Auszeichnung: Mettlach ist Vorreiter in Sachen Rückkonsum

Auszeichnung : Mettlach ist Vorreiter in Sachen Rückkonsum

Die RAL-Gütegemeinschaft Rückkonsum überreichte der SuperDrecksKëscht eine Urkunde für vorbildlichen Umgang mit Altprodukten.

Als erster deutscher und einer von drei europäischen Einrichtungen wurde dem kommunalen Rückkonsum-Zentrum in Mettlach das RAL-Gütezeichen 950 der RAL-Gütesgemeinschaft Rückkonsum überreicht. Die Anlaufstelle in der Britter Straße nach dem Luxemburger Modell der SuperDrecksKëscht öffnete 2013 ihre Tore – mit dem Ziel, Müll zu vermeiden, Rohstoffe zurückzugewinnen und damit die Umwelt zu schützen.

„In anderen Kommunen kennt man sie als Wertstoffhöfe. Wir gehen hier einen anderen Weg. Es wird vorbildlich getrennt und wiederverwertet“, sagt Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer. Die Bilanz des Rückkonsum-Zentrums: 18 000 Besucher im vergangenen Jahr und 7500 bis Mai dieses Jahres. „2015 hatten wir 1,5 Millionen Tonnen Abfall. 2017 waren es noch 1,1 Millionen Tonnen. Das beweist ein bewusstes Umdenken bei den Bürgern“, betont Kiefer. Daher sei das Rückkonsum-Zentrum eine vorbildliche Sache und „wir freuen uns, Vorreiter zu sein“, so der Verwaltungschef.

Es handele sich keineswegs mehr um Müll, sondern um Rohstoffe, aus denen neue Produkte hergestellt werden, sagt Roland Krämer, Staatssekretär für Umwelt- und Verbraucherschutz. „Die Ressourcen werden geschont, und mit dem ersten von RAL ausgezeichneten Zentrum zeigt sich eine erfreuliche Entwicklung.“ Dem pflichtet auch der Vorsitzende der RAL-Gütegemeinschaft Rückkonsum, Robert Leven, bei. „Über Jahrzehnte wurden wir zum Wegwerfen erzogen. Aber die Kurzlebigkeit und die Konsequenzen unserer Wegwerfgesellschaft fliegen uns um die Ohren.“ Es sei an der Zeit zu erkennen, dass Produkte gesammelt würden. Mit dem RAL-Gütezeichen gebe es einen Wegweiser, und das Rückkonsum-Zentrum scheue sich nicht, diese Anforderungen anzugehen. „Die Einrichtung hat gezeigt, dass die Gleichsetzung des Begriffs Abfall mit den Schlagwörtern Dreck, Müll und Schrott in diesem Rückkonsum-Zentrum nie stattgefunden hat. Wir sprechen in diesem Zusammenhang nicht mehr von Abfall, sondern von Altprodukten, nicht mehr von Abfallentsorgung, sondern von Rückkonsum“, betont Leven.

Zuvor wurde das Zentrum umfassend auf Basis der Güte- und Prüfbestimmungen, die die RAL vergangenes Jahr veröffentlicht hat, geprüft. Um ausgezeichnet zu werden, müssen folgende Anforderungen erfüllt sein: bürgerfreundliche und moderne, service-optimierte kommunale Leistungen, Kostenoptimierung der kommunalen Abfallwirtschaft, transparente Abwicklung aller abfallwirtschaftlichen Maßnahmen, umfassende Information der Öffentlichkeit sowie die Sicherung kommunaler Arbeitsplätze.

Holz, Metallschrott, Elektro- und Haushaltsgeräte oder Sondermüll, wie Batterien, Farben und Öl, können die Mettlacher in der Einrichtung abgeben. „Insgesamt 47 verschiedene Produkte“, sagt Hans Peter Walter, Betreiber des Rückkonsum-Zentrums. Das Besondere: der Secondhand-Bereich. Spielzeug, Bücher, Möbel, Geschirr oder Kleidung finden hier einen neuen Besitzer. „Wir möchten Impulse für die Bürger setzen. Die Trennung der Rohstoffe ist nicht aufwendig. Sie ist ökonomisch sinnvoll“, sagt Walter. Das RAL-Gütezeichen sei eine Orientierung, die Vorgaben können gut umgesetzt werden. „Wir stellen transparent dar, wie die Produkte verwendet und wie Abfall vermieden werden kann.“ Walter sieht darin auch ein gesellschaftspolitisches Streben, denn „die Bürger haben die Möglichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen und für nachkommende Generationen vorzusorgen – ein Generationenvertrag“.

Dass das nicht überall so ist, zeigt eine aktuelle Überprüfung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) von insgesamt 70 Wertstoffhöfen in Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Bremen und Hamburg. Testbesuche verdeutlichten die gravierendsten Probleme auf deutschen Wertstoffhöfen: unregelmäßige Öffnungszeiten, schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mangelnde Information, keine Wiederverwendung sowie fehlende Möglichkeiten, gefährliche Abfälle zu entsorgen. „Mettlach ist etwas Besonderes. Mit dem Rückkonsum-Zentrum wird bewiesen, dass ein besserer Ansatz möglich ist“, sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. Auch die DUH halte das RAL-Gütezeichen 950 für wegweisend, da es neue Qualitätsstandards zur kommunalen Wertstofferfassung setze. „Wir werden den Kommunen diesen Standard empfehlen“, betont Fischer.

Christoph Becker, der Geschäftsführer der RAL-Gütegemeinschaft Rückkonsum, erhofft sich durch den Vorreiter Mettlach eine „Initialzündung für weitere Wertstoffhöfe im Saarland, Rheinland-Pfalz und natürlich deutschlandweit“.

Mehr von Saarbrücker Zeitung