Interview : „Das Kloster ist enorm inspirierend“

Der neue Leiter des Konz-Musik-Festivals spricht über das anstehende Programm sowie die Konzertorte.

Herr Moog, mit Ihnen als neuem Leiter soll das Konz-Musik-Festival neue Ideen und ein neues Programm bieten. Wie stellt sich das dar? Wo liegen die Unterschiede?

MOOG In Konz gab es bis zum Tod von Gründer Paul Trein im vergangenen Jahr eine Sommerakademie für Klavier. Nachdem diese 25-jährige Tradition nicht wie bisher fortgesetzt werden konnte, kamen Johannes Tittel von der Stadt Konz und Winfried Manns, Vorsitzender des tragenden Kulturvereins „Vogel als Prophet“, auf mich zu und wir entwickelten gemeinsam die Idee, ein Festival der klassischen Musik mit einem Schwerpunkt für Kammermusik neu zu gestalten. Neu ist neben den vielschichtigen Programmen auch unser Auftritt im Internet, mit Flyern, Plakaten und der Einbindung der sozialen Netzwerke.

Stammt die Idee zur Erneuerung von Ihnen?

MOOG Die Konzeption ist ein Gemeinschaftsprojekt und wir genießen im Festivalteam einen sehr fruchtbaren Austausch. Viele Ideen kamen mir vor Ort, denn das Kloster St. Bruno mit seiner langen Geschichte und der Lage am Zusammenfluss von Saar und Mosel inmitten des Vierländerecks Luxembourg, Frankreich, Belgien und Deutschland ist enorm inspirierend!

Was ist Ihnen bei dem Programm besonders wichtig?

MOOG Wir haben das Glück, mit dem Festsaal und der Kirche des Klosters über zwei hervorragende Konzertsäle zu verfügen, zudem gibt es neben Open-Air-Plätzen zahlreiche Verbindungen zu einzigartigen Spielorten in Konz und der gesamten Großregion. Wir sind ein Festival und haben nicht die Absicht, mit den Konzertreihen der großen Häuser wie der Kongresshalle Saarbrücken, dem Theater Trier oder der Philharmonie Luxembourg in Konkurrenz treten zu wollen. Bei uns liegt der Fokus im Gegenteil auf der intimen, dichten Atmosphäre kleinerer, oftmals historisch oder landschaftlich bedeutsamer Orte. Dort wollen wir unserem Publikum einen unmittelbaren Kontakt und Zugang zur Musik und den Künstlern bieten – ganz wie in den Salons zu Zeiten der Entstehung der meisten Werke aus Klassik und Romantik im 18. und 19. Jahrhundert.

Wie sah die Zusammenarbeit mit Ihrem Kollegen Moritz Reutlinger aus?

MOOG Der Cellist Moritz Reutlinger wird in diesem Jahr als Interpret in mehreren Konzerten zu erleben sein. Er hat uns wichtige Impulse für die Gestaltung der für 2020 geplanten Wiederaufnahme unserer Akademie für junge Musiker gegeben und wird in diesem Kontext vor allem für den Unterricht und die Förderung des musikalischen Nachwuchses zuständig sein.

Sie übernehmen die Nachfolge des im letzten Jahr verstorbenen Paul Trein. Inwieweit treten Sie in seine Fußstapfen und wie sehr möchten Sie Neues einbringen?

MOOG Als Bewunderer der von ihm initiierten Musiktradition in Konz liegt es mir am Herzen, den Kerngedanken zu bewahren und behutsam mit neuen Plänen zu verbinden. Es ist klar, dass nach 25 Jahren eine subtile Neugestaltung notwendig wird, denn die Kulturlandschaft hat sich weiterentwickelt. Für mich ist es eine kreative Herausforderung, die wir als Festivalteam sofort angenommen und mit großem Elan begonnen haben.

Der Schwerpunkt lag in den vergangenen Jahren auf dem Klavier, wieso werden jetzt die kammermusikalischen Ursprünge wieder aufgegriffen?

MOOG Das liegt ganz einfach daran, dass ich die Musik für eine universelle Sprache halte, die sowohl internationale Musiker aller Arten als auch die Zuhörer miteinander verbindet, und große Freude daran habe, diese Begegnungen zu beobachten und zu fördern. Auch die ganz praktische Tatsache der rein unter Pianisten nur begrenzt möglichen Bühnenkombinationen spielte hier eine Rolle.

Sie gaben in diesem Jahr bereits ein Konzert im Kloster. Wie sehr schätzen Sie diesen Konzertort, was macht ihn einzigartig?

MOOG Der Festsaal des Klosters ist nicht nur optisch sehr ansprechend, sondern bietet auch eine ganz hervorragende Akustik. Mein erster Auftritt dort hat sich in mein Gedächtnis eingeprägt, weil ich bereits bei der ersten, außermusikalischen Besichtigung des Gebäudes Spielfreude verspürte und dem Konzertabend lange entgegengefiebert hatte. Überdies hat der Klosterkomplex eine ungeheure atmosphärische Kraft – man glaubt die Geschichte des Gemäuers zu spüren und atmet eine komplett andere Luft.

Sie waren bereits auf einigen Konzerten und Festivals unterwegs. Wie gelingt es dabei Abwechslung zu schaffen?

MOOG Ich erlebe weltweit eine ungeheure Vielfalt von Konzertsälen, Festivals, Spielorten und Menschen und bin dabei auch innerhalb einer Tournee mit so vielen verschiedenen Programmen unterwegs. Die Abwechslung entsteht ganz von selbst und sorgt dafür, dass ich die wenigen durchgehenden Phasen zuhause an der Mosel als besonders kostbar empfinde. Die Vorstellung, die bunten Erlebnisse meiner Reisen sozusagen „en miniature“ in die Heimat zu bringen, begeistert mich bei der Gestaltung des Konz-Musik-Festivals enorm.

Wincheringen ist Ihre Heimat, auch weil Ihre Frau in Luxemburg arbeitet. Was schätzen Sie an Ihrer Heimat, wenn Sie sie zum Beispiel mit anderen Städten und Ländern vergleichen, in denen Sie unterwegs sind?

MOOG Ich schätze die weltoffene, freundliche Mentalität, die wundervolle Landschaft und die hier tagtäglich erlebbaren Vorzüge eines freien Europas. Hier finde ich die so essenzielle Inspiration für meine Reisen und Konzerte, komme außerdem – wenn ich es möchte – viel besser zur Ruhe als in einer großen Metropole, kann aber von Koblenz bis Metz dennoch jederzeit alles erleben, wenn mir danach ist.

Die Sommerakademie fällt in diesem Jahr aus. Wird es im kommenden Jahr dort Änderungen geben?

MOOG Aufgrund der durch Paul ­Treins­ Ableben bedingten Kurzfristigkeit war es uns in diesem Jahr leider nicht mehr möglich, die Akademie auszurichten, und wir haben uns daher dazu entschieden, in 2019 ausschließlich auf hochklassige Konzerte zu setzen. Gerade die jetzt beteiligten Künstler werden aber im nächsten Jahr eine Neuauflage der Akademie begründen und somit die Kernidee in frischem Licht erscheinen lassen. Dann wird auch die überregional bekannt gewordene Tradition der Konzer Gastgeberfamilien wieder aufleben, denn diese großartige Bereitschaft, junge Künstler aus aller Welt für die Dauer der Akademie unentgeltlich zu beherbergen, sucht ihresgleichen.

Was steht nach dem Musik-Festival in Konz für Sie an?

MOOG Für mich beginnt nach dem Festival eine lange und umfangreiche Saison mit Highlights in Köln, London, Paris, Liège, Katar, Chicago, Kiev und natürlich deutschlandweit. Zusätzlich stehen wieder einige CD- und TV-Aufnahmen auf dem Programm und ich freue mich, im September 2020 dann wieder mit ganz neuen Eindrücken zur nächsten Edition des Konz-Musik-Festivals überzugehen.

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