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Orscholz
„Wir investieren stetig in neue Therapien“

Bernd Witte
Bernd Witte FOTO: Johannesbad / Johannesband
Der Leiter der Reha-Klinik Orscholz beschreibt die Veränderungen im Gesundheitswesen in den vergangenen 25 Jahren.

Der Satz „ich gehe in Kur“ wird von vielen Patienten immer noch verwendet. Was ist der Unterschied zwischen Kur, Reha und Anschlussheilbehandlung?


BERND WITTE Gesund bleiben, gesund werden – das ist das gemeinsame Ziel aller drei Behandlungsformen. Gemäß den Regelungen in den Sozialgesetzbüchern schließt sich eine Anschlussheilbehandlung, kurz AHB, immer an einen stationären Krankenhausaufenthalt an – beispielsweise nach einer Operation. Eine Reha soll bei bestehenden, chronischen Erkrankung oder anderen schweren gesundheitlichen Einschränkungen, zum Beispiel nach Operationen, gesundheitliche Beeinträchtigungen verhindern oder verbessern. So soll eine frühzeitige Verrentung abgewendet werden. Und eine Kur ist eine Vorsorgemaßnahme, um zu verhindern, dass eine Erkrankung entsteht oder sich ausbreitet.

Auf welches der drei Felder hat sich Ihr Haus spezialisiert?



WITTE Als Fachklinik mit angeschlossenem Reha- und Gesundheitszentrum deckt die Johannesbad Fachklinik Saarschleife alle drei medizinischen Felder bei den Indikationen Orthopädie, Neurologie und Psychosomatik ab. Neben AHB, Reha und Prävention behandeln wir auch Patienten mit akuten psychischen und psychosomatischen Erkrankungen.

Gibt es überhaupt noch den klassischen Kurgast?

WITTE Wir sind zu 90 Prozent mit Patienten in Reha, AHB oder Akutbehandlung ausgelastet. Darüber hinaus kommen viele Menschen zu uns, die man früher als Kurgäste bezeichnet hätte – aber mit dem Klischee „morgens Fango, abends Tango“ hat das nichts gemeinsam. Auch in den Vorsorgekuren stehen medizinische Behandlungen wie Ergo- und Physiotherapie, Sportangebote aber auch Entspannungsmethoden oder traditionelle chinesische Medizin auf dem Plan.

Was hat sich im Laufe von 25 Jahren, in denen die Johannesbad Fachklinik Saarschleife besteht, geändert?

WITTE Neue Abteilungen wie Psychosomatik und Neurologie kamen hinzu. Heute bieten wir Programme wie „Psych direkt“ an, um Patienten mit psychischen Erkrankungen schneller zu behandeln. Darüber hinaus setzen wir immer stärker auf Digitalisierung in der medizinischen Behandlung. Was sich aber nicht geändert hat, ist, dass bei uns Menschen mit Menschen arbeiten. Unsere rund 320 Mitarbeiter sind nach wie vor das Herz der Klinik.

War es vor den Gesundheitsreformen leichter, eine Kur genehmigt zu bekommen?

WITTE Nein, auch wenn wir heute immer stärker unter dem Kostendruck stehen. Durch das Wunsch- und Wahlrecht können die Patienten sich die jeweilige Klinik aussuchen. Wir stellen fest, dass sich immer mehr Menschen besser informieren – im Internet oder bei Bekannten – und sich nach diesen Bewertungen bewusst für eine Rehaklinik entscheiden.

Welche Auswirkungen hatten die Gesundheitsreformen auf Ihr Haus?

WITTE Zunächst war die Gesundheitsreform unter Horst Seehofer 1996 ein tiefer Einschnitt. Von einem Tag auf den anderen fiel die Geschäftsgrundlage für Kurorte und Kliniken weg. Viele Einrichtungen mussten schließen. Doch die Johannesbad Gruppe hat sich neu aufgestellt und richtig reagiert. Heute behandeln wir rund 4500 Patienten jedes Jahr. Noch einmal so viele Gäste entscheiden sich für einen selbstfinanzierten Aufenthalt in unserem Haus. Denn gesund werden und gesund bleiben ist den Menschen besonders wichtig.

Hat sich dadurch auch das Klientel an Patienten geändert?

WITTE Wir haben mehr Patienten, die zu Anfang der AHB oder ihrer Reha nicht mobil sind. Sie werden heute früher aus dem Krankenhaus entlassen, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Nach dem Ersatz eines Kniegelenks beispielsweise kommen Patienten bereits nach fünf bis zehn Tagen in die Reha-Klinik. Unsere Gäste sind außerdem besser informiert; sie wissen, was sie in der Reha erwartet.

Welche Schritte haben Sie in den vergangenen Jahren unternommen, damit die Johannesbad Fachklinik leistungsfähig bleibt?

WITTE Wir investieren stetig in die Infrastruktur und neue Therapien. So sichern wir beispielsweise mittlerweile mit zwei neuen Blockheizkraftwerken die Energieversorgung in der Einrichtung. Ein Meilenstein bildete 2016 die Indikation Neurologie – die neue Abteilung ergänzt das Leistungsangebot der Johannesbad Fachklinik Saarschleife. In der Psychosomatik entwickeln wir neue Angebote und passen uns damit den geänderten Bedürfnissen der Gesellschaft an. Außerdem bilden wir unsere Mitarbeiter regelmäßig weiter.

Als Sie im Juli 2017 die Leitung übernommen haben, kündigten sie an, dass sich die Abteilungen der Fachklinik wie Orthopädie, Psychosomatik, Innere Medizin, Neurologie und Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) noch stärker vernetzen. Warum legen Sie darauf Wert?

WITTE In der Medizin ist es entscheidend, den Menschen als Ganzes zu sehen. Viele orthopädische Erkrankungen haben ihre Ursache in der Psyche – und anders herum. Denken Sie nur an Wirbelsäulenbeschwerden, die häufig bei zu großem seelischen Druck entstehen. Nur wenn alle Fachrichtungen eng zusammen arbeiten, können wir das Beste für den Patienten erreichen.

Wie sieht diese Vernetzung konkret aus?

WITTE Die Kolleginnen und Kollegen aus den verschiedenen Abteilungen arbeiten miteinander und nicht nebeneinander; sie tauschen sich regelmäßig aus. Sie arbeiten eng zusammen – und das nicht nur in der Johannesbad Fachklinik Saarschleife. Auch die Mitarbeiter aus den anderen acht Johannesbad Fachkliniken gehören zum großen Team. Das merken die Patienten und honorieren es auch. Gemeinsam entwickeln wir unsere Gruppe weiter und planen für die Zukunft.

Wo liegen die Chancen der Fachklinik Saarschleife in Zukunft?

WITTE Die Menschen werden älter und sollen länger arbeiten. Dafür müssen sie fit bleiben. Die Johannesbad Gruppe arbeitet nach dem Motto „Gesundheit ist unser Leben“. Und das eben möglichst lange. Deswegen bauen wir weiter unser Angebot aus. Wir entwickeln die Vorsorge-Maßnahmen und das betriebliche Gesundheitsmanagement für Firmen und Verwaltungen weiter und bauen das Angebot bei den Reha- und AHB-Maßnahmen aus. Neue Therapien, digitalisierte Medizin, eng gekoppelt mit unserer Erfahrung und dem Bewährten, wie auch der traditionellen chinesischen Medizin – das ist die Zukunft.

Die Fragen stellte Margit Stark

Einblick in das  Bad der Klinik
Einblick in das  Bad der Klinik FOTO: Johannesbad / Günter Standl/Johannesbad
Den Plan in Händen: (v. l.) Dr. Johannes Zwick (heute Aufsichtsratsvorsitzender Johannesbad Gruppe), Bauamtsleiter Wolfgang Kiefer, Architekt Ernst Reuter, Ortsvorsteher Hermann Kiefer, Bürgermeister Manfred Zimmer.
Den Plan in Händen: (v. l.) Dr. Johannes Zwick (heute Aufsichtsratsvorsitzender Johannesbad Gruppe), Bauamtsleiter Wolfgang Kiefer, Architekt Ernst Reuter, Ortsvorsteher Hermann Kiefer, Bürgermeister Manfred Zimmer. FOTO: Johannesbad
Am 16. August 1991 setzte sich Finanzminister Hans Kasper in den Bagger, um mit dessen Schaufel den ersten Spatenstich zu starten.
Am 16. August 1991 setzte sich Finanzminister Hans Kasper in den Bagger, um mit dessen Schaufel den ersten Spatenstich zu starten. FOTO: Johannesbad
(mst)