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Kirmes: Mit der „Kölsche Nacht“ beginnt die Kirmes

Kirmes : Mit der „Kölsche Nacht“ beginnt die Kirmes

Die alljährliche Hubertus-Kirmes in Weiten erinnert an den Bau der Kirche. Heute wird, zwar ohne Fahrgeschäfte, dennoch aber mit viel Spaß gefeiert.

Weiten erscheint 634 im Testament des Diakons Adalgisel Grimo als „Ville Fidinis“. Grimo vermachte seinen Besitz in diesem Dorfe der Kirche des heiligen Petrus in Temmels. Später erscheint Weiten als Besitz der St.-Paulinus-Kirche in Trier, der es von König Heinrich I. (920-936) gegeben wurde, gelangte aber in den Besitz des Erzbischofs von Trier. Erzbischof Egbert gab St. Paulin im Jahre 980 anderen Besitz für das verlorene „Viden“, das er nicht zurückerstatten konnte. In einer Urkunde aus dem Jahre 1222 wurden die Gläubigen von Weiten ermahnt, bei der alljährlichen Wallfahrt zum Kirchweihfest des Klosters Mettlach durch Almosen und Opfergang den Bußgeist zu pflegen, um Sündenvergebung zu erlangen. Wenn es auch ungewiss bleibt, ob die Mettlacher Mönche zu Weiten in der Seelsorge tätig waren, so entwickelte sich über die bestehenden landwirtschaftlichen Kontakte hinaus auch enge Kontakte mit religiösen Hintergründen.

Da wir uns heute das schlichte kleine Gotteshaus am Rande der damaligen Gemeinde Weiten auf dem „Hiwwel“ und den ländlichen Gottesdienst jener Zeit kaum primitiv genug vorstellen können, so mag der fromme Bittgang durch den Lutwinuswald nach Mettlach am „Helle Mädaach“ für unsere Altvorfahren alle Jahre wieder ein tiefes religiöses Erlebnis und wahrer Freudentag gewesen sein. Im Gegensatz zur kleinen Kirche in Weiten durften sie in Mettlach in ein weiträumiges, festlich geschmücktes Gotteshaus mit großem Mönchschor einziehen.

Es muss angenommen werden, dass die Pfarrei Weiten auch im Hochmittelalter nicht von Mettlach, sondern von dem Priesterkolleg der Probstei Taben die Seelsorge erhielt, weil die Tabener Abtei im 13. Jahrhundert „neun Hufen in Weiten bewirtschaftete“ und neben vielen anderen Abgaben zum Fest des hl. Quiriacus von jeder Hufe noch besonders bedacht werden musste. Anfang des 13. Jahrhunderts war ebenfalls die Trierer Abtei „St. Maximini“ in „Witte“ begütert. In der Liste der Pfarreien der Erzdiözese Trier um 1300 gehörte Weiten zum Landkapitel Perl.

Im Visitationsbericht von 1369 wird die Kirche „als dem hl. Pancratius geweiht“ genannt; zu der Pfarrei Weiten zählten zu dieser Zeit als Filialen die Nachbarorte Freudenburg und Kastel. Seit 1657 ist Weiten in Freudenburg eingepfarrt. Nach den vorliegenden Protokollen bestanden die Weitener jedoch stets darauf, dass sie nicht nur an höchsten Feiertagen, sondern an allen Sonntagen ihren eigenen Gottesdienst in Weiten erhielten.

Die „Herrschaft Weiten“ kam im Jahre 1632 käuflich von dem Herzog Heinrich IV. von Lothringen an die Abtei Mettlach. Im Jahre 1727 wurde in Weiten eine neue Kirche gebaut, wobei die Mauern der alten Kapelle stehen blieben. Diese im Jahre 1727 erbaute Kirche steht heute noch zum Teil in Gestalt des Altarraumes mit der oberen Gebäudehälfte. Eine Restaurierung fand im Jahre 1839 statt. Das 11,20 Meter lange und 8,80 Meter breite Schiff wurde nach Norden hin verlängert.

1922 wurde nach den Plänen des Trierer Architekten Marx ein westliches Seitenschiff angebaut, mit flacher Decke, getrennt vom Hauptschiff durch Rundpfeiler aus rotem Sandstein. Bei den Renovierungsarbeiten in den 1980er Jahren wurde der aus dem 18. Jahrhundert stammende Hochaltar und die alte Kanzel von vielen Schichten übertünchter Farbe befreit und nach ihrem ursprünglichen Charakter wieder restauriert.

Nach dem Fortgang von Pfarrer Anton Niederprüm im Herbst 1974 übernahm für kurze Zeit Pfarrer Backes die Pfarrverwaltung. Er leitete die Sanierung des Kirchendaches ein. Am 26. September 1976 wurde  Pfarrer Leo Mohr in sein Amt eingeführt.

Unter seiner Regie wurden die Renovierungsarbeiten an der Pfarrkirche und später am Pfarrhaus zügig durchgeführt. Die gesamten Maßnahmen erforderten einen Kostenaufwand von annähernd 870 000 Mark. Neben dieser grundlegenden Sanierung der Pfarrkirche wurde 1978 die ebenfalls notwendige Renovierung des Pfarrhauses unter Kostenaufbringung von rund 300 000 Mark in Angriff genommen. 1982 zog Pfarrer Mohr in die neu hergerichteten Räume des Pfarrhauses ein.

Im Rahmen eines Dorferneuerungsprogramms Anfang der 2000er Jahre wurde der gesamte Vorplatz der Pfarrkirche von der Gemeinde für rund 450 000 Euro neu gestaltet.

Auch der „Hans“, ein Prangerstein, an dem in früheren Zeiten die Urteile des Hochgerichtes Weiten vollstreckt wurden, hat hier seinen endgültigen Platz gefunden.

Schutzpatron der Kirche war lange Jahrhunderte hindurch der hl. Erasmus. Seit dem Neubau der Kirche  1727 ist der heilige Hubertus, der 658 geboren wurde und 727 gestorben war, Schutzpatron der Weitener Kirche. Er ist es bis heute, ebenso  Ortsteiles Weiten sowie Namensgeber des Musik- und Schützenvereins.

Das „Hubertus-Hochamt“ wird am Sonntag, 5. November, 9 Uhr, in der Pfarrkirche gehalten, mitgestaltet vom Kirchenchor Weiten/Oberleuken. „Eingeläutet“ wird die Hubertus-Kirmes am Freitagabend, 3. November, mit der „Kölsche Nacht“ in der Mehrzweckhalle. Die Fußballer der Spiel-Vereinigung Faha/Weiten laden ein und wollen damit den „Kirmesgedanken“ in Weiten wieder beleben. Einlaß ist ab 19.30 Uhr; Beginn um 20.30 Uhr. Die  Kölsche Band „Dreistekk“ spielt auf.

 Ein Blick in das Innere der Weitener Pfarrkirche, in der St.Hubertus einen Ehrenplatz hat.
Ein Blick in das Innere der Weitener Pfarrkirche, in der St.Hubertus einen Ehrenplatz hat. Foto: Kurt Petry

Seit einigen Jahren finden keine Schausteller mehr den Weg zur Weitener Kirmes, was Ortsvorsteher Dietmar Ollinger bedauert. Er erinnert sich an die Jahre, als  „Knupp-Autos“, Kinderkarussells und etlichen Verkaufs-und Schießbuden den Kirmesplatz in Weiten füllten.