Mettlach ehrt zwei Prominente

Strahlend nehmen Luitwin Gisbisbert von Boch-Galhau und Tennisprofi Benjamin Becker die Urkunden entgegen. Aus der Verleihung der Ehrenbürgerschaft und die der Bürgermedaillen wurde ein Fest.

Fast andächtig betrachtet Luitwin Gisbert von Boch-Galhau die Urkunde, die seine Ehrenbürgerschaft bekundet, winkt strahlend den Gästen im Refektorium der Alten Abtei zu, die ihm begeistert Beifall klatschen. "Ich widme diese Ehrenbürgerschaft meiner Familie und meinen Mitarbeitern", sagt der Mann, der über viele Jahrzehnte hinweg das Weltunternehmen mit geprägt hat, unter anderem als Vorstandsvorsitzender der V&B AG, und blickt zu Ehefrau Brigitte. Drei seiner fünf Kinder sind zu seiner Ehrung gekommen mit fünf von zehn Enkeln sowie Wendelin von Boch und dessen Ehefrau Brigitte. Die Liste, die Mettlachs Bürgermeister Carsten Wiemann als Begründung für die Verleihung der Auszeichnung nennt, ist lang: sein unermüdliches Engagement für den Mettlacher Musikverein, den Sportverein, die Feuerwehr, das ehemalige V&B-Krankenhaus, dem er nach der Übernahme der DRK-Gesellschaft für Geriatrie und Rehabilitation 1988 eng verbunden blieb und bis heute Vorsitzender des Kuratoriums ist, sowie das Keramikmuseum.

Über die unternehmerischen Qualitäten sagt der Verwaltungschef: "Allein die Tatsache, dass die beiden Buchstaben L und G zumindest im Saarland, in Fachkreisen sowie in Mettlach insgesamt die gleichen Assoziationen auslösen wie V und B, spricht bereits für sich." Ob ab 1972 als geschäftsführender Gesellschafter oder ab 1994 als Vorstandsvorsitzender der Aktiengesellschaft: Das Allerwichtigste war nach Worten von Wiemann für die Mettlacher, dass er das Weltunternehmen weltmännisch und heimatverbunden leitete.

"Ich bin gerührt", verrät der Mann, den der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl 1998 beim 250. Geburtstag von V&B als Europäer der ersten Stunde bezeichnet hatte. Er setzt seine Unterschrift in das Goldene Buch der Gemeinde - unter den Augen von Carsten Wiemann . "Mein Ur-Ur-Großvater war auch Bürgermeister der Gemeinde", schmunzelt er.

"Natürlich sei die Versuchung groß gewesen, in eine Weltstadt zu gehen, da wären Fachkräfte leichter zu finden gewesen", gesteht von Boch-Galhau der SZ am Rande des Festes. Doch wegen der Verbundenheit zu der Gemeinde hat die Familie nach seinen Worten diesen Schritt nicht gemacht. "In Mettlach steht unsere Wiege, hier ist unser Know-how, wie die alte Abtei, Schloss Saareck, Schloss Ziegelberg." Spezialisten finde man für die Firma unter anderem durch das Junior-Programm, das in drei Jahren ausbilde. Jetzt plant er eine Ausstellung über Eugen von Boch, jenen Vorfahren, den von Boch-Galhau als einen sehr kreativen Kopf bezeichnet.

Wie einem alten Freund drückt er Benjamin Becker die Hand. Der Tennisprofi kann sich ein Lächeln nicht verbeißen, als Bürgermeister Wiemann das Poster im Refektorium präsentiert, das Benny Becker mit ihm zeigt. "Wir haben es bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft im Rathaus aufgenommen, um es bei dem Fest zu zeigen. Aber er ist da", strahlt der Verwaltungschef den Exportschlager aus Orscholz an. Zwar bedauert er, dass Becker in Wimbledon ausgeschieden sei, "doch dafür ist er jetzt in seiner Heimat". Als Grund, Becker die Auszeichnung zu verleihen, nennt Wiemann die gewinnende Persönlichkeit des Mannes, der mittlerweile wieder unter den besten 50 der Weltrangliste zählt, ebenso dessen positives Erscheinungsbild sowie seine Leistungen. "Sie machen ihn zu einem sympathischen Botschafter für die Marke Mettlach ." Der Junge, der mit acht Jahren beim TC Orscholz begann, lieferte sich mit so manchem As einen packenden Schlagabtausch, unter anderem mit Andre Aggassi. "Mit dem Sieg im Spiel der dritten Runde bei den US Open 2006 in New York schrieb er Tennisgeschichte", sagt Wiemann. "Plötzlich kennt ihn jeder in der Welt. Damals formulierte ein Online-Magazin 'geboren im unscheinbaren saarländischen Städtchen Orscholz.'" Seine schlechte Phase von 2010 und 2011 hat er laut Wiemann 2013 beendet. Schwarzer Anzug, weißes Hemd: Strahlend verfolgt der Sportler, wie Wiemann Mutter Ulrike einen aparten Blumenstrauß überreicht. Er erfreut sich an der Musik, die Jürgen Diedrich, Sohn Moritz, Tochter Theresia und Austauschschüler Adam Nemesch spielen. Sein frühes Aus bei dem Turnier sei seiner Schulterverletzung geschuldet, die hoffentlich in ein paar Tagen ausgeheilt ist, sagt er. "Ich habe gegen Victor Estrella aus der Dominikanischen Republik leider verloren. Nach der Niederlage habe ich einen Flug nach Hause gebucht", verrät er der SZ. "Ich komme so oft es geht nach Hause", sagt der zweifache Vater, der mit Ehefrau Christine und den Söhnen Connor (drei Jahre) und Collin (sieben Monate) in Dallas lebt. "Hier ist meine Familie, meine Mutter, meine Großeltern. Und ich habe noch jede Menge Freunde hier." Noch zehn Tage kann er die Idylle seiner Heimat genießen, dann ruft wieder die Pflicht.

Mettlach ehrt zwei Prominente
 Strahlend stellten sich die Geehrten mit Bürgermeister Carsten Wiemann (links) zum Foto auf.
Strahlend stellten sich die Geehrten mit Bürgermeister Carsten Wiemann (links) zum Foto auf.

Zum Thema:

Auf einen BlickBürgermedaillen erhielten: Georg Hasenmüller aus Mettlach für seine Versöhnungsarbeit mit den Juden und den übrigen Opfern der NS-Gewaltherrschaft sowie sein kommunalpolitisches, soziales und kulturelles Engagement. Josef Hoffmann aus Tünsdorf für sein kommunalpolitisches Engagement und seine Arbeit als Heimatkundler. Klaus Sieren aus Weiten für sein kommunalpolitisches Engagement, seine Arbeit in der Heimatkunde und Partnerschaftspflege mit Weiten in Niederösterreich. Vincenz Lackas aus Orscholz für seine Arbeit im Bereich der Städtepartnerschaft Orscholz-Varades sowie sein kommunalpolitisches Engagement. Christian Hampe aus Bethingen für sein kommunalpolitisches Engagement. Kurt Schramm aus Saarhölzbach für sein kommunalpolitisches Engagement und das Gemeinwohl von Saarhölzbach. Eine Ehrengabe erhielt Christine Schumacher für ihren Einsatz als Vorsitzende des DRK Mettlach . mst