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Ziegelneu
FBM will heute über Ziegelberg reden

Der Ort, an dem einst der Adel wohnte, ist heute zu einem beliebten Ausflugsziel geworden.
Der Ort, an dem einst der Adel wohnte, ist heute zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. FOTO: BeckerBredel
Mettlach. Fraktionschef Joachim Badelt stellt Dringlichkeitsantrag zur Ratssitzung. Bürgermeister Kiefer favorisiert Ausschuss.

Es hat nach Worten von Mettlachs Bürgermeister nichts mit Heimlichtuerei zu tun, wenn die Diskussion über Schloss Ziegelberg vorerst nur ein Thema im Hauptausschuss wird. „Ende August wird er tagen. Ob es verkauft wird, steht noch gar nicht fest.“ Daher sehe die Tagesordnung für die Gemeinderatssitzung am heutigen Mittwoch, 20. Juni, 17.30 Uhr, im Cloef-Atrium diesen Tagesordnungspunkt nicht vor. Die Mitglieder des Gremiums haben nach Worten des Verwaltungschefs noch keine abschließende Meinung gefällt. Es gehe darum, über die Empfehlung zu beraten.


Die öffentliche Diskussion über einen möglichen Verkauf, die ein erster Schritt im Januar auslöste, hat nach seiner Ansicht geschadet. Verunsichert durch diese Debatte, hätten potenzielle Gäste bei den Wirtseheleuten Stefan und Rita Müller Feierlichkeiten abgesagt. Zu der Forderung, für das Gebäude ein Konzept zu erstellen und es von der Saarschleife Touristik, wie es der Mettlacher Ortsrat gefordert hatte, sagte der Verwaltungschef: „Bevor ein Konzept erarbeitet  und es vermarktet werden kann, muss es renoviert werden. Denn es besteht ein Sanierungsstau.“ An Kosten geht er von mindestens 200 000 bis 250 000 Euro aus. „Da sind noch nicht die Brandschutzmaßnahmen oder die Dachsanierung in dem denkmalgeschützten Gebäude eingerechnet.“ Er sei der Letzte, der sich nur Gedanken um Betriebswirtschaftlichkeit mache. Doch ob sich eine defizitäre Gemeinde wie Mettlach, die 30 Millionen Schulden habe, sich das leisten könne, sei fraglich. „Zumal wir in Mettlach und Orscholz zwei neue Feuerwehrwachen bauen müssen. Auch müssen der Ausbau der Grundschule Orscholz und des einzigen Kindergartens in Gemeindehand in der Mettlacher Bahnhofstraße, die beide mehr Ganztagesplätze erhalten sollen, finanziert werden.“ Dagegen hat Joachim Badelt, Fraktionschef der Freien Bürger Mettlach (FBM) im Gemeinderat, gefordert, die Debatte um Schloss Ziegelberg auf die Tagesordnung zu setzen, um öffentlich zu diskutieren, ob sich die Gemeinde von dem Schloss trennt oder nicht. Gegenüber der SZ hat er einen Dringlichkeitsantrag seiner Fraktion angekündigt. „Nach dem einstimmigen Ortsratsbeschluss fordern wir nun Bürgermeister Kiefer dazu auf, öffentlich zu erklären, dass die Verkaufsabsichten von ihm nicht weiter betrieben werden“, sagte er. „Der Gemeinderat sollte sich schon bald mit der künftigen Nutzung dieses Mettlacher Juwels befassen.“ Das Schloss müsse aus dem Dornröschenschlaf erweckt, die Bevölkerung unbedingt beteiligt werden.

Glückwünsche für „die einstimmige und parteiübergreifende Entscheidung“ an den Mettlacher Ortsrat kommen vom FDP-Kreisverband Merzig-Wadern. „Besipielhaft setzen sich hier ehrenamtlich politisch Tätige für die Belange der Bürger in Mettlach und Keuchingen ein“, schreibt Bernd Altpeter, Vizechef der Liberalen im Kreis. „In der Mettlacher Verwaltung scheint dies noch nicht angekommen zu sein. Hier sitzt der Verwaltungschef in seinem Ratsstübchen und referiert darüber, wie er die marode Gemeindekasse sanieren möge?“, heißt es in dem Brief von Altpeter, zudem Mitglied des Kreistages. Ein Verkauf eines der architektonischen Highlights im Landkreis aus dem Jahre 1878 kann es nach seinem Dafürhalten jedenfalls nicht sein. „Es sei denn, der Preis wäre so hoch, dass er auf einen Schlag die gesamten Gemeindeschulden decken würde.“ Transparenz in Sachen jährlicher Kosten und Einnahmen sind Dinge, die nach seinen Worten die Bürgerschaft interessiert.



Was künftige Nutzungskonzepte angeht, ist Schloss Ziegelberg nach Altpeters Ansicht sehr gut aufgestellt: „Die Gastronomie ist bereits da.“ Nun gelte es, etwa in den Landschaftsbau im Stile englischer oder französischer Gärten zu investieren und die Räumlichkeiten für vielfältige Nutzungen attraktiv zu halten. Vehement wehrt sich das Wirtsehepaar Müller gegen Gerüchte, wonach sie das Schloss verlassen würden oder sogar schon verlassen haben. 1990 hatten beide den Schlosskeller, in dem Restaurant-Räume eingerichtet wurden, gemietet. Seit 2004 nutzen sie auch die Räume im Erdgeschoss als Restaurant.