Nichts tun ist keine Alternative

Der 74-jährige Hermann Kiefer gründete nach baden-württembergischen Vorbild den Verein Seniorengenossenschaft Saarschleife. Etwa zehn Helfer engagieren sich für die Belange älterer Mitbürger.

Hermann Kiefer ist 74 Jahre alt, ein ausgesprochen rüstiger Rentner , doch von Ruhestand ist bei dem rührigen Orscholzer Eigengewächs nichts zu spüren. Nichts tun, das war für Kiefer wohl keine Alternative, als die obligatorische Ruhestandszeit bevorstand. Von 100 auf Null, oder Hände in den Schoß legen, das war bei Kiefer nicht drin. Hundert war für Kiefer bis zum Eintritt in den üblichen Ruhestand Chef eines gleichnamigen Reifenhandels zu sein und sich 40 Jahre der Kommunalpolitik zu widmen. Er hatte Mandate als Sozialdemokrat im Orscholzer Ortsrat, im Mettlacher Gemeinderat sowie im Kreistag Merzig-Wadern. Dazu wirkte er 23 Jahre als Ortsvorsteher im geliebten Heimatort, der ihm stets eine Herzensangelegenheit war.

"Es war mir ein Bedürfnis, mich für mein Dorf zu engagieren, dazu die Vereine im Ort in ihrem Vereinsleben zu unterstützen", nennt Kiefer seine Beweggründe, für sein kommunalpolitisches Schaffen. Höhepunkte, so der ehemalige Ortsvorsteher im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung, war die dauerhafte Sicherung und mit Leben zu erfüllende Städte-Partnerschaft mit Varades, die 1985 gegründet wurde, die Ansiedlung der Kur- und Rehaklinik in 2003 sowie die 1100- Jahr-Feier des Cloefortes in 2011. Quasi zum Abschluss und Sahnehäubchen durfte Kiefer noch sieben Monate die Stelle des Bürgermeisters der Gemeinde Mettlach ausüben. "Also um keine Trübsal zu blasen, musste ich mir Beschäftigungen für die folgende Zeit suchen", betonte der 74-Jährige.

In Erinnerung an ein Modell in Baden-Württemberg initiierte Kiefer die Gründung des Vereins Seniorengenossenschaft Saarschleife e. V.. Im Februar dieses Jahres ist der gemeinnützige Verein ins Vereinsregister beim Amtsgericht Merzig eingetragen worden. Inzwischen hat der Verein, dessen Vorsitzender er ist, bereits 100 Mitglieder.

Zweck des Vereins ist es, Menschen, die aufgrund ihres Alters oder ihrer Hilfsbedürftigkeit und Mitglied des Vereins sind, in Verrichtungen ihres täglichen Lebens zu unterstützen.

Dies erfolgt auch in Ergänzung und in Abstimmung mit bestehenden sozialen Einrichtungen zur Förderung der Lebensqualität. Im Klartext heißt das, so der Vereinschef, der Verein konnte etwa zehn jüngere und rüstige Helfer gewinnen, die mit oder für die Vereinsmitglieder Arztbesuche, Einkaufsfahrten und Behördengänge erledigen, im Sommer deren Rasen mähen, im Winter den Schnee wegräumen, oder kleinere handwerkliche Tätigkeiten, Reparaturhilfen im Haushalt oder Wohnhaus ausüben.

"Wir sind keine Konkurrenz für Betriebe, Handwerker oder Firmen", betont Kiefer. Der Verein finanziert sich im Wesentlichen durch moderate Mitgliedsbeiträge, Spenden, öffentliche und private Zuwendungen. Die Hilfspersonen erhalten für ihre Einsätze eine angemessene finanzielle Vergütung oder Zeitgutschriften, die im eigenen Bedarfsfalle eingelöst werden können. Fazit: "Die Geburt war schwer, aber jetzt läuft es rund", so Kiefer, der mit dieser Tätigkeit aber längst noch nicht ausgelastet ist.

Als ehemaliger Ortsvorsteher eines Tourismusortes hat er sich selbstverständlich auch dem Wandern zugewandt. Für Feriengäste und Dorfbewohner organisiert und führt er Wanderungen durch heimische Gebiete aber auch über die Landesgrenzen hinweg durch. "Die Hauptstädte von 16 Bundesländern Deutschlands habe ich erwandert", sagt er nicht ohne Stolz. Das waren etwa 2000 Kilometer. Eine weitere Fünfwochenwanderung führte ihn zur 670 Kilometer entfernten Partnerstadt Varades.

Und dann gibt es bei Kiefer noch einen guten Schnaps, egal aus welchem Obst, denn seit 40 Jahren frönt er diesem Hobby auch noch. Langweilig wird es dem Rentner nicht, der im Hinblick auf Cattenom ein deutliches Ja zu Windrädern in der Umgebung betont, aber auch den Baumwipfelpfad zur Steigerung des Tourismus-Angebotes befürwortet, wobei über Standort des Aussichtsturmes nochmals nachgedacht werden sollte.