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Abschied
Ein Netzwerker zwischen Ärzten und Patienten

Ein Erinnerungsfoto zum Abschied (v. l.): Bernd Decker, Geschäftsführer der DRK-Trägergesellschaft Süd-West mbH, der neue Chefarzt Dr. Herbert Grünewald, die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, Dr. Haitham Mahamid, der kaufmännischer Direktor der DRK-Klinik Holger Kirschoff, die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und Ute Kraus, Pflegedirektorin der DRK-Klinik.
Ein Erinnerungsfoto zum Abschied (v. l.): Bernd Decker, Geschäftsführer der DRK-Trägergesellschaft Süd-West mbH, der neue Chefarzt Dr. Herbert Grünewald, die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann, Dr. Haitham Mahamid, der kaufmännischer Direktor der DRK-Klinik Holger Kirschoff, die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und Ute Kraus, Pflegedirektorin der DRK-Klinik. FOTO: Tina Leistenschneider
Mettlach. Jahrelang war er das Gesicht der DRK-Klinik in Mettlach. Jetzt hat sich Dr. Haitham Mahamid in den Ruhestand verabschiedet. Von Tina Leistenschneider

Die Krankheiten von älteren Menschen therapieren und ihnen wieder mehr Lebensqualität geben – dieser Aufgabe hat sich Dr. Haitham Mahamid verschrieben. Vielen schwerstkranken und multimorbiden Patienten hat er in den vergangenen 29 Jahren seines Wirkens geholfen. Nun zieht sich der langjährige Chefarzt und das Gesicht der DRK-Klinik Mettlach für Geriatrie und Rehabilitation in den Ruhestand zurück.


Im Rahmen eines feierlichen Festaktes verabschiedeten die Geschäftsführung und das Klinikdirektorium der DRK-Klinik Dr. Haitham Mahamid, an dem neben der saarländischen Gesundheitsministerin Monika Bachmann auch die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich und der Bürgermeister Daniel Kiefer teilnahmen.

Als der Chefarzt nach Mettlach kam, steckten die Klinik und die Geriatrie in der Aufbauphase. Mit viel Enthusiasmus, Herzblut und Engagement startete er mit dem damaligen Geschäftsführer Gerhard Hein eine modellhafte Einrichtung mit einem ganzheitlichen und zukunftsweisenden Geriatrie-Konzept und leistete damit Pionierarbeit auf diesem Gebiet. Allerdings brach mit der neuen Gesundheitsreform 1995 jäh die bisherige große Unterstützung der Klinik ab. „Die geriatrischen Rehabilitationskliniken wurden in den Topf der Kuren und Sanatorien geworfen, Genehmigungsverfahren wurden erschwert“, sagt Mahamid. Zudem galt der Standort aufgrund seiner Lage als ungünstig. Dadurch ließ sich der Chefarzt aber nicht von seinem Glauben und seiner Idee abbringen. Bewusst traf er die Entscheidung, für den Standort und für die Geriatrie zu kämpfen. Seine langjährigen Bemühungen wurden mit einem Ausbau des akutgeriatrischen Krankenhausbereichs belohnt, das Angebot wurde erweitert, umstrukturiert und die Einrichtung modernisiert. Damit erfuhr die Klinik eine wunschgemäße Auslastung, wozu die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten ebenfalls ihren Teil beitrug.

„Ich kann jetzt von einem dauerhaften und existenzsichernden geriatrischen Angebot für alte Menschen und für die Belegschaft in Mettlach reden“, sagt Mahamid in seiner Rede und bedankt sich insbesondere bei der DRK-Trägerschaft Rheinland-Pfalz/Saarland, bei Luitwin Gisbert Von Boch-Galhau, der Landesregierung und dem Geschäftsführer der Klinik, Bernd Decker, für die tatkräftige Unterstützung. Die Tätigkeit als Geriater habe ihn sowohl menschlich als auch medizinisch erfüllt: „Hier habe ich vor allem die medizinische und soziale Effizienz der Geriatrie in Verbesserung der Alltagskompetenz und Lebensqualität im Alter anhand eigener Erfahrung erleben dürfen.“

Der Geschäftsführer der DRK-Klinik, Bernd Decker, beschreibt Mahamid als „Glücksfall der Geriatrie“ und würdigt die Pionierarbeit, die er seit 1992 als Chefarzt mit seinem Team geleistet habe. Monika Bachmann bezeichnet die Geriatrie als die „Medizin der Zukunft“ und hob insbesondere den hohen Stellenwert dieser Spezialmedizin hervor: „Den Statistiken zufolge haben wir 2050 mehr als doppelt so viele Pflegebedürftige wie heute. Es ist für die Zukunft entscheidend, wie wir uns heute darauf einstellen. Dazu müssen wir heute schon die Weichen für morgen stellen“, sagt die Gesundheitsministerin. Sie habe immer den Eindruck gehabt, dass Mahamid „der Klinik als Mediziner und als Mensch richtig gut getan“ habe und nannte ihn ein „großartiges Vorbild für gelebte und erlebte Integration in Deutschland“.



Die Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich betont, dass die ambulante Pflege der stationären vorzuziehen sei: „Um die Lebensqualität zu sichern, müssen Patienten ihre Eigenständigkeit behalten“, sagt sie. Daher müsse man die Unterstützung durch die Pflegekassen für Menschen, die zuhause gepflegt werden müssen, leichter machen. Der Mettlacher Bürgermeister Daniel Kiefer würdigte das persönliche Engagement von Mahamid: „Der Mensch, der behandelt wurde, steht bei Ihnen im Mittelpunkt und hat immer die bestmögliche Betreuung erfahren“, sagte Kiefer.

Mahamid hat erkannt, dass ein Körper eines 90-Jährigen anders funktioniert als der eines 30-Jährigen. Da ältere Menschen oft an mehreren Krankheiten zeitgleich leiden, fungierte der Geriater als Netzwerker zwischen Patient und den behandelnden Ärzten, tauschte sich mit seinen Kollegen über Symptome sowie Heilungsmethoden aus, um immer wieder neue Lösungen zu finden. Mit Erfolg, denn mit einer Entlassungsrate von 75 bis 80 Prozent können heute viele ehemalige Patienten wieder selbstständiger zuhause leben. Nach jahrelanger und erfolgreicher Arbeit ist es für ihn nun an der Zeit, einen Gang zurückzuschalten und es ruhiger angehen zu lassen. In Zukunft möchte er seiner Familie mehr Aufmerksamkeit widmen und den Ruhestand genießen.

Unter dem Thema „Geriatrie gestern und heute – geniale Pionierarbeit für die Medizin von morgen“ nahm Professor Werner Vogel die Gäste mit auf eine Geschichtsreise der Geriatrie. Die Medizin sei ohne die Politik nicht auf die Beine gekommen. Man habe erkannt, dass man durch sie ein Aufenthalt im Pflegeheim einsparen kann.