Interview: Mit Jugendlichen eine Gemeinschaft bilden, die bestehen bleibt

Interview : Mit Jugendlichen eine Gemeinschaft bilden, die bestehen bleibt

Jugendliche aus aller Welt sind bis Freitag in und ums Glashaus in Dreisbach zu Gast.  Die Internationalen Jugend-Gemeinschafts-Dienste (IJGD) und der Verein Glashaus Saarschleife schlossen sich mit einem gemeinsamen Ziel zusammen: internationale Zusammenarbeit. Nicole Müller ist  im Vorstand des Vereins in Dreisbach. Sie erklärt, was die Organisationen machen und worum es bei dem Camp für Jugendliche geht.

Sie sind selbst als Malerin im Glashaus tätig und im Vorstand des Vereins. Was ist die Geschichte des Vereins und was wird dort gemacht?

Nicole Müller: Der Initiator des Projekts ist Rolf Spengler. Er ist Glaskünstler und hatte die Idee, das im Jahr 1750 erbaute Haus zu erhalten und für Kunst und Kultur zu öffnen. In den fünf Jahren, seit der Verein gegründet wurde, haben wir unter anderem Workshops zu den Themen Malen, Fotografieren und Musik veranstaltet. Dazu kamen die beiden Jugend-Workcamps.

Die beiden Jugend-Workcamps? Wann war das Erste?

Müller: 2015 und das war sehr erfolgreich, doch letztes Jahr hatten wir keine Kapazität für ein Weiteres. Umso schöner, dass es dieses Jahr wieder geklappt hat und dass es wieder toll läuft.

Wie kam es zu der Idee für das Jugend-Workcamp im Glashaus?

Müller: Vor vier Jahren haben wir im Vorstand entschieden, dass wir gerne etwas für junge Leute tun würden. Wir wollten ein Projekt mit Jugendlichen starten, das nachhaltig ist, so dass sich eine Gemeinschaft bildet, die bestehen bleibt. Tatsächlich kommen die Ehemaligen uns immer wieder besuchen.

IJGD ist ein internationaler Jugend-Dienst. Was sind die Hintergründe der Organisation?

Müller: IJGD ist eine Organisation, die seit den 50er Jahren internationalen Jugendaustausch ermöglicht. Sie fördern seit 1949 ein internationales Netzwerk und bringen Jugendliche aus der ganzen Welt zusammen.

Was sind die Aufgaben der Jugendlichen im Rahmen dieses internationalen Arbeitskreises?

Müller: Wir haben drei Stationen. Einmal ist die Giebel-Wand zu sanieren. Die wird nach alten handwerklichen Methoden restauriert, da das Glashaus unter Denkmalschutz steht. Die alte Bautechnik muss gewährt bleiben, weshalb wir einen gelernten Zimmermann, Ulrich Mambrey, zurate gezogen haben, der den Jugendlichen nützliche Arbeitsanweisungen gibt und schwere Arbeiten selbst übernimmt. Auch Rolf Spengler steht mit Rat und Tat zur Seite.

Und die Stationen zwei und drei?

Müller: Sind die Restaurierung eines alten Kanadiers, das ist ein altes Ruderboot, und der Bau eines Torbogens.

Sie sagen, das Projekt ist international. Wo kommen die Teilnehmer her?

Müller: Das ist unterschiedlich. Neben naheliegenden Herkunftsländern wie Belgien, Italien oder der Türkei, kommen andere aus China, Litauen, der Ukraine, Russland und Korea. Unter den Jugendlichen sind natürlich auch Deutsche.

Und wie alt sind die jungen Arbeiter?

Müller: Zwischen 16 und 25 Jahren.

Wie kann man sich einen Arbeitstag im Workcamp vorstellen?

Müller: Die Jugendlichen stehen morgens um 8 Uhr auf und frühstücken zusammen. Mit der Arbeit geht es dann um 9 Uhr los. Mittagspause ist von 12 Uhr bis 13 Uhr, auch wieder mit gemeinsamem Essen. Ab 16 Uhr haben sie ihre Zeit zur freien Verfügung.

Gibt es auch gemeinsame Freizeit-Aktivitäten?

Müller: Ja, sie waren zum Beispiel zusammen wandern, Fahrrad fahren oder schwimmen. Außerdem haben wir Mettlach besucht und Schengen. Gemeinsame Grillabende gab es auch schon.

Wo geht es dann nach vollbrachter Arbeit ins wohlverdiente Bett?

Im und am Glashaus arbeiten Jugendliche aus mehreren Ländern. Foto: Nicole Müller

Müller: Im Gemeindehaus in Dreisbach. Das hat die Gemeinde Mettlach uns freundlicherweise kostenlos zur Verfügung gestellt.