Syrische Christen im Bistum Trier trauern um ihren Seelsorger: Einen engagierten Seelsorger verloren

Syrische Christen im Bistum Trier trauern um ihren Seelsorger : Einen engagierten Seelsorger verloren

Die syrischen Christen in Deutschland nehmen Abschied. Wie jetzt bekannt wurde, ist Pfarrer Joseph al Khoury im Alter von 50 Jahren verstorben.

Abuna Joseph al Khoury ist nach zwei Jahren Dienst im Bistum Trier im Alter von 50 Jahren verstorben. „Die syrischen Christen im Bistum Trier und ganz Deutschland verlieren einen engagierten Seelsorger, dem kein Weg zu weit war, um seinen verstreuten Schäfchen Heimat zu geben“, sagt Bodo Bost über den Verstorbenen, mit dem er oft Gottesdienst gefeiert hat.

Pfarrer Joseph Al-Khoury stammte aus Tartus in Syrien. Seit 2015 war er Pfarrer der syrisch-katholischen Christen im Bistum Trier. Gestorben  ist er am 18. August in Heimbach-Weis im Alter von 50 Jahren. Al Khoury war nach seinem Studium und der Weihe zunächst neun Jahre lang im Libanon tätig, wo sich auch das Patriarchat der syrischen katholischen Kirche befindet. Dort betreute er Menschen, die ihre Eltern verloren hatten, arbeitete mit Ordensschwestern und Mönchen zusammen und kümmerte sich um Arme und Schwache, die auf den Straßen lebten.

Anschließend war er sieben Jahre der Verantwortliche der Caritas in Südsyrien, seiner Heimat. 2007 schickten ihn der syrisch katholische Patriarch und der Bischof, der für Europa zuständig ist nach Deutschland, um als syrisch-katholischer Pfarrer den Flüchtlingen ein Stück kirchliche Heimat zu geben.

Er feierte Gottesdienste an vielen Orten, zunächst in Frankfurt, Köln und Stuttgart, später auch in Tübingen, Karlsruhe und Neu Ulm, Mestrich und Koblenz. Pfarrer Khoury betreute fast 25 000 Gläubige in ganz Westdeutschland, er feierte Gottesdienste, machte Hausbesuche und spendete Trost. Manchmal ist er deshalb bis zu 8000 Kilometer im Monat gefahren. In den letzten Jahren hatte sich Al-Khourys Gemeinde in Deutschland durch die Bürgerkriege und die von diesen ausgelösten Fluchtbewegungen vervielfacht.

Seit 2015 war er im Bistum Trier Seelsorger für die Gläubigen des Syrisch-Katholischen Ritus, in Wirklichkeit gehörten zu seiner Gemeinde arabischsprachige Christen aller Konfessionen. Weil die syrisch-katholische Liturgie zum großen Teil in aramäischer Sprache gefeiert wird, kamen auch viele einheimische Christen in seine Gottesdienste, die etwas von der Authentizität der Urkirche und der Muttersprache Jesus erfahren wollten. In St. Franziskus Goldgrube feierte er mit seiner Gemeinde alle zwei Wochen Gottesdienst, darüber hinaus auch in Trier und in Saarbrücken und Saarlouis-Roden, überall dort, wo syrische Christen in großer Zahl lebten. Er war ein sehr engagierter Seelsorger, der sich unermüdlich für seine Gemeinde einsetzte.

Zuletzt betreute der Pfarrer allein im Bistum Trier an die 7000 Gläubige. Ihm war es wichtig, dass die Menschen in muttersprachlichen Gottesdiensten das Gefühl von Heimat und Identität erfuhren. „Der Gottesdienst gibt den Menschen, die aus ihrem Land geflohen sind, ein Gefühl von Heimat“, sagte er. Für viele syrische Christen ist die Kirche und ihr Familienzusammenhalt das wichtigste, war ihnen nach dem Verlust der alten Heimat und der oft gefährlichen Flucht infolge des Krieges noch geblieben ist.

Allerding suchte er auch den Kontakt zu einheimischen Christen. So erhielt er bei seinem Weihnachtsgottesdienst in der Krypta des Trierer Domes 2015 spontan Besuch von Bischof Stefan Ackermann. 2016 nahm er mit seiner Gemeinde an der Lutwinus Wallfahrt in Mettlach teil und gestaltete den Begegnungstag um die Lutwinuskirche. In der Adventszeit vergangenen Jahres hatte er Patriarch Mor Ignatius Youssef III Younan der syrischen katholischen Kirche eingeladen, mit dem er Gottesdienste in Koblenz, Trier, Saarlouis und Saarbrücken feierte. Auch in seiner schweren Krankheit ließ er in seinem Eifer nicht nach, sondern feierte bis zuletzt Gottesdienst mit seiner Gemeinde.

Pfarrer Joseph al Khoury aus Tartus in Syrien bei einem Gottesdienst, der in Saarlouis gefeiert wurde. Foto: Bodo Bost

Sein früher Tod mit nur 50 Jahren hat große Bestürzung und Trauer ausgelöst. Seine Gemeinde verliert einen geliebten Seelsorger und vielen einheimische Christen einen geschätzten Ansprechpartner und Integrationshelfer.