"Musik ist wie eine Droge"

Das Konzert in Orscholz markiert das Ende einer Ära. Die drei Swinglegenden werden danach nicht mehr gemeinsam auftreten, Paul Kuhn hört auf. Sind Sie traurig darüber? Greger: Ja, das bin ich wirklich, schließlich war ich mit Paul acht Jahre unterwegs und habe mich an seine Art und Witze gewöhnt

Das Konzert in Orscholz markiert das Ende einer Ära. Die drei Swinglegenden werden danach nicht mehr gemeinsam auftreten, Paul Kuhn hört auf. Sind Sie traurig darüber? Greger: Ja, das bin ich wirklich, schließlich war ich mit Paul acht Jahre unterwegs und habe mich an seine Art und Witze gewöhnt. Er hat mir einen sehr ausführlichen Brief geschrieben, worin er seine Entscheidung begründet. Paul schrieb, dass er mit 80 Jahren nun in einem Alter sei, in dem er tun wolle, was ihm Spaß mache und das sei in einer eigenen Besetzung zu spielen. Dafür habe ich volles Verständnis.Mit 82 Jahren haben Sie ja auch ein stolzes Alter erreicht. Mancher hätte sich längst in die Rente verabschiedet, Sie geben immer noch deutschlandweit Konzerte. Warum? Greger: Wissen Sie, ich kann ja nicht nur Zuhause im Lehnstuhl sitzen, Fernsehschauen und Unkraut zupfen. Musik ist wie eine Droge und da kommt man nicht mehr los. Ich habe mir auf jeden Fall noch keinen Zeitpunkt gesetzt, wann ich aufhören will.Immer auf Achse zu sein und durch Deutschland zu reisen - dass ist sicher ganz schön anstrengend. Woher nehmen Sie dafür die Kraft? Greger: Das Reisen strengt sehr an, vor allem dann wenn man noch im Stau steht und dazu noch über acht Stunden unterwegs ist. Wenn man ankommt, muss man erstmal seine Knochen sortieren. Zwei Minuten vor dem Auftritt zwickt es dann überall und das Kreuz tut weh. Doch wenn ich auf die Bühne gehen und der Applaus mich empfängt, dann sind mit einem Schlag alle Wehwehchen weg.Sie blicken auf ein langes musikalisches Leben zurück. Gibt es etwas, was Sie im Nachhinein bereuen? Greger: Ich wollte immer Musiker werden. Meine Eltern waren Metzger und gingen immer so früh aus dem Haus, so dass ich im Grunde ohne Eltern aufgewachsen bin. Ich verbrachte die meiste Zeit bei meinem Großvater und dort war jeder Tag wie Weihnachten. Ich konnte alles machen, was ich wollte. Mit zehn Jahren bekam ich ein Akkordeon geschenkt und bald konnte ich viele Lieder auswendig spielen. Dann lernte ich noch Saxofon und Klarinette und spielte in kleinen Jazzorchestern und amerikanischen Offizierskasinos. Und der Aufstieg begann. Nein, bereut habe ich nichts. Sie waren ein lebenslang auf Reisen. Wie konnten Sie das mit der Familie vereinbaren? Greger: Für die Kinder hatte ich wenig Zeit bei all den langen Mammuttouren. Aber das hat sich geändert. Mit meinem Sohn und Enkelsohn trete ich inzwischen gemeinsam auf. Drei Generationen auf einer Bühne macht richtig Spaß und kommt beim Publikum noch besser als mit der Bigband.Als Musiker sind Sie weltweit aufgetreten. Im August sind Sie nun in Mettlach, einer saarländischen Kleinstadt zu Gast. Wie unterscheiden sich solche Auftritte? Greger: Im Ausland muss man das Publikum erst überzeugen. In Deutschland kennt uns jeder und hier kann nichts passieren. Wie sieht Ihre zukünftige Konzert-Planung aus, wenn Paul Kuhn nicht mehr dabei ist? Greger: Wir machen weiter. Unter dem Motto "Die Legenden sind da" werde ich mit Bill Ramsey, Hugo Strasser, den Kessler-Zwillingen und der SWR-Bigband auftreten.

Auf eine BlickKarten für das Konzert "Swing Legenden" vor dem Cloef Atrium kosten zwischen 33 und 53 Euro. Erhältlich bei der Villa Fuchs, Tel.: (06861) 93670, beim Cloef Atrium, Tel.: (06865) 91150, beim Wochenspiegel Merzig, Tel.: (06861) 939220 und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. baliHintergrundMusikalisch begleitet werden die drei Swing Legenden am 9. August von der international anerkannten SWR Big Band. Dabei werden auch zwei saarländische Musiker mit auf der Bühne stehen: Saxophonist Jörg Kaufmann aus Wahlen und Schlagzeuger Jörg Gebhardt aus Saarbrücken. Jörg Kaufmann studierte in Saarbrücken Musikerziehung und Querflöte und war häufig an der Hochschule sowie auf der Bühne im Jazz-Club "Gießkanne" zu sehen. In unzähligen Bands und Projekten spielte er damals schon, wie beim Merziger "Surd-Orchester", beim Landesjugend-Jazzorchester und der Landesschüler-Bigband Saar. Nach einem Studium in Köln kam er als Aushilfs-Saxophonist zur SWR Big Band. Seit rund acht Jahren ist er nun festes Mitglied. Jörg Gebhardt studierte Schlagzeug und Trompete in Hamburg und tourte danach durch ganz Europa, unter anderem mit seinem Vater, Heinz Gebhardt, und Kurt Henkels. Vor 32 Jahren trat er in die SWR Big Band ein. bali