"Muselfränkischer Kalenner" für 2019 ist da

Merzig-Wadern : Historische Fotos mit Mundart unterlegt

Die Vereinigung zur Erhaltung und zur Förderung der moselfränkischen Mundart stellt den „Muselfränkischen Kalenner 2019“ vor.

„Gau un Griis“, die Vereinigung zur Erhaltung und zur Förderung der moselfränkischen Mundart, hat jetzt den „Muselfränkischen Kalenner 2019“ vorgelegt. Der seit Jahren beibehaltene günstige Preis von fünf Euro ist nur deshalb möglich, weil die Autoren auf ein Honorar verzichten.

Damit soll im Sinne der Erhaltung der grenzüberschreitenden Mundart, unserem „Platt“, eine größtmögliche Verbreitung ermöglicht werden. Die Texte sind wieder in Deutsch, in Französisch und in Mundart verfasst. Sie sind damit ein gutes Lehrbeispiel für die Sprachenvielfalt in der Grenzregion und somit auch interessant für den bilingualen Sprachunterricht in den Kindergärten und in den Schulen.

Neben dem Titelblatt zeigen die zwölf Monatsblätter wieder alte Ansichten von Städten und Dörfern aus dem Saarland und aus Lothringen. Benannt werden diese Orte in den beiden Sprachen und in Mundart. Hinzu kommen die typischen Spitznamen für diese Orte, oft in derber Wortwahl.

Das Titelbild zeigt diesmal dieWeinhandlung Godfrain in „Folkenburch“ um 1900, das vor genau 100 Jahren nach dem Ende des Ersten Weltkrieges (1914/18) wieder den alten Namen „Faulquemont“ erhielt. Der Monat Februar (Spierkelmond) ist Rehlingen-Siersburgs Partnerstadt Busendroff (Bouzonville, Busendorf) mit einem Foto des Altersheims „Heilich Kreitz“ gewidmet. Busendorfer waren nicht nur „schlaue Füchse“ sondern auch „Strépperlingen“.

Von Merzig (Mierzich) wird ein interessantes Foto (um 1910) „am Ecken von der Post/Trierer Stroos mét Spitälchen, Ratskeller, Schouhwarengeschäfft Wolf und Bouchhandlung Hafner“ gezeigt. Wenig schmeichelhaft der Spitzname „Mierzijer Powaischésser“.

Der Juni (Broochmond) zeigt den Blick von den früheren „Vier Linden“ (später Verwaltungssitz der Gipswerke Gebr. Knauf) auf Büren mit der „Backstäänfabréck“, einer der ältesten Fabriken im Landkreis Saarlouis, die 1937/38 erbaute „Siedlung“ und den Siersberg.

Eine Aufnahme von besonderem historischen Wert ist das vor 1914 entstandene Foto der Mühle von „Béngen“ (Bionville sur Nied, Bingen an der Nied). Hunderte von Mühlen wurden einst von der Französischen Nied, der Deutschen Nied und ab Condé-Northen der „Nied“ angetrieben. Als einzige Mühle im gesamten Niedtal ist die 1302 erstmals erwähnte Getreidemühle im lothringischen Fouligny heute noch in Betrieb.

Einen etwas ungewöhnlichen Blick in Saarlouis zeigt der „Weech von der Zeughausstrooss bés of den groossen Markt“ (um 1920). Wallerfangen (Vaudrevange) ist mit dem alten Schloss, das als „schwarzes“ Schloss bezeichnet wurde, vertreten. Der Spitzname „Wallerfanger Déppschesdräher“ weist auf die die frühere bedeutende Keramikindustrie in Wallerfangen hin.

Es gab vom „Spétznamen“ her nicht nur „de Schoffs von der bockelich Staai“. In Felsberg (De Staai en daer Gemeen Iwwerherrn) wurde auch, wie das Dezemberblatt, dem „Chréschtmond“ zeigt, fleißig in dem alten Kalkwerk der Familie Schütz gearbeitet.

Zwei Sonderseiten zeigen außerdem sehr eindrucksvoll, wie man früher in der Landwirtschaft „geschafft“ hat.

Ecke Post/Trierer Straße in Merzig um 1910 mit Spitälchen, Ratskeller, Schuhwarengeschäft Wolf und Buchhandlung Hafner. Foto: H.-D. Göttert
Die Arbeit auf dem Feld war früher äußerst hart. Hier ziehen zwei Kühe den Holzpflug. Foto: Erhard Grein

Der „Mundartkalenner 2019“ ist in den Saarlouiser, den Dillinger und den Merziger Buchhandlungen erhältlich.

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