Widerstand gegen Schutzgebiete

In der Gemeinde Mettlach gibt es viel Unmut wegen der vom Umweltministerium geplanten Ausweisung von Natura 2000-Schutzgebieten (siehe Infokasten). Das Ministerium plant, die Gebiete Leuktal, Krautfelsen und Bärenfels bei Orscholz sowie Zunkelsbruch bei Saarhölzbach als Natura 2000-Gebiete auszuweisen.

Insbesondere in Saarhölzbach regt sich dagegen heftiger Widerstand. Denn die Regelementierungen, die mit diesem Schritt verbunden wären, kommen aus Sicht vieler Grundstückseigentümer einer Enteignung gleich. Dies wurde bei der Sitzung des Mettlacher Gemeinderates am Mittwoch deutlich, wo das Thema auf der Tagesordnung stand. Am kommenden Mittwoch gibt es einen Informationsabend mit Vertretern des Umweltministeriums und Minister Reinhold Jost (SPD ) in Saarhölzbach.

Seit 8. August liegen die Entwurfstexte für die Ausweisung der geplanten Schutzgebiete im Rathaus zur Einsicht aus. 22 Stellungnahmen sind seither nach Angaben des Beigeordneten Bernhard Schneider bei der Gemeinde eingegangen. Sie alle lehnen die Pläne in der vorliegenden Form ab. Auch die Gemeinde ist gehalten, eine Stellungnahme zu der geplanten Schutzgebiets-Ausweisung abzugeben. Doch man wolle erst die Infoveranstaltung am Mittwoch abwarten und die Erkenntnisse aus diesem Abend mit einfließen lasssen, erläuterte der zweite Beigeordnete Hans-Josef Uder.

Auch aus den Reihen des Rates wurde viel Skepsis laut: SPD-Fraktionsmitglied Reinhold Behr sprach von einem "Eingriff in das persönliche Eigentum" der Menschen. "Man macht es sich zu einfach in Saarbrücken", kritisierte Behr. Michael Thieser (CDU ) wies darauf hin, dass in dem nun vorgelegten Entwurf gegenüber früheren Plänen das Schutzgebiet um Saarhölzbach massiv erweitert worden sei. "Das lehnen wir in dieser Form ab", unterstrich Thieser und ergänzte: "Umweltschutz ist uns wichtig, aber der Schutz des Eigentums ebenso." Diplom-Ingenieur Klaus Stucky vom Homburger Landschaftsplanungsbüro Glaser, das die Gemeinde in der Angelegenheit berät, erläuterte, warum die rund um Saarhölzbach vorgesehene Schutzfläche so groß sei: Hier gebe es noch sehr zahlreich so genannte magere Flachland-Mähwiesen, was auf die seit Generationen praktizierte landwirtschaftliche Nutzung dieser Landschaft zurückzuführen sei. Diese Art von Lebensraum komme in Deutschland immer seltener vor, daher soll die Ausweisung als Schutzgebiet dazu dienen, diesen Zustand zu erhalten. "Dass das Ministerium nun so auf diese Wiesen fokussiert ist, zeigt, dass das, was die Landwirte dort seit Jahrzehnten praktizieren, dem Naturschutz nicht abträglich ist", sagte Stucky. Allerdings räumte er auch ein, dass die geplante Ausweisung in gewissem Umfang eine Einschränkung des persönlichen Eigentums darstelle. Denn es sei dann zum Beispiel nicht mehr möglich, ein Wiesengrundstück im Schutzgebiet in Ackerland umzuwandeln.

Zum Thema:

stichwort Natura 2000-Gebiete sind ein Netzwerk von Schutzgebieten in der EU, durch das gefährdete oder typische Lebensräume und Arten erhalten, gefördert oder wiederhergestellt werden sollen. Die Natura 2000-Flächen umfassen spezielle Vogelschutzgebiete und die so genannten FFH-Gebiete. FFH steht für Fauna-Flora-Habitat, also für Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Im Saarland gibt es insgesamt 117 Natura 2000-Gebiete, die insgesamt 26 316 Hektar (rund zehn Prozent der saarländischen Landesfläche) umfassen. (Quelle: Naturwacht Saar) koj