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Nitrat im Brunnenwasser
Wasserqualität auf dem Prüfstand

Harald Gülzow im Labormobil beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe.
Harald Gülzow im Labormobil beim Analysieren einer Brunnenwasserprobe. FOTO: VSR-Gewässerschutz e.V.
Mettlach. Umweltschützer Harald Gülzow führt mit seinem Verein VSR-Gewässerschutz am Mittwoch in Mettlach Gewässerproben durch. Von Teresa Bauer

Umweltschützer des Vereins VSR-Gewässerschutz untersuchen an diesem Mittwoch auf dem Mettlacher Marktplatz Brunnenwasser aus heimischen Gärten. Wasserproben nehmen die Umweltschützer von 9 bis 11 Uhr am Labormobil entgegen Die SZ sprach vorab mit Diplom-Physiker Harald Gülzow, Vereinsmitglied und Experte für Brunnenwasserqualität.


Herr Gülzow, seit wann engagiert sich der Verein für den Gewässerschutz?

HARALD GÜLZOW: Wir sind Anfang der 80er Jahre in Frankfurt aus einer ganzen Reihe Bürgerinitiativen entstanden. Wir waren der Ansicht, dass es so nicht weiter geht, und, wenn die Politik nichts unternimmt, etwas vom Bürger aus passieren muss. Daraufhin wurde mit dem Schiff eine Messfahrt von Basel bis Rotterdam organisiert. Die Daten wurden veröffentlicht und so entstand die Idee, solche Messungen regelmäßig durchzuführen, um mit den Daten Druck auf die Politik ausüben zu können.



Vorrangig geht es bei der Messung am Mittwoch um den Nitratwert im Brunnen- respektive Grundwasser. Woher stammt eigentlich das Nitrat?

GÜLZOW: Nitrate sind quasi Dünger-Einschwemmungen. Wenn Pflanzen wachsen, muss gedüngt werden. Wird zu viel gedüngt wandert der Dünger mit dem Sickerwasser in den Untergrund. Zum einen ist er für die Pflanzen dann nicht mehr zu erreichen, zum anderen belastet er das Grundwasser.

Also sind die Hauptverursacher die Landwirte?

GÜLZOW: Das ist richtig. Landwirte, Gartenbauer, Weinbauer. Alle, die großräumig anbauen und dafür großräumig düngen müssen.

Vergangenes Jahr wurde die Düngeverordnung von der Bundesregierung verschärft – also die maximal erlaubte Menge des Düngemittels heruntergeschraubt. Sehen Sie das als ersten Erfolg?

GÜLZOW: Ob das zum Erfolg führt, wird sich erst in den nächsten zehn Jahren zeigen. Zunächst muss die Verordnung umgesetzt werden. Die Landwirte müssen sich erstmal daran gewöhnen darauf zu achten. Dann müssen die Kontrollmechanismen eingeführt werden. Bis das alles richtig läuft, vergeht leider einige Zeit.

In der Trinkwasserverordnung ist vorgeschrieben, dass der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter nicht überschritten werden darf. Wie hoch darf der Wert im Brunnen- beziehungsweise Grundwasser sein?

GÜLZOW: Es gibt einen Schwellenwert, der sich an dem Grenzwert für das Trinkwasser orientiert, also ebenfalls 50 Milligramm pro Liter. Das entstand dadurch, da man sagte, das Grundwasser müsse grundsätzlich überall auch als Trinkwasser verwendet werden können. Der Warnwert liegt mit 37 Grad etwas niedriger. Wird dieser überschritten, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man diesen Anstieg von der Belastung wieder umkehrt.

Ihr Verein veröffentlicht regelmäßig Karten, auf denen gezeigt wird, wo die Nitratbelastung in Deutschland am höchsten ist. Das Saarland scheint ja nicht schlecht abzuschneiden?

GÜLZOW: Im Saarland ist ein ganz leichtes Gelb auf der Karte zu sehen. Das heißt, dass wir keine Messwerte haben. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann wir das letzte Mal im Saarland eine Messung vorgenommen haben. Das war irgendwann in den 90ern. Mettlach ist seit langem die erste Aktion im Saarland. Im nächsten Jahr soll die Aktion ausgeweitet werden. Da wird Saarbrücken gewiss auch Thema sein.

Wie kamen Sie ausgerechnet auf Mettlach?

GÜLZOW: Eigentlich ist es ein Würfelwurf. Wir schauten auf die Karte und fragten ‚Wo gehen wir hin? Nehmen wir Mettlach’. Es hätte aber genauso gut auch Merzig sein können

Also wählen Sie die Orte nicht nach bestimmten Kriterien aus?

GÜLZOW: Wenn wir das erste Mal irgendwohin kommen, dann nicht. Werden wir nun länger bei Ihnen messen und haben mehr Daten, werden wir uns anschauen, wo die Belastung höher ist, und uns dementsprechend mehr auf diese Orte konzentrieren.

Wenn es also keinen ausschlaggebenden Grund gab nach Mettlach zu kommen, kann es auch sein, dass die Messung am Mittwoch in Mettlach eine gute Grund- beziehungsweise Brunnenwasserqualität bescheinigt und alle zufrieden sind?

GÜLZOW: Das wäre ein schönes Ergebnis. Das würde uns sehr freuen.

Das Gespräch führte Teresa Bauer