Dreisbach: Taucher spürten Auto in 4,60 Metern Tiefe auf

Dreisbach : Taucher spürten Auto in 4,60 Metern Tiefe auf

Der spektakuläre Bergungseinsatz in der Saar bei Dreisbach beschäftigte Helfer am Freitagabend rund vier Stunden lang.

Keineswegs freiwillig ging am Freitagmittag in Dreisbach ein 59-jähriger Autofahrer aus Neunkirchen in Dreisbach baden. Infolge eines Schwächeanfalls fuhr er mit seinem Pkw zwischen Boots- und Fährhaus in die Saar (wir berichteten bereits kurz). Eine Motorbootbesatzung beobachtete den Unfall und verständigte umgehend Feuerwehr und Rettungsdienst.

Noch vor Eintreffen der Rettungskräfte konnte sich der Unfallfahrer jedoch aus eigener Kraft an Land retten. Sein Fahrzeug, ein silberfarbener Opel, versank aber in den Fluten. Der 59-jährige Mann wurde nach notärztlicher Versorgung noch an der Unfallstelle zur weiteren medizinischen Betreuung ins Krankenhaus in Merzig eingeliefert. Neben Feuerwehr und DRK-Rettungsdienst war auch die Wasserschutzpolizei, allerdings per Auto, an der Unfallstelle im Einsatz. Sie forderte zur Suche nach dem untergegangenen Fahrzeug die Taucherstaffel der saarländischen Polizei an, die dann mit schwerem Gerät anrückte.

Per Boot machte sich die Spezialeinheit auf die Suche nach dem untergegangenen Auto. Linie für Linie wurde an der Unfallstelle auf der Saar abgefahren, der Boden der Saar mit einem funkelnagelneuen Side-Scan-Sonar abgesucht. Vormittags waren am Losheimer Stausee die ersten Testläufe mit dem neuen Arbeitsgeräts abgelaufen. Kaum war die Taucherstaffel wieder in Saarbrücken, lief der Alarm aus Dreisbach ein.

Und die Polizisten um Einsatzleiter Thomas Bettingen wurden schnell fündig. Gut 30 Meter von der Einfahrtsschneise, wo rote Farbmarkierungen die Fahrspur des Unglücksfahrzeugs anzeigten, befand sich der Wagen in knapp 4,60 Meter Tiefe auf dem Dach liegend auf dem Grund.

Ein Taucher machte sich fertig. Er kennzeichnete mit einer orange-farbenen Boje die genaue Position des Unfallfahrzeugs. Danach begann dann aber seine eigentliche Arbeit. Vorschriftsmäßig per Leine abgesichert, tauchte er hinab, um die notwendigen Abschleppbänder an dem Fahrzeug anzubringen. Die Kommunikation lief über eine Kabelverbindung.

Es dauerte eine Zeit lang, denn unten war es stockdunkel, und der Polizeitaucher musste sich per Tastsinn orientieren, um die Bergungsbänder auch optimal anbringen zu können. Zum Schluss wurde das Stahltau des Unimogs, der inzwischen in Bergungsposition stand, eingehakt. Die Bergung konnte beginnen. Vorsorglich hatten sowohl der Taucher als auch die Polizeikräfte am Ufer einen genügend großen Sicherheitsabstand eingenommen, denn das Seil konnte jederzeit auch abrutschen. Der Unimog ging zwar mächtig „in die Knie“, aber Zentimeter um Zentimeter zog die Seilwinde das Unfallfahrzeug in Richtung Ufer.

Wieder kam der Taucher zum Einsatz: Die Bergungsbänder mussten ummontiert werden. Parallel dazu wurde der Kran des Unimogs in Position gebracht. Wieder brachten sich alle Anwesenden in Sicherheit und verfolgten gespannt die Arbeit des Krans. Wird er das Fahrzeug auch wirklich packen? „Es wird knapp mit dem Gewicht“, erklärte Thomas Bettingen. Das Auto allein stelle kein Problem dar, aber mit dem Wasser gelange der Bergungskran an seine Grenze der Leistungsfähigkeit. Wieder ging der Unimog mächtig in die Knie. Aber Zentimeter für Zentimeter hievte er das Fahrzeug in die Höhe. Viel Wasser lief aus dem Fahrzeug. „Jetzt haben wir gewonnen,“ meinte der Einsatzleiter zufrieden. Seine Kollegen sicherten mit Tauen den Unfallwagen ab und zogen ihn in die richtige Position, während der Kran nach links drehte und dann das Fahrzeug behutsam auf dem Dach ablegte. Während der Bergung lief der rege Ausflugsverkehr an der Saarschleife im Schritttempo problemlos an der Einsatzstelle vorbei.

Gut vier Stunden waren zum Abschluss der Bergung seit dem Unfall vergangen. Nachdem das Fahrzeug für den Abtransport durch den Abschleppdienst fertig war, machten sich die Beamten der Taucherstaffel an den Rückbau und rückten ab.

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