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Polizei kennt Tatwaffe und -zeit

 Im Wohnhaus der Familie in Orscholz suchten Spezialisten der Polizei den ganzen Donnerstagnachmittag lang nach Spuren, die Erkenntnisse über das Familiendrama liefern konnte – aufmerksam beäugt von zahlreichen Medienvertretern. Foto: Werner Krewer
Im Wohnhaus der Familie in Orscholz suchten Spezialisten der Polizei den ganzen Donnerstagnachmittag lang nach Spuren, die Erkenntnisse über das Familiendrama liefern konnte – aufmerksam beäugt von zahlreichen Medienvertretern. Foto: Werner Krewer FOTO: Werner Krewer
Orscholz. Über den Ablauf der Tragödie, bei der ein 36-Jähriger erst Frau und Kind und dann sich selbst tötete, besteht nun mehr Klarheit. Derweil sind die Menschen in Orscholz weiter erschüttert von den Geschehnissen. den en Margit Stark,Christian Beckinger

Nach dem Familiendrama mit drei Toten in Orscholz sind am Freitag die Leichen obduziert worden. Die Rechtsmediziner bestätigten die ersten Vermutungen der Polizei vom Donnerstag, dass die 40-jährige Ehefrau und die dreijährige Tochter vom 36 Jahre alten Familienvater er stochen worden sind - mit einem Küchenmesser. Die Tatwaffe war nach Mitteilung der Polizei vom Freitag in der Wohnung sichergestellt worden.


Als Tatzeit nannte Georg Himbert , Sprecher der Landespolizeidirektion, gegenüber der SZ den späten Mittwochnachmittag oder frühen Abend. Kurz zuvor seien beide Opfer noch gesehen worden. Nach der Tat war der 36-Jährige mit seinem Auto in Richtung Baumwipfelpfad gefahren, dort über einen Absperrzaun geklettert und von der über 40 Meter hohen Aussichtsplattform in die Tiefe gesprungen. Die Ermittler gehen von Selbstmord aus. Der Mann war nach Polizeiangaben psychisch krank. Dem Vernehmen nach soll er nach einem stationären Aufenthalt in der SHG-Klinik in Merzig zuletzt in ambulanter Behandlung gewesen sein.

Nach Angaben der Polizei habe nichts auf eine akute Suizid-Gefahr hingedeutet. Bislang haben die Ermittler keinen Abschiedsbrief oder Ähnliches gefunden, was Hinweise auf das Motiv der Tat liefern könnte.



Am Donnerstagmorgen hatten zwei Mitarbeiter des Baumwipfelpfades an der Cloef bei ihrer täglichen Routineprüfung vor der Öffnung für die Besucher Anzeichen im Ausgangsbereich der Anlage entdeckt, die auf ein ein unbefugtes und gewaltsames Eindringen des Pfades hindeuteten, der in der Nacht verschlossen ist. Das teilte die Erlebnisakademie, Betreiberin des Pfades, mit. Im Zuge weiterer Nachforschungen war dann die Leiche es 36-Jährigen nahe dem Turm entdeckt worden. Später fanden Polizeibeamte im Wohnhaus des Mannes die leblosen Körper von Ehefrau und Tochter.

Am Freitagmorgen trafen sich der Sprecher des Vorstandes der Erlebnisakademie (EAK), Bernd Bayerköhler, sowie Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer zu einem Gespräch über die Tragödie. "Wir sind sehr betroffen über das Geschehene. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und Freunden der Familie", erklärten Bayerköhler und Kiefer. Um den Mitarbeitern Zeit zum Verarbeiten der Geschehnisse zu geben, ist der Baumwipfelpfad nach Worten eines Pressesprechers der EAK bis einschließlich Montag, 30. Januar, geschlossen. "Der Pfad war ordnungsgemäß abgesichert", sagte der Unternehmens-Sprecher auf SZ-Anfrage. Bevor weitere Schritte eingeleitet werden, will die Erlebnisakademie nach Bekunden ihres Sprechers zunächst die Ermittlungsergebnisse der Polizei abwarten.

Nicht nur die Nachbarschaft in der Orscholzer Brunnenstraße, in der die Familie zurückgezogen wohnte, steht dem Familiendrama immer noch fassungslos gegenüber. "Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen", sagte ein Nachbar. "Die Vorstellung, das Haus zu sehen oder daran vorbei zu gehen, ist ein Gräuel." Ein anderer Anwohner sagte: "Viele Orscholzer können die grausame Tat nicht fassen. Wie kann man seine Frau und sein eigenes Fleisch und Blut in den Tod reißen?" Nach Informationen unserer Zeitung war die 40 Jahre alte Ehefrau als Lehrerin in einer Schule im rheinland-pfälzischen Konz tätig. Das Ehepaar war nach SZ-Informationen seit Ende 2013 verheiratet.