In Orscholz wurde das Bio-Wild-Projekt ausgezeichnet

Kostenpflichtiger Inhalt: Preisverleihung in Orscholz : Wie Wild und Klima auf den Wald wirken

Im Kreis Merzig-Wadern befindet sich eine von fünf Pilotregionen eines Projektes zur Biodiversität. Dieses wurde nun ausgezeichnet.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 als UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgerufen, um dem weltweiten Rückgang der Naturvielfalt entgegenzuwirken. Besonders interessante Projekte für den Erhalt der biologischen Vielfalt werden in diesem Rahmen von einer Fachjury mit einer besonderen Auszeichnung honoriert. Und genau so eine Ehrung widerfuhr jetzt in Orscholz dem Bio-Wild-Projekt der Arbeitsgemeinschaft naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) der Universität Göttingen, der Technischen Universität (TU) München und der TU Dresden. Warum der weltweite Naturschutz ein solches Glanzlicht ausgerechnet zur Saarschleife entsandte, erschließt sich aus der Tatsache, dass das Saarland als eine von fünf bundesweiten Pilotregionen für dieses Projekt ausgewählt worden war.

Projektleiter Hans von der Goltz begrüßte im Landhotel Saarschleife Jäger, Naturschützer, Waldbesitzer und Wissenschaftler, alles Fachleute auf ihrem Gebiet, die sich um neue Kooperationen bemühen, um den vom Klimawandel und zum Teil überhöhten Wildbeständen bedrohten Wäldern bessere Perspektiven als aktuell zu bieten. Freundlich begrüßt wurde unter anderem Mettlachs Bürgermeister Daniel Kiefer, der sich als passionierter Jungjäger und Freund des Hochwaldes outete.

Helga May-Didion, die an diesem Abend Umweltminister Jost vertrat, räumte vor dieser Runde offen ein, dass ihr im Umweltministerium als zuständige Abteilungsleiterin für Naturschutz und Forst beide Bereiche sehr ans Herz gewachsen seien, weshalb sie beim Veranstaltungsthema gerne ein Wörtchen mitsprechen wolle.

In der für ihn typisch unverblümten Art kam dann von der Golz wirklich zur Sache. Er nahm nicht zuletzt die Bundespolitik in die Pflicht, endlich nicht länger nur über die aktuelle Wild-Wald-Problematik zu diskutieren: „Wenn wir den deutschen Wald nicht bis zum traurigen Ende den Folgen des Klimawandels und teilweise überhöhten Wildbeständen überlassen wollen, dann muss endlich etwas geschehen!“ Dazu müssen seiner Meinung nach dringend objektive Fakten her, die er sich unter anderem von revierweisen Vegetationsgutachten versprach, die bei eklatanten Verstößen sogar zu einem ordnungsbehördlichen Eingreifen zum Schutz des Waldes führen könnten. Selbst die Jagdzeiten zum Beispiel beim Rehwild müssten gegebenenfalls so verändert werden, dass die waldbaulichen Ziele in Richtung klimaresistenter Mischwälder endlich eine Aussicht auf Erfolg hätten. „Wir müssen unseren Wald mit einem angepassten Wildbestand retten, bevor es zu spät ist!“

Nach diesen kernigen Worten übernahm Jakob Pöllath vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Preisverleihung im Rahmen der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“. Die Halbzeitbilanz des auf sechs Jahre angelegten Bio-Wild-Projekts werde nicht zuletzt deshalb ausgezeichnet, weil in den vergangenen drei Jahren bereits bundesweit wissenschaftliche Zahlen und Fakten erhoben worden seien, die die inzwischen aufgeheizte Wild-Wald-Problematik möglichst schnell in einen zielführenden Dialog zwischen Waldbesitzern, Jägern, Naturschützern und den beteiligten Behörden überleiten soll.

Pöllath überreichte dann die Urkunden an den Projektverantwortlichen von der Golz sowie an die Wissenschaftler der Universität Göttingen (Dr. Torsten Vor), der TU Dresden (Prof. Dr. Michael Müller und Claudia Jordan-Fragstein) sowie der TU München (Kai Bödeker). Seinen Dank fasste anschließend von der Golz so zusammen: „Die Biodiversität hat großen Einfluss auf die Stabilität des Ökosystems Wald. Je weiter sich die Artenzusammensetzung von den natürlichen standörtlichen Möglichkeiten entfernt, desto größer wird das Waldverlustrisiko. Daher müssen wir speziell jetzt im Klimawandel alles dafür tun, so naturnah wie möglich zu wirtschaften.“

Bei der Vorstellung der ersten Projektergebnisse war unter anderem von der Pilotregion Saarland zwischen Mettlach und Losheim am See die Rede. Weil im dortigen Staats- und Privatwald fast überall Rot-, Reh- und punktuell auch Muffelwild seine Fährten zieht, habe es die nächste Waldgeneration aufgrund teilweiser starker Verbissbelastung nicht leicht. Aber auch andere Erkenntnisse dieser Halbzeitbilanz boten den Teilnehmern noch bis zum gemeinsamen Abendessen viel interessanten Gesprächsstoff.