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Bürger können Einwände vorbringen

Bürger können Einwände vorbringen

Positiv bewertet wird das Projekt an der Cloef im Mettlacher Gemeinderat. Da ist von einem Leuchtturmprojekt die Rede und von einer neuen Attraktion, die Orscholz und die Gemeinde Mettlach weiterbringe.

Der Gemeinderat Mettlach hat am Dienstagabend bei nur einer Enthaltung beschlossen, die Bebauungspläne für das Gebiet rund um die Cloef, wo ein Baumwipfelpfad mit einem 40 Meter hohen Aussichtsturm entstehen soll, offen zu legen. Dies ist ein erster formaler Schritt in dem Planungsverfahren, mit dem die baurechtlichen Voraussetzungen für die Verwirklichung dieses umstrittenen Projektes geschaffen werden sollen (siehe Infokasten). Die Bebauungspläne werden ab jetzt für mindestens vier Wochen im Rathaus ausgelegt, wo sie für jedermann einsehbar sind. Bürger haben die Möglichkeit, während der Offenlegungsphase ihre Einwände bei der Gemeinde vorzubringen. Diese sind vom Gemeinderat dann in einem späteren Stadium der Planung zu bewerten und abzuwägen.

Die Debatte im Rat war geprägt durch die Diskussion, die sich nach Veröffentlichung der Pläne für Baumwipfelpfad und Turm in der SZ entwickelt hatte. An dem Projekt war zum Teil in harscher Form Kritik geübt worden, weil aus Sicht der Gegner der 40 Meter hohe Turm die Landschaft an der Cloef verschandele. Ungeachtet dessen betonten alle im Rat vertretenen politischen Kräfte, dass sie das Vorhaben unterstützen und befürworten (siehe separaten Text).

Aber es gab auch nachdenkliche Töne. Bürgermeister Carsten Wiemann bekundete, dass die öffentlich in vielfältiger Form artikulierte Kritik ihn hart getroffen habe. Doch sie habe ihm auch deutlich gemacht: "Die Cloef und die Saarschleife sind ein sehr sensibler Bereich."

Zwar habe die Gemeinde die Planungshoheit über das, was in diesem Gebiet baulich geschehen solle. "Aber das Wahrzeichen Saarschleife gehört allen Saarländern, und viele von ihnen haben offenbar den Eindruck, dass wir hier etwas Falsches tun." Auch die Cloef habe einen besonderen Wert, "wir müssen sensibel damit umgehen". Wiemann betonte, der Entwurf für den Bebauungsplan, der jetzt offen gelegt werde, setze einen ersten Rahmen. Es sei noch nicht die endgültige Planung für das Projekt, anhand der eingehenden Einwände seien durchaus noch Änderungen möglich, zum Beispiel was die Höhe des Aussichtsturmes betrifft. Wobei der Bürgermeister einräumte: "Viel niedriger wird er allerdings nicht werden."

Landschaftsschutzgebiet

Sowohl der Trassenverlauf des Baumwipfelpfades als auch der Standort des Aussichtsturmes, etwa 15 bis 20 Meter hinter der Cloefhütte, seien mit der obersten Naturschutzbehörde und dem Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz abgestimmt worden, da das Umfeld der Cloef als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen sei. Wiemann erläuterte weiter, dass nach dem Bau des Aussichtsturmes auch eine Wiederaufforstung des Bereiches zwischen Cloefhütte und Turm erfolgen solle. So würden die ersten 10 bis 15 Meter von dem Turm später nicht mehr zu sehen, sondern von Bäumen verdeckt sein. Wiemann sicherte zu: "Ich nehme die Bedenken sehr ernst, wir stehen auch mit dem Investor in Gesprächen darüber, dass die Pläne für den Turm gegebenenfalls noch einmal überarbeitet werden."

Bernhard Schneider, Fraktionsvorsitzender der CDU , sagte die Unterstützung seiner Partei für das Projekt zu: "Wir hatten zwar anfangs arge Bedenken, wie sich die Anlage in die Umgebung einfügen wird." Aber ein Besuch eines anderen Pfades vom gleichen Investor in Bad Wildbad habe diese Bedenken relativiert. Schneider: "Die CDU steht nach wie vor zu diesem Projekt."

Das gilt auch für die SPD-Fraktion , deren Vorsitzender Markus Rausch den Baumwipfelpfad als "Meilenstein" und "Leuchtturmprojekt für Orscholz " bezeichnete und von einem "Glücksfall" sprach. Rausch betonte: "Die Cloef wird allen Besuchern nach wie vor erhalten bleiben und kann von diesen kostenlos besucht werden." Der Pfad und der Aussichtsturm als neue Attraktionen werden den Ort und die Gemeinde nach seiner Überzeugung jedoch weiterbringen. Der Orscholzer Ortsvorsteher Jörg Zenner (SPD ) sagte: "Die Bebauungspläne fassen Maßnahmen zusammen, die uns in die Lage versetzen, die touristische Entwicklung und Wertschöpfung in Orscholz und der Gesamtgemeinde voranzubringen." Darum habe der Ortsrat die Planungen auch einstimmig unterstützt. Ratsmitglied Michael Döbrich (AUF) äußerte: "Dieses Projekt ist es wert, unterstützt zu werden."

Etwas differenzierter war die Position bei den Freien Bürgern Mettlach (FBM). Deren Fraktionsvorsitzender Joachim Badelt bekundete: "Ich habe Bauchschmerzen mit dem Entwurf - geht es bei dem Turm nicht auch eine Nummer kleiner?" Badelt bekundete, die teilweise vehemente Ablehung, die sich in Leserbriefen oder in sozialen Netzwerken artikuliert hat, habe ihn einerseits überrascht, ihm aber andererseits auch klar gemacht: "Den Kritikern geht es darum, dass wir behutsam vorgehen bei den Planungen." Er stellte den Antrag, dass der Rat dem Bürgermeister den Auftrag erteilen solle, mit dem Investor über mögliche Modifikationen an dem Turm zu reden - bis hin zu einer Aussichtsplattform, die allenfalls in Höhe des Baumwipfelpfades, also in etwa 23 Metern Höhe, den Blick auf die Saarschleife gestatten soll.

Dieser Antrag wurde vom Rat jedoch mit großer Mehrheit zurückgewiesen. Dennoch unterstütze die FBM grundsätzlich die Pläne. Ihr Fraktionsmitglied Eduard Tritz bewertete das Projekt positiv: "Der Turm könnte Besucher von außerhalb, die mit dem Rad oder zu Fuß die Saarschleife durchqueren, dazu animieren, den Weg auf die Cloef zu suchen, um diese Aussicht zu genießen." Heute wüssten viele auswärtige Besucher überhaupt nicht, wo und was die Cloef überhaupt ist. Ewa Tröger (Linke) räumte ein, dass zwei Herzen in ihrer Brust schlügen: "Einerseits fasziniert mich der Baumwipfelpfad. Trotzdem habe ich ein etwas mulmiges Gefühl, da der Turm doch sehr wuchtig erscheint."

Zum Thema:

StichwortDer Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm ist ein Baustein einer umfassenden Neugestaltung des Gebietes an der Cloef, welche die Gemeinde mit den jetzt diskutierten Bebauungsplänen anstrebt. Zu dieser Neugestaltung gehören auch der Wegfall des bisherigen Bus- und Pkw-Parkplatzes nahe der Cloef, dieser soll weitgehend renaturiert werden. Als Ersatz dafür soll an der Kurpromenade ein bislang provisorischer Parkplatz ausgebaut und erweitert werden. Daneben will die Gemeinde auf einer Fläche unmittelbar beim Cloef-Atrium die Errichtung eines Hotels möglich machen, wobei es hier noch keine konkreten Pläne gibt. Aufgeben wolle man hingegen die bisher bestehende Möglichkeit, auf einem Standort im Varadeser Park, der so genannten Höhe 400, einen bis zu 50 Meter hohen Aussichtstrum zu errichten. cbe