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Zwei überregional bekannte Persönlichkeiten aus Orscholz werden 90 Jahre alt

Orscholz : Zwei Jubilare von der Cloef, die man im ganzen Land gut kennt

In diesem Jahr feiern zwei Männer aus Orscholz, die auch weit außerhalb des Ortes Bekanntheit erlangten,ihren 90. Geburtstag – einer davon heute.

Der Jahrgang 1930 wurde im Cloefort Orscholz an Ostern 1936 mit 54 Schülern in die Volksschule eingeschult – bemerkenswert, wie kinderreich damals Orscholz war! Unter diesen 54 waren auch zwei, die in diesem Jahr ihr 90. Lebensjahr vollenden und die während dieser neun Jahrzehnte nicht nur in Orscholz, sondern überregional Bekanntheit erlangt haben. Einige weitere Gemeinsamkeiten verbinden die beiden Jubilare miteinander: 1939 gingen sie in Orscholz zur ersten heiligen Kommunion; im September 1939 wurde Orscholz evakuiert und die zwei Familien wurden bei Arolsen untergebracht, und an Ostern 1944 wurden sie aus der Volksschule Orscholz entlassen.

Einer der beiden ist Helmut Kohn: Er wird am 8. Juli 90 Jahre alt. Kohn besuchte nach der Volksschule Orscholz das Gymnasium in Saarburg und studierte anschließend an der Uni in Saarbrücken Volkswirtschaft. Ab Dezember 1953 bekam Kohn an der Saar-Universität als Hilfsassistent eine Anstellung und wurde schließlich 1956 im Bundesministerium für Wirtschaft in Bonn angestellt. Als Leiter des Referates Forschungs- und Technologiepolitik hat er bei vielen volkswirtschaftlichen Grundsatzfragen und der Weiterentwicklung von Forschung und Technologie entscheidend mitgewirkt. Auch hat Kohn ab der Amtszeit des damaligen FDP-Wirtschaftsminister Hans Friedrichs (1972 bis 1977) bis zu seiner Pensionierung sowohl für Friedrichs als für alle folgenden Minister viele Reden verfasst. Zwischendurch gab er im Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung ein sechseinhalbjähriges Gastspiel als Leiter des Sekretariates der Kommission für Wirtschaftlichen und sozialen Wandel.

Eine besondere Aufgabe übernahm er ab 1991 in Berlin: Dem Ministerialrat und Diplom-Volkswirt Helmut Kohn wurde neben seinem bisherigen Referat auch die Leitung des neuen Referates Innovationsförderung im Beitrittsgebiet (also den damaligen fünf neuen Bundesländern) übertragen. In diesem Tätigkeitsfeld für die ostdeutsche Industrieforschung hat er sich bleibende Verdienste erworben – vor allem um die Betreuung junger, innovativer Unternehmen in Ostdeutschland und um die Koordination und den effektiven Einsatz der Förderprogramme des BMWi für diese Unternehmen.

Werner Wandernoth, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte, war ein bekannter Gewerkschafter. Foto: Kurt Petry

Auch nach seiner Pensionierung zum 30. April 1996 (die Dienstzeit wurde um ein Dreivierteljahr verlängert) unterstützte Kohn noch fünf Jahre lang bis 2001 den Verband innovativer Unternehmen in den neuen Bundesländern, unter anderem mit der Abfassung der Studie „Externe Industrieforschung im Wettbewerb“. Apropos Studien und Analysen: In den 1980er Jahren veröffentlichte Helmut Kohn in der IHK-Broschüre „Saarwirtschaft“ eine Struktur-Analyse für das Saarland. Damals war Kohn unter Oskar Lafontaine als möglicher saarländischer Wirtschaftsminister im Gespräch. Heute lebt Kohn in Bonn.

Werner Wandernoth wurde am 2. April 1930 als Ältester von fünf Brüdern in Orscholz geboren und besuchte nach Abschluss der Volksschule Orscholz die Handelsschule in Merzig mit dem Abschluss der Mittleren Reife für Wirtschaftsberufe. Danach begann er eine Ausbildung zum Waldfacharbeiter und arbeitete bis 1962 als Forstwirt im Forstamt Saarburg/Merzig. Danach wurde er Gewerkschaftssekretär bei der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft (GGLF).

Von 1972 bis 1977 war Werner Wandernoth Vorsitzender des DGB-Kreises Saarbrücken, bis er schließlich als stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft nach Kassel wechselte. Nach fünf Jahren Amtszeit kehrte er ins Saarland zurück und wurde im Dezember 1982 zum stellvertretenden DGB-Landesbezirksvorsitzenden gewählt, ein Amt, das er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Berufsleben 1990 inne hatte.

Auch politisch hat sich Werner Wandernoth sehr engagiert. Gut zwei Jahrzehnte lang war er in den politischen Gremien seiner Heimatgemeinde tätig und noch länger (60 Jahre) in der SPD. Im Alter von 30 Jahren zog er 1960 erstmals in den Gemeinderat der damals eigenständigen Gemeinde Orscholz ein, dem er bis zur Gebietsreform (Ende 1973) angehörte. Während dieser Zeit war er fünf Jahre lang (1968 bis 1973) Beigeordneter der Gemeinde Orscholz.

Nach der Gebietsreform zog er in den neuformierten Mettlacher Gemeinderat ein, dem er bis Ende 1977 angehörte. Dort bekleidete er das Amt des Sprechers der SPD-Gemeinderatsfraktion. Werner Wandernoth engagierte sich darüber hinaus in mehreren Orscholzer Vereinen, vor allem im Partnerschaftsverein, Angelsportverein und Turnverein.