Mettlach: Die Burg Montclair erzählt von der Geschichte an der Saar

Kostenpflichtiger Inhalt: Mettlach : Die uneinnehmbare Festung über der Saar

Auf der Burg Montclair bei Mettlach wird die Geschichte der Region lebendig. Die Burgruine fungiert als ein einziges, großes Museum.

Sie galt einst als uneinnehmbar: die Burg Montclair bei Mettlach. Durch seine strategisch günstige Lage auf dem langgestreckten, von der Saar umflossenen Bergrücken mit seinen steil abfallenden Felsen, suchten schon die Kelten auf dem Burgberg Schutz. Ganz leicht ist es auch heute nicht, die Burg zu erreichen. Einen rund dreieinhalb Kilometer langen Weg müssen Besucher zu Fuß oder mit dem Fahrrad bewältigen, ehe sie vor den Toren des altehrwürdigen Gemäuers stehen.

„Der Burgfelsen wurde bereits im 3. und 4. Jahrhundert zum Schutz vor den einfallenden Germanen genutzt“, erzählt Kerstin Fischer von der Kulturstiftung des Landkreises Merzig-Wadern. Neben Montclair standen einst noch zwei andere Burgen auf dem Berg. Die Reste der Burg Skiva, die bereits 1016 zerstört wurde, liegen etwa 400 Meter östlich von der heutigen Burg Montclair. Etwa 200 Meter westlich von der restaurierten Burgruine stand einst eine andere Burg, die ebenfalls den Namen Montclair trug. Sie wurde 1351 zerstört. Sie liegt ebenso brach wie die Burg Skiva, auf Wunsch des Landesdenkmalamtes, wie Fischer erläutert.

Die neue Burg Montclair wurde gleichzeitig mit der Schwesterburg Malbrouck im heutigen Sierck-Les-Bains fertiggestellt. Um die neue Burg Montclair wurde sich kaum gekümmert, 1621 war sie schon zu großen Teilen verfallen. Im Jahre 1833 besuchte der als Romantiker bekannte Kronprinz Friedrich Wilhelm IV. die Ruine Montclair und ordnete die Restaurierung der Burg an. 1870 ging die Burg in den Besitz des Geheimrates Eugen von Boch über. Eugen von Boch wollte die Renovierungsarbeiten ebenso, wie am Alten Turm in Mettlach fortsetzten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Burg 1945 unter Beschuss genommen, als sich deutsche Soldaten auf dem Burgturm zur Verteidigung stationierten. Die Zinnen des höheren Turmes wurden zerstört, ebenso die Verbindungsstege zwischen den Türmen.

„Die Familie von Boch überließ 1991 die Burgruine Montclair dem Landkreis Merzig-Wadern“, erzählt Fischer. Allerdings gehört dem Landkreis nur das Gebäude der Burg, der umliegende Wald befindet sich im Privatbesitz der Familie von Boch, während die Wanderwege der Gemeinde Mettlach gehören. Mithilfe von Zuschüssen von Bund und Land wurde die Burg aufwendig saniert. 1993 wurde die restaurierte Burg erstmals eröffnet. 2011 wurde der Innenhof der Burg neu gestaltet. Auch wurden einige Räume wieder hergestellt und als Museumsräume ausgebaut. Sie wurden 2014 neu eröffnet.

„Das Besondere an der Burg Montclair ist, dass wir nicht einfach irgendetwas erzählen, sondern alle historischen Fakten über die Burg auch am Gemäuer zeigen können“, erläutert Kerstin Fischer. Denn auch wenn Montclair inzwischen über zwei aufwendig gestaltete Museumsräume verfügt, ist die ganze Burgruine ein Museum, sagt Fischer. „Als fester Wohnsitz hat die Burg nie gedient“, erklärt Fischer. Dennoch lasse sich am Mauerwerk noch erkennen, wo sich einst das Schlafgemach des Burgherren befunden haben muss. Direkt über der Wohnstube, die inzwischen zum Museumsraum umgebaut wurde. Denn in der Stube befand sich der Kamin, so konnten die Schlafstube gleich mit beheizt werden. Auch ein Kellerraum, in dem vermutlich Nahrungsmittel gelagert wurden, ist zum Museumsraumen umgebaut worden.

Kernstück der ehemaligen Wohnstube ist eine interaktive Karte, auf der alle historischen Fundstücke in der näheren Umgebung der Burg verzeichnet sind. Auf der Karte ist ein Rad angebracht, dass sich drehen lässt. Je nachdem, ob das Rad auf „Römer“, „Kelten“, „frühes Mittelalter“ oder „spätes Mittelalter“ zeigt, leuchten die entsprechenden Fundorte auf der Karte auf. Gleichzeitig geht das Licht in den betreffenden Vitrinen an, und die Besucher können sich die Fundstücke genau ansehen. Einige der Vitrinen sind jedoch auffallend niedrig. „Das ist Absicht“, erklärt Fischer, „die sind zum Hinsetzen gedacht.“ Erst wenn jemand auf der Vitrine sitzt, geht die Beleuchtung an und die Besucher können sich den Inhalt genau ansehen. Das soll die Besucher zu mehr Aktivität animieren und dabei helfen, die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Im Burgkeller sind verschiedene Gebrauchsgegenstände – darunter unterschiedliche Vasen und Töpfe – sowie mehrere Bullen, also Schriftstücke, und Siegel zu sehen. Ein besonderer Höhepunkt ist das sprechende Buch. Klappt man es auf, startet eine Tonaufnahme, die wahlweise auf Deutsch, Französisch oder Englisch über die Geschichte der Burg Montclair erzählt. Dieser Kellerraum wurde ebenso wie das Kaminzimmer mit besonders viel Aufwand restauriert, verrät Fischer. Das Glas der Vitrinen ist bruchsicher, alle Kanten und Ecken sind abgerundet und alle Gegenstände sind gegen Feuchtigkeit geschützt.

Die Arbeit, die Kerstin Fischer und ihr Team von der Kulturstiftung in die Burgruine investiert haben, scheint sich auszuzahlen. Seit drei Jahren kommen jährlich über 30 000 Besucher auf die Burg Montclair, berichtet Fischer. Und das, obwohl es mit der Gastronomie seit geraumer Zeit hapert. „Wir finden keinen Pächter“, sagt Fischer. „Aufgrund der Lage der Burg und des begrenzten Platzes können wir keine großen Menüs anbieten.“ Der Betrieb der Gastronomie auf der Burg rechne sich für einen Pächter daher kaum. Als Notlösung will Fischer einen Getränke- und Kaffeeautomaten sowie im Herbst einen Snackautomaten aufstellen.

Auch zusätzliches Personal für Burgführungen sucht die Kulturstiftung. Elfriede und Volker Klein, die diese Aufgabe derzeit übernehmen, bräuchten dringend Unterstützung, betont Fischer. Elfriede Klein spielt die Burgdame, Volker Klein schlüpft in die Rolle des Ritters Guy de Montclair. Zusammen führen die beiden Besucher durch die Burg. Elfriede Klein spielt bei zusätzlichen Führungen das Burggespenst Jakobine Clairchen. Bei den Führungen erzählen die beiden immer auch Geschichten aus dem Burgleben. „Das ist wichtig, denn die Museumslandschaft lebt vom Geschichtenerzählen“, sagt Fischer.

Alle Serienteile finden sich im Internet.

Der Wehrgang der Burg. Foto: Ruppenthal
Die Sanierungsarbeiten liefen bis einen Tag vor der Saisoneröffnung. Foto: Ruppenthal
Historische Fundstücke im Museumsraum im Erdgeschoss. Foto: Ruppenthal
Das sprechende Buch erzählt die Geschichte der Burg. Foto: Ruppenthal
Dieses Modell zeigt, wie die Burg einmal ausgesehen hat. Foto: Ruppenthal
Die Kaminplatte hängt noch an ihrem angestammten Platz im Museumsraum im Erdgeschoss. Der Raum diente einst als Wohnstube. Foto: Ruppenthal

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