Das erste Länderspiel wird vom Winde verweht

Das erste Länderspiel wird vom Winde verweht

Die 15-jährige Helen Kuhn stand kurz vor ihrem ersten Einsatz in der Fußball-Nationalmannschaft. Aber eben nur kurz . . .

"Ich dachte erst, die Trainer wollen uns veräppeln", erzählt Helen Kuhn. Die 15-Jährige aus Mettlach weilte vergangene Woche in England. Genauer: im St. George's Park in Burton-Upon-Trent rund 40 Kilometer südwestlich von Nottingham. Dort sollte die junge Fußballerin ihr erstes Länderspiel im Tor der U15-Auswahl des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) bestreiten. Doch der Wettergott hatte etwas dagegen, dass der Test gegen England wie geplant am Donnerstag über die Bühne ging. Sturmtief "Doris" fegte über die Insel hinweg, die Partie wurde abgesagt, das Debüt von Helen Kuhn im wahrsten Sinne abgeblasen.

"15 Minuten, bevor wir losfahren sollten, wurde uns Bescheid gegeben. Im ersten Moment war ich geschockt, denn es wäre ja mein erstes Länderspiel gewesen", sagt die Neuntklässlerin des Merziger Gymnasiums am Stefansberg, die schon von Bundestrainerin Bettina Wiegmann unterrichtet worden war, dass sie im Klassiker von Beginn an aufgelaufen wäre.

Das Ganze war für das Torwarttalent, das für die JFG Saarschleife in der männlichen B-Jugend-Bezirksliga und auch für die B-Mädchen des 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga zwischen den Pfosten steht, umso bitterer: Denn schon im Dezember hatte sie gegen Belgien ihr mögliches Debüt für Deutschland wegen eines Daumenbruchs verpasst. Jetzt muss sich Helen vorerst weiter gedulden. Die nächste Chance bietet sich vielleicht am 19. und 21. April, wenn zwei Tests gegen Tschechien anberaumt sind. "Vom 20. bis 22. März findet in Hennef ein Kaderlehrgang mit Leistungstest statt. Da wird dann nochmal neu geschaut", verrät die Mettlacherin, die vergangenen Sommer erstmals einen DFB-Kaderlehrgang absolviert hatte und ergänzt: "Ich bin guter Dinge, dass es wieder klappt, wenn ich nur weiter hart an mir arbeite und meine Leistung bringe."

Am Samstag um 14 Uhr gastiert sie mit der B-Jugend des FCS bei Bayer Leverkusen. Darüber hinaus sei angedacht, dass sie weiterhin den Jungs den Torjubel vermiest: "Bei den Jungs wird einfach ein anderer Fußball gespielt. Viel schneller und die Schüsse sind härter. Und es wird von Margret Kratz (Verbandssportlehrerin; Anm. d. Red.) empfohlen, dort so lange wie möglich mitzuspielen", sagt Helen, die keinen Hehl daraus macht, später mal Bundesliga spielen zu wollen: "Am liebsten bei den Bayern", sagt sie und lächelt. Dafür trainiert sie bis zu sechs Mal die Woche, steht jeden Tag auf dem Fußballplatz: "Nach der Schule mache ich Hausaufgaben, dann geht‘s ins Training."

Ihre Eltern unterstützen das Talent, wo sie können: "Da müssen Helens Geschwister auch schon mal zurückstecken", sagt Vater Bernd. Doch letztlich sind alle aus der Familie Kuhn, Mutter Nicole, die Brüder Leon (17) und Bastian (12) sowie Küken Marlene (9), stolz auf Helens Entwicklung. Wobei sie unter den Geschwistern die Einzige ist, die wirklich was mit Fußball am Hut hat. Für sie war alleine die Reise mit dem DFB-Tross ein Erlebnis.