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Mehr Würde für den Ehrenfriedhof

Auch die Grabsteine auf dem Mettlacher Ehrenfriedhof wurden auf ihre Standfestigkeit überprüft. Foto: Rolf Ruppenthal
Auch die Grabsteine auf dem Mettlacher Ehrenfriedhof wurden auf ihre Standfestigkeit überprüft. Foto: Rolf Ruppenthal FOTO: Rolf Ruppenthal
Mettlach. Nach einer Kontrolle der Standfestigkeit von Grabsteinen ist der Ärger in Mettlach groß. Der Grund: Die Kontrolleure der Friedhofsverwaltung hefteten ihre Hinweiszettel sogar auf die steinernen Kreuze auf dem Ehrenfriedhof. Das ging einigen Bürgern dann doch zu weit. SZ-Redeakteur Margit Stark

Bei ihrem Gang über den Mettlacher Friedhof haben die Kontrolleure ganze Arbeit geleistet. Ihre Aufgabe: Alle lockeren Grabsteine auszumachen und darauf aufmerksam zu machen. "Vorsicht Unfallgefahr. Dieser Grabstein ist zurzeit nicht ausreichend standsicher. Bitte lassen Sie als Nutzer der Grabstätte den Grabstein unverzüglich fachgerecht befestigen. Ihre Friedhofsverwaltung" - ein Hinweisschild, das so manchem Besucher des Friedhofs die Zornesröte ins Gesicht getrieben hat. So auch Werner Brausch aus Mettlach . Grund für seinen Ärger : Selbst vor den Steinkreuzen auf dem Ehrenfriedhof machten die Inspizienten nicht halt. Auf sechs von zehn Mahnmalen, die an die gefallenen Soldaten erinnern, prangten solche Plaketten - eine Pietätlosigkeit, wie nicht wenige finden.



Soldatengräber sind Mahnmale

"Nutzer", so schimpft das ehemalige Ortsratsmitglied von Mettlach , "sind die Verstorbenen, die in den Gräbern beerdigt sind". Die richtige Wortwahl wäre Nutzungsberechtigte gewesen. Als Käufer sind sie für die Gräber verantwortlich - inklusive der Pflicht, die Grabstätte zu pflegen und für die Standsicherheit des Steines zu sorgen. Auf dem Ehrenfriedhof sind nach Bekunden von Brausch Soldaten beigesetzt, die durch einen Verbrecherstaat ihr Leben verloren haben. "Folglich ist die Gemeinde für diese Gräber zuständig." Dass die Gräberpflege Aufgabe der Gemeinde ist, stellt Stefan Fixemer, Leiter des Fachbereiches Bürgerdienste, nicht in Abrede.

"Wir werden uns um die losen Grabsteine kümmern. Es ist ja unsere Sache", sagt Fixemer auf SZ-Anfrage zu - eine Arbeit, die auch prompt ereldigt worden ist. Er schiebt es auf die Unwissenheit der Kontrolleure. "Wir haben zum ersten Male eine auswärtige Firma mit der regelmäßigen Kontrolle betraut. Deren Mitarbeiter kannten sich nicht aus." Ansprechen wird er nach seinem Bekunden auch die Plakette, die die Nutzer auffordert, für die Standsicherheit zu sorgen. "Natürlich muss es Nutzungsberechtigte heißen", sagt er. "Es sind vorgefertigte Hinweise, die, wie sicherlich auf vielen Friedhöfen, auch in Mettlach verwendet worden sind", mutmaßt er. Doch nicht nur die Aufschrift auf den Hinweisen bemängelt Brausch. Der ungepflegte Zustand des Ehrenfriedhofes ist ihm seit langem ein Dorn im Auge. Den Schuldigen hat er längst ausgemacht: "Der Friedhofsverwaltung fehlt es nicht nur am nötigen Gespür; nein, dazu kommt, dass sie sich der Bedeutung der Würde eines Ehrenfriedhofs nicht bewusst ist." Als Beispiele nennt er "die primitiven Betonplatten auf den Gräbern, die zur Aufstellung von Blumenschalen dienen" oder die Kränze, die am Volkstrauertag niedergelegt und meist erst Ende Mai abgeräumt werden. Gleiches gelte für die Blumenschalen, die für diesen Gedenktag bepflanzt und aufgestellt wurden und bis Mai oder Juni überdauern mussten. "Aufgabe der Friedhofsverwaltung sollte es sein, für eine ansehnliche Bepflanzung der Gräber und für eine gepflegte Umgebung zu sorgen, indem sie auf Betonplatten und Pflanzschalen verzichtet und stattdessen niedrige Grünpflanzen setzt", fordert er.

Was das ehemalige Ortsratsmitglied von Mettlach noch wurmt: "In der September-Sitzung 2001 hatte ich beantragt, sechs Birken am Ehrenmal fällen zu lassen. Jedoch hatte der damalige Mettlacher Bürgermeister Manfred Zimmer diesen Vorstoß abgelehnt." Erst im Frühjahr 2015 seien die Bäume abgeholzt worden. "Somit fielen 14 Jahre lang die Säuberungskosten an, und der Ehrenfriedhof war viele Monate lang ungepflegt." Auf SZ-Anfrage sagte Mettlachs Ortsvorsteher Heiner Thul: "Es wird sich auf dem Ehrenfriedhof etwas ändern. Ich habe mit dem Bauhofsleiter gesprochen. Das Team wird in den nächsten Tagen den Ehrenfriedhof in Ordnung bringen." Dass die Pflege des Ehrenfriedhofes Sache der Gemeinde ist, bestätigt auch das Sozialministerium. "Diese Pflege wird aus Bundesmitteln finanziert, welche allerdings bis auf die Ebene der Kommunen weitergegeben werden und die Gemeinde für den entsprechenden Aufwand finanziell entschädigen."