1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Mettlach

"Irgendwann hast du nur noch Durst"

"Irgendwann hast du nur noch Durst"

Orscholz. Die Sonne brennt unbarmherzig. Die Luft flimmert vor Hitze. Kein Windhauch bringt Erfrischung. Kein Baum spendet Schatten. Kühle Gedanken machen, nutzt nichts. Es hilft nur eines - Augen zu und durch. Bis Oktober soll die Verbindungsstraße zwischen Tünsdorf und Orscholz ausgebaut sein

Orscholz. Die Sonne brennt unbarmherzig. Die Luft flimmert vor Hitze. Kein Windhauch bringt Erfrischung. Kein Baum spendet Schatten. Kühle Gedanken machen, nutzt nichts. Es hilft nur eines - Augen zu und durch. Bis Oktober soll die Verbindungsstraße zwischen Tünsdorf und Orscholz ausgebaut sein. So jedenfalls sehen es die Pläne der Firma und des Bauherren, des Landesbetriebs für Straßenbau, vor. Da kann sich das Team vor der Affenhitze nicht drücken. Gerade haben die Männer von der Firma Backes aus Tholey einen gut 300 Meter langen "Filterteppich ausgerollt - eine Textilfläche zur Stabilisierung der Materialschichten auf der Straße, wie Schachtmeister Andreas Juncker sagt. Bagger karren Tonnen von Verfüllmassen an, die gleichmäßig verteilt werden müssen. Heißer Staub wirbelt auf, setzt sich auf den T-Shirts fest, brennt auf der Haut. "Wenn es ganz extrem wird, können wir schon mal eine Stunde früher Schluss machen", sagt Juncker. "In der Regel gilt: Morgens draufhalten, damit das Tagespensum erfüllt wird. In der Mittagsglut fällt die Leistung ohnehin ab." "Uns gehen die kühlen Getränke nicht aus", meint Baumaschinenführer Günter Urig. "Ständig besorgen wir uns Sprudel und Apfelschorle ", verrät der 61-Jährige, seit 46 Jahren am Bau. "Aber irgendwann hast du nur noch Durst, egal, wie viel du trinkst." Ein Knochenjob sei es halt, beschreibt er sein Metier. "Im Winter frierst du, im Sommer gehst du vor Hitze kaputt." Dabei hat er es im Gegensatz zu verschiedenen Kollegen gut getroffen: Ist die Hitze allzu groß, klettert er in seine Raupe und knallt die Tür zu. "In den neuen Baumaschinen gibt's eine Klimaanlage - so auch in meiner." Bei den Backofentemperaturen draußen arbeiten könne er nicht mehr. "Ich war schon wegen Hautkrebs in Behandlung - die Folge jahrelanger Arbeit unter glühender Sonne." Derweil vermessen Jens Klees und Hermann-Josef Hans die Position der Straße, stecken sie ab. Um der Hitze besser trotzen zu können, hat Hans seine Haare geopfert - Stiftenkopf statt Wallemähne. Klees wie auch Hans tragen weiße Shirts und Kopfbedeckungen. "Anders erträgst Du die Hitze nicht". Zudem wird die Sonnencreme ihr ständiger Begleiter. Selbst die Abgehärtetesten stöhnen, wenn sie bei 35, 36 Grad Gräben ausheben oder Telefonkabel verlegen müssen. "Noch schlimmer ist es, in der Hitze zu teeren", sagen beide. Erst vor kurzem wurde auf ein Teilstück neuer Asphalt aufgetragen. Die riesige Maschine - der Straßenfertiger - verschlingt das Steingemisch, erhitzt es auf gut 170 Grad und presst es auf die Straße. "170 Grad von unten, 30, 35 Grad von oben, das macht einem schon zu schaffen", sagt Hans. Nicht nur bei den Kontrolleuren, die mit Wasserwaage und Zollstock die neue Fahrbahndecke vermessen, sei da der Schweiß in Strömen gelaufen - auch bei den Arbeitern, die "im Schatten" des Maschinenkolosses den heißen Asphalt am Straßenrand gerade ziehen. "Bei unserem Job sind wir halt Wind und Wetter ausgesetzt", meint Polier Juncker. "Im Frühjahr hat es über Wochen geregnet, jetzt brennt die Sonne." "Wenn es ganz extrem wird, können wir schon mal eine Stunde früher Schluss machen."Andreas Juncker, Schachtmeister