Milan, Schwarzstorch und Co. haben im Wintersteinchen bei Weiten Vorrang

Weiten : Schwarzstorch und Co. verhindern Windräder

Bürgerinitiative „Windkraft mit Vernunft“ aus Weiten freut sich über die Entscheidung des Landesamtes für Umwelt und Arbeitsschutz.

Rund fünf Jahre haben Rouven Barth, Bernhard Nollmeyer, Joachim und ihre Mitstreiter von der Bürgerinitiative (BI) „Windkraft mit Vernunft“ Orscholz/Weiten/Freudenburg gegen die fünf Windräder gekämpft, die die Firma Abo-Wind im Terrain Wintersteinchen bei Weiten hochziehen wollte. Ihr Argument: Die Windräder gefährden seltene Vogelarten wie Schwarz- und Rotmilan, Schwarzstörche und Co. Um zu beweisen, dass diese Vögel tatsächlich in dem Terrain zuhause sind, schossen sie Fotos. Zudem wurden seltene Vögel aufgelistet, die in dem Gebiet heimisch sind.

Ihr Einsatz hatte Erfolg. Nach langer Prüfung hat das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA), eine Abteilung des Umweltministeriums, den Plan des Projektentwicklers aus Wiesbaden abgelehnt, fünf 200 Meter hohe Windräder zu bauen (wir berichteten bereits). Bei seinem Nein beruft sich das LUA auf Daten, die die BI erhoben hat und die durch Mitarbeiter des Fachbereiches Natur- und Artenschutz der Genehmigungsbehörde geprüft wurden. In der Schreiben des LUA an die Abo-Wind, das der SZ vorliegt, werden die Daten der BI als „essentielle zusätzliche Erkenntnisquelle für die behördliche Sachverhaltsvermittlung“ bezeichnet, „was ebenfalls in der einschlägigen Rechtssprechung anerkannt ist“.

„Wir begrüßen die ablehnende Entscheidung des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz“, sagen der zweite Vorsitzende der BI, Bernhard Nollmeyer, und Schriftführer Joachim Mohr. Die Planung von Windrädern in Weiten sind nach ihrer Ansicht von Anfang an höchst umstritten gewesen. Als Grund nennen sie den Artenschutz und die Lage des geplanten Windparks im Naturpark Saar-Hunsrück. Die Bürgerinitiative habe von 2013 bis 2018 umfangreiche Untersuchungen der Vogelwelt auf dem Gebiet des Mettlacher Ortsteils Weiten und insbesondere im Umfeld der geplanten Windpark-Standorte Holscheider Wald/Wintersteinchen gestartet. „Im Vordergrund standen dabei die besonders windkraftsensiblen Vogelarten Rotmilan und Schwarzstorch.“ Die Kartierungen, die nach fachlich anerkannten Standards erfolgt seien, seien durch ein externes Gutachterbüro begleitet worden.

„Der Schwarzstorch ist seit mehreren Jahren Brutvogel innerhalb des 3000-Meter-Korridors um die Konzentrationsfläche Holscheider Wald“, sagen Mohr und Nollmeyer. 2016 und 2017 habe man je drei Jungvögel registriert, im vergangenen Jahr einen Jungvogel.
Zudem seien regelmäßige Transferflüge des Schwarzstorches aus Richtung des Saartals zu den Nahrungsgewässern im Leukbachtal und den umliegenden Gewässern, wie etwa den Zweibach, den Weitener Dörrbach und die Teiche des Nabu, nachgewiesen worden.

„Zugleich dienten die Ackerkuppen westlich des Wintersteinchens als Thermikpunkt des lokalen Schwarzstorch-Vorkommens. Die aufgeführten Funktionen sind in den Kontrolljahren 2016 bis 2018 durch sehr viele Sichtungen dokumentiert“, versichern Mohr und Nollmeyer. Aktuell sei ein Storchen-Paar aus dem Winterquartier zurückgekehrt und habe mit dem Brüten begonnen.

Der Rotmilan sei seit Beginn der Beobachtungen 2013 als Brutvogel in der Nähe des geplanten Windparks belegt worden. Innerhalb des 1000-Meter-Korridors haben sich die Vögel laut Mohr mehrere Horste gebaut. „Das ist für die völlig normal“, sagt er. Als typische Bewohner der offenen Landschaft suchen sie auf der offenen Feldflur nach Beutetieren – eine Landschaft, wie sie im Umfeld der geplanten Vorrangfläche vorzufinden ist. „Dabei sind auch über den Ackerflächen und -säumen im Nahbereich der geplanten Standorte regelmäßige Jagdflüge zu verzeichnen, vor allem im April und Mai“, sagen Mohr und Nollmeyer.

Über alle Daten und Fakten habe die BI die Gemeinderatsfraktionen und die Verwaltung im Rathaus in Mettlach frühzeitig vor den wichtigsten Entscheidungen im Gemeinderat informiert. Als Beispiele nennen Mohr und Nollmeyer die Verabschiedung des Flächennutzungsplans und die Entscheidung über die Zustimmung zu den Bauanträgen der Windkraftanlagen. Jedoch fanden sie im Rathaus sowie im Gemeinderat keine Beachtung. „Dem Flächennutzungsplan sowie den Bauanträgen wurde einfach zugestimmt. Daraufhin legte die Bürgerinitiative Widerspruch gegen diese Beschlüsse ein.“ Anders das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz: „Es hat unsere Daten und Fakten, die nach wissenschaftlichem Standard erhoben wurden, auch als solche anerkannt.“

Das Nein aus Saarbrücker freut auch Weitens CDU-Ortsvorsteher Dietmar Ollinger. Bei der Entscheidung hat nach seiner Ansicht die Bedeutung des Vogelbestandes und damit das Wohl der Tiere überwogen. Mit dem Nein hat das LUA auch den Belangen des Ortsrates Rechnung getragen. Denn die fünf Windräder, die jetzt nicht kommen, sollten 1000 Meter von der Wohnsiedlung entstehen. „Jetzt muss das Schreiben aus dem Umweltministerium genau studiert werden.“

Ein Rotmilan kreist über der Merziger Straße in Weiten. Foto: Joachim Mohr/BI

„Uns war bewusst, dass das LUA wegen des Schwarzstorches intensiv prüfte“, sagt Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer (SPD). Der Rathauschef verweist auf ein Gegengutachten, das die Firma Abo-Wind in Auftrag gegeben hatte. Der Projektentwickler prüft nach den Worten des Verwaltungschef mit seinen Juristen einen Widerspruch gegen die Entscheidung des LUA. Dazu habe er vier Wochen Zeit. Mit dem Nein aus dem LUA gehe Pachtzins verloren –  Geld, das die Gemeinde brauche.

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