| 21:06 Uhr

Saareck
Keine Chance, Königs nahe zu kommen

Als die Wagenkolonne mit dem niederländischen Königspaar sich seinen Weg zu Schloss Saareck bahnte, machten viele Zaungäste Erinnerungsbilder. Máxima winkt aus dem Fond des Wagens.
Als die Wagenkolonne mit dem niederländischen Königspaar sich seinen Weg zu Schloss Saareck bahnte, machten viele Zaungäste Erinnerungsbilder. Máxima winkt aus dem Fond des Wagens. FOTO: Werner Krewer
Mettlach. Am Donnerstagabend haben König Willem-Alexander und Ehefrau Maxima Schloss Saareck in Mettlach besucht. Viele Zaungäste standen Spalier.

Tapfer lächelt Johanna Blaß ihre Enttäuschung weg. Den duftigen Herbststrauß mit viel Orange und einem Herzen, auf dem der Name Máxima steht, hält die Zehnjährige fest in der Hand. Nur zu gerne hätte sie den Gruß der niederländischen Königin überreicht – doch sie hat keine Chance. Die Fahrzeugkolonne bahnt sich ohne Stopp den Weg zum Schloss Saareck.


Als hätte es Polizeioberkommissar Jürgen Schonarth, der am Tor des Parks von Schloss Saareck Dienst tut, geahnt: „Es ist ein privater Besuch. Die einzige Möglichkeit, dass die Kolonne anhält, ist, dass die Monarchin das Mädchen mit den Blumen sieht.“ Und so postiert  der joviale Beamte die Maus direkt neben sich – ohne Erfolg. Vergönnt ist Johanna und den anderen Zaungästen nur ein kurzer Blick auf den Tross schwarzer Limousinen mit verdunkelten Scheiben. Der Besuch in Mettlach bildet den Abschluss des ersten Besuchtages im Saarland. Papa Stefan Blaß hat seiner Tochter eines voraus: „In Trier haben wir sie gesehen. Da hat sie im gleichen Hotel übernachtet wie wir – im Plaza“, Carina Neusens nickt. „Sie ist eine sehr schöne Frau und sehr, sehr sympathisch“, geraten Christel Klein aus Dillingen und Silvia Bartsch ins Schwärmen. „Wir sind eigens nach Trier gefahren, um sie zu sehen, und  sind nicht enttäuscht worden.“

Ein Rückblick: Kurz nach 17 Uhr, gut zwei Stunden vor der royalen Stippvisite, genießen Einheimische und Gäste in Straßencafés und Eisdielen in der Ortsmitte die Herbstsonne. Über die B 51 und  die Saarbrücke, wo  später der königliche Tross rollen wird, pulsiert der Feierabendverkehr. Ein lustiges Männertrio auf einer Bank an der Saarbrücke lässt seine Blicke über den Fluss schweifen, unterhält sich angeregt.  Ein paar Meter weiter hat Conny Troes sein Auto abgestellt. Ein Blick auf die Uhr sagt dem Luxemburger, dass er bis zur Ankunft des Königspaares noch viel Zeit hat, eine Tasse Kaffee zu genießen. „Ich will ihre Ankunft auf keinen Fall verpassen“, verrät der Mann aus dem Großherzogtum.



Ein paar Meter weiter, an der Einfahrt zur Renéstraße hat Polizist Michael Breuer Position bezogen. „Fährt die Kolonne durch die Saareckstraße, muss ich den Zugang sperren“, umreißt er seine Aufgabe. Doch dazu ist noch viel Zeit, die er für eine Vesper mit Brötchen und mitgebrachten Frikadellen nutzt.

Längst haben die Hunde der Polizehundestaffel und ihre Herrchen das Gelände untersucht. Als ein Wagen mit den Vierbeinern abrückt, gibt einer Signal. „Das Auto bellt“, schmunzelt ein Gast und hat die Lacher auf seiner Seite. Bobby, ein knuffiger Havaneser, darf noch im Park schnuppern – mit Genehmigung der Polizei. „Es ist sein alltäglicher Spaziergang“,  sagt Frauchen Monika Wüstefeld. Von den Vorbereitungen im Park neugierig geworden, löchert der neunjährige Pit Oma Maria Reiland mit Fragen zu „Königs“, Personenschutz und Co.. Nur zu gerne hätte der aufgeweckte Junge nach all den Ausführungen das Paar gesehen. Doch: „Wir haben um 18 Uhr einen Termin. Da wird es zu knapp, wieder zurück zu kommen“, verrät Maria Reiland.

Ein schwarzer Audi rollt an, stoppt vor den ehemaligen Stallungen. Jojan van Haaften, Mitarbeiterin der niederländischen Botschaft, steigt aus, winkt mit einem Zettel: „Ich habe eine Namensliste mit den Besuchern, die zum Empfang geladen sind“, begrüßt sie Wolfgang Oswald von der Merziger Polizei. „Dann brauchen Sie nur die Namen abzustreichen“, sagt die Blondine zu dem Leiter für Ermittlung und Servicedienste. Er koordiniert, organisiert, nimmt Anrufe entgegen, gibt Anweisungen.

Kurz nach 17.30 Uhr: die ersten Gäste treffen ein. An dem Trio von der Operativen Einheit aus St. Wendel kommt keiner vorbei. Geduldig lässt sich ein Mann kontrollieren, nachdem er seinen Trolli  aus dem Wagen gehievt hat. Jessica Halle,  in Dienstuniform, muss sich der Prozedur unterziehen. „Ich freue mich darauf, das Königspaar und die Delegation zu bedienen“, strahlt die junge Frau. Kurz vor 18 Uhr wird der Andrang an Gästen größer. In der Schlange: Hausherr Wendelin von Boch. Der Unternehmer freut sich auf ein Wiedersehen mit seinen königlichen Freunden und wird ihnen  beim Empfang eine keramische Duftschale überreichen.

Dicht an dicht drängen sich vor dem Park die Zaungäste – Einheimische und Auswärtige wollen sich ein bisschen in der Saareckstraße im royalen Glanz sonnen. „Wenn wir gewusst hätten, dass da so viele Monarchisten kommen, hätten wir ein paar Kästen Bier geordert,  den Schwenker aufgestellt und Essen und Trinken verkauft“, lacht Anlieger Thomas, den es mit Ehefrau Sabrina und Sohn Jan nach draußen gezogen hat. „Als die Leute vom Bauhof in der Straße Halteverbotsschilder aufgestellt haben, habe ich einen solch hohen Besuch erwartet“, sagt Mesner, seine Nachbarn Ute und Roman Maas nicken zustimmend. Schon manche Staatsgäste seien in Schloss Saareck vorgefahren.  Derweil machen Ursula und Stefan Thieser, Janine Fiedler, Christian Bruch und Peter Junk aus dem Besuch ein Fest: Gemütlich in Gartenstühlen sitzend, beim Glas Sekt, wahlweise ein Bier, erwarten sie die Ankunft des Königspaares. Derweil hat die dreijährige Mila ihren Spaß mit dem Luftballon – in „Oranje“. Aus Saarlouis ist Familie Hoff angereist. „Ich habe die Königin schon heute  schon einmal gesehen“, verrät Helen Hoff. „Wann hat man schon die Gelegenheit, ein Königspaar live zu sehen?“, sagen Doris und Karl Michaely – einen Satz, den Bernd und Heike Gaub aus Orscholz bestätigen.

19 Uhr: Polizeikommissar  Jürgen Schonarth erhält die Nachricht, dass die Wagenkolonne die Ausfahrt Merzig passiert hat. „Jetzt kann es nicht mehr lange dauern“, sagt er und sorgt dafür, dass die zehnjährige Johanna im Vordergrund steht, damit Königin Máxima Johanna mit dem Blumenstrauß trotz der Dämmerung erkennen kann. Gut eine Viertelstunde später: Der Vorhut an Motorrädern folgen die dunklen Limousinen mit abgedunkelten Scheiben. Máxima winkt kurz aus dem Wagen – in der Dunkelheit kaum zu erkennen. Dennoch werden Handys für Fotos hoch gehalten. „Den Strauß holst Du Deiner Mama mit heim“, tröstet der Polizist Johanna. „Sie ist so hübsch und sympathisch“, schwärmt das Mädchen von der Monarchin. Den achtwöchigen Zwillingen Jakob und Florian ist das Treiben egal – sie schlafen, ebenso wie ihr Schwesterchen Amelie  (drei Jahre). Dann können die Leute doch noch winken - wenn auch nur der Besatzung eines Polizeiautos, die die freundlichen Grüße ebenso herzlich erwidert.

Polizisten kontrollieren die ankommenden Gäste auf dem Gelände von Schloss Saareck, unterstützt von Jojan van Haaften von der niederländischen Botschaft.
Polizisten kontrollieren die ankommenden Gäste auf dem Gelände von Schloss Saareck, unterstützt von Jojan van Haaften von der niederländischen Botschaft. FOTO: Werner Krewer
Das niederländische Königspaar, rechts, wurde auf Schloss Saareck in Mettlach durch den niederländischer Botschafter in Deutschland, Wepke Kingma und dessen Frau  Tetje Hanna Wouda Kuipers begrüßt.
Das niederländische Königspaar, rechts, wurde auf Schloss Saareck in Mettlach durch den niederländischer Botschafter in Deutschland, Wepke Kingma und dessen Frau Tetje Hanna Wouda Kuipers begrüßt. FOTO: BeckerBredel
Johanna Blaß hat einen Blumenstrauß für Königin Maxima. Foto: Werner Krewer
Johanna Blaß hat einen Blumenstrauß für Königin Maxima. Foto: Werner Krewer FOTO: Werner Krewer
(mst)