| 20:18 Uhr

Blütenpflanzen säumen den Uferbereich

Zwischen 2010 und 2015 hat die Naturlandstiftung im Kreis Merzig-Wadern auch den Mühlenbach und den Kondeler Bach zwischen Erbringen und Besseringen renaturiert. Unser Foto zeigt den Mühlenbach vor (rechts) und nach (links) der Maßnahme. Fotos: Jürgen Kautenburger
Zwischen 2010 und 2015 hat die Naturlandstiftung im Kreis Merzig-Wadern auch den Mühlenbach und den Kondeler Bach zwischen Erbringen und Besseringen renaturiert. Unser Foto zeigt den Mühlenbach vor (rechts) und nach (links) der Maßnahme. Fotos: Jürgen Kautenburger
Faha. Die Naturlandstiftung Saar feiert dieses Jahr 40-jähriges Bestehen. Damit ist sie die älteste Naturlandstiftung Deutschlands. Viele ihrer Schutzgebiete liegen im Grünen Kreis. Einige davon haben wir erkundet und stellen sie in einer kleinen Serie dar. Teil 1: die Renaturierung von Fließgewässern am Beispiel des Mühlbachs. Jasmin Kohl

Blütepflanzen wie der Blutweiderich säumen sein Ufer, für Schmetterlinge ein optimaler Ort, ihre Eier abzulegen. Kleine Mänder schaffen Lebensräume für zahlreiche Wasserinsekten. Der Gliederbach bei Faha war nicht immer so gut bevölkert, weiß Axel Didion, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Naturlandstiftung Saar (NLS). Durch ein Betonbett geleitet, floss der Bach schnurgerade durch die Weidewiesen, bis die NLS 2012 eingriff, um eine so genannte Renaturierung durchzuführen. Das Ziel: den ökologischen Zustand des Gewässers zu verbessern, der sich durch Begradigungsmaßnahmen verschlechtert hatte. "Zunächst haben wir die Betonhalbschalen entfernt, damit sich das Wasser bei Starkregen besser in die Fläche verteilen kann", erklärt Didion. Die Entstehung von Hochwasserwellen , die ungestoppt durch das Gebiet rasen, sei dadurch gedämmt worden. Auf einer Gesamtwasserstrecke von 1900 Metern hat die NLS insgesamt sechs Wanderbarrieren wie Sohl-Abstürze und alte Wehre beseitigt. "Wir haben Hindernisse wie Holzstämme, die quer ins Ufer schlagen, gesetzt, den Rest macht die Natur", sagt der studierte Biologe. Auf natürliche Weise seien so kleine Mäander entstanden. Auf einer Fläche von 100 Metern wurden Bepflanzungen vorgenommen. Die Maßnahmen zeigen Wirkung: "Seitdem brütet hier auch wieder die Rohrammer", freut sich Didion.


Die Basis für den Eingriff bildet die EU-Wasserrahmenrichtlinie von 2000, die erstmals einen umfassenden europaweit geltenden Rechtsrahmen für Gewässerschutz schuf. Gewässer naturnah entwickeln, die Biodiversität erhöhen und die Nährstoffeinträge reduzieren - all das schreibt sie vor und muss von den EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. "Als Naturlandstiftung stehen wir den Kommunen vor allem beratend zur Seite", sagt Didion. Soll heißen: Die NLS führt die Renaturierung im Auftrag der Kommunen durch, finanziert wird sie mit rund 90 Prozent vom Land. Den Rest zahle die Stiftung.

Ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Renaturierung findet sich nur wenige Kilometer weit vom Gliederbach entfernt: Der Oberlauf der Leuk bei Eft-Hellendorf. Auf einem Foto zeigt Didion, wie dessen Auen 2002 aussahen: völlig baumfrei. Heute ist dieser Bereich kaum wiederzuerkennen. Erlen, Eschen, Eichen und Pfaffenhütchen bilden dort einen prächtigen Auwald. "Ein fruchtbarer Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten", sagt Didion zufrieden. < Wird fortgesetzt.



Seit der Renaturierung ist zum Beispiel die Gebänderte Prachtlibelle deutlich öfter an den Bächen anzutreffen. Foto: Axel Didion
Seit der Renaturierung ist zum Beispiel die Gebänderte Prachtlibelle deutlich öfter an den Bächen anzutreffen. Foto: Axel Didion FOTO: Axel Didion