad ein- oder ausgeladen werden.

Besonders willkommen sind Fahrradfahrer auch auf der neuen Linie 260 von Merzig über Tünsdorf und Perl nach Nennig und zurück – „die Busse fahren mit einem Huckepackträger für Fahrräder“, erläutert Schulligen-Maslo. Die Linie ist, wie viele weitere, so konzipiert, dass sie die bestehenden Verbindungen, die nicht der ARGE unterliegen, ergänzt – sprich: Die Busse fahren beispielsweise in Merzig so ab, dass sie gut für diejenigen zu erreichen sind, die mit dem Zug oder der Regiobus-Linie R1 ankommen.

Nicht nur Buslinien werden geschaffen, sondern auch Anlaufpunkte: Damit Kunden in Kontakt mit der ARGE treten können, sollen zwei Servicebüros entstehen – eins in Merzig und eins in Wadern. Zu den genauen Standorten liefen derzeit Gespräche, sagt Schulligen-Maslo. Ebenfalls entstehen soll ein Fahrgastbeirat, der Bürgern die Möglichkeit bieten soll, mitzureden. „Wir werden uns der Auseinandersetzung stellen“, kündigt Schulligen-Maslo an. Zu den weiteren Qualitätsstandards, zu denen sich die ARGE verpflichtet hat, zählen Tariftreue gegenüber den Busfahrern, Barrierefreiheit durch den Einsatz von Niederflurbussen sowie ein zentrales Beschwerdemanagement. Auch soll es in den Bussen auf den Hauptachten W-Lan geben und es ist zu einem späteren Zeitpunkt eine App geplant.

Die ARGE verpflichtet sich, die Vorgaben des Nahverkehrsplans des Landkreises, der bereits 2017 beschlossen wurde, einzuhalten. Absolut in Stein gemeißelt sind die neuen Angebote aber nicht. Änderungen müssen nach Angaben des Landkreises genehmigt werden, sind aber grundsätzlich möglich.

Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich (Zweite von links) zusammen mit Vertretern der ARGE Nahverkehrsgesellschaft (von links): Monika Meiers, Claudia Schulligen-Maslo und Christoph Kiefer. Foto: Barbara Scherer

Ob und wie sich durch das veränderte Angebot die Nutzerzahlen sowie die Zufriedenheit der Kunden ändern, zeigt sich dann ab dem 1. Januar. Außer im Falle des Saarschleifenbusses – denn der fährt nur in der Saison, also von Ostern bis Anfang Oktober.

Mehr von Saarbrücker Zeitung