1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Mettlach

24 Stunden wandern beim "Grenzgänger" rund um Mettlach

„Grenzgänger“-Wanderung bei Mettlach : In 80 Kilometern um die Cloef

Der vierte 24-Stunden-Wanderevent im Saarschleifen-Land glänzt mit neuem Teilnehmerrekord und anspruchsvoller Streckenführung.

Fast 200 Wanderer haben kürzlich am vierten „Grenzgänger“, dem 24-Stunden-Wanderevent der Saarschleife-Touristik GmbH teilgenommen. Das waren deutlich mehr Teilnehmer als in den drei Jahren zuvor. Zudem lobten die Teilnehmer die naturverbundene Streckenführung über meist schattige Waldwege und anspruchsvolle Trails. Bereits die Tagesstrecke hatte eine Länge von 57 Kilometern, auf der Nachtetappe kamen weitere 23 Kilometer dazu.

Die meisten Teilnehmer (133) hatten sich für die Gesamtlänge von 80 Kilometern angemeldet. Dabei waren auch Margy Michiels und Wim Vandamme aus Belgien. „Wir sind 300 Kilometer in der Nacht mit dem Auto gefahren, wir sind oft zum Wandern in Deutschland“, erzählt Wim. An der Saarschleife sind sie zum ersten Mal. „Es ist schön hier im Saarland“, freut sich Margy. Ebenso geht es Ulrike Trabold und Christine Hammer aus Mainz. Auch die Rheinland-Pfälzerinnen sind das erste Mal im Saarland, dafür reisten die beiden extra 200 Kilometer weit an.

An acht Verpflegungspunkten gab es reichlich zu trinken: Neben Wasser wurde auch Saar-Wein gereicht. Foto: Axel Künkeler

Die beiden Frauen haben sich für die 57-Kilometer-Distanz gemeldet, wollen nach der Tages-Tour in Mettlach übernachten und sich die Region noch etwas näher ansehen. „Wir wandern sehr gerne“, berichtet Ulrike Trabold, „machen fast jedes Wochenende eine kleine Tour“. Die „24 Stunden von Rheinland-Pfalz“ in Kirn/Nahe sind die beiden aber auch schon gewandert. Im Mai haben sie einen Wanderurlaub auf Mallorca gemacht. Sie kommen also „quasi aus dem Trainingslager“. Gut trainiert muss man schon sein, wenn man solch lange Distanzen wie in Mettlach wandert.

Das wissen auch Ingolf Winkler und Andreas Braun aus Neuss und Düsseldorf. Die beiden sind erfahrene Ultra-Läufer, haben gerade die „100 Meilen von Berlin“ auf dem Mauerweg in rund 25 Stunden absolviert. „Da kommt eine 80-Kilometer-Wanderung zum Regenerieren gerade recht“, schmunzeln sie etwas über ihre eigenen Ausdauer-Ambitionen. „Eine tolle Strecke, sehr anspruchsvoll und landschaftlich reizvoll“, lobt Ingolf Winkler den Wandermarathon im Saarland.

Bei den ersten drei „Grenzgängern“ waren noch relativ viele asphaltierte Feldwirtschaftswege und sogenannte Wald-Autobahnen dabei. Diesmal geht es weitgehend über Stock und Stein, schmale Pfädchen und Trails durch die Natur. Der Saar-Hunsrück-Steig und „Traumschleifen“ wie der Saarhölzbach-Pfad, die Mettlacher Tafeltour oder der Wehinger Viez-Pfad bilden das Strecken-Profil. Dabei müssen die Wanderer auch ordentlich Höhenmeter bewältigen, 1504 Meter auf der Tagesetappe und weitere 559 auf der Nachtstrecke.

Mit der Fähre Welles ging es wieder auf die andere Saar-Seite zurück. Foto: Axel Künkeler

Dadurch werden die Gehzeiten aber auch länger als in den ersten drei Jahren. Viele brauchen elf, zwölf Stunden, mit Pausen sogar 14 und mehr Stunden. „Denkt an Eure Stirnlampen“, hat Organisationsleiterin Anna-Lena Koster von der Saarschleife Touristik GmbH schon zum Start um acht Uhr am Cloef-Atrium gemahnt. Und diesmal hat sie wirklich recht damit, die letzten Kilometer werden alle durch den stockfinsteren Wald zurücklegen. Inzwischen sind die Beine schwer, konzentriertes Gehen ist ohnehin angesagt, ohne Lampen ist das nicht zu machen.

Dabei ging es am Morgen recht locker los. An der Cloef mit Blick auf das Wahrzeichen des Saarlandes wurden viele Erinnerungsfotos geschossen, danach ging es zunächst nur bergab durchs Steinbachtal an die Saar. Entlang der Saarschleife führte die Route weiter nach Mettlach zur ersten Pause bei Kilometer zehn. In der Abtei-Brauerei gab es ein Weißwurst-Frühstück mit Musik. Nach der Stärkung und vorbei an Schloss Ziegelberg wartete die erste Herausforderung mit dem Anstieg zum Vogelfelsen. Bei der zweiten Verpflegung genossen die Wanderer den Blick auf Saarhölzbach. Am Saarhölzbach und dem Hundscheider Weiher („da müsste man jetzt baden können“, meinte Anja) vorbei, folgte nach 24 Kilometern an einer Angelhütte die Mittagsrast.

Hinter Saarhölzbach ging es richtig steil nach oben zum Vogelfelsen. Foto: Axel Künkeler

Für einige waren nun schon die körperlichen Anstrengungen spürbar, „geht’s noch?“ wurde hie und da bereits gefragt. Dabei wusste Andreas Bell (Besseringen) schon am Morgen, dass die echten Herausforderungen erst später kommen, auf dem Wehinger Viez-Pfad am Nachmittag. Er kennt sich in der Region gut aus, hat beim Saar-Hunsrück-Steig-Marathon im Juni bereits seine zehnte Wanderung mit Distanzen von 40 bis 60 Kilometern bewältigt. Die 80 Kilometer sind für ihn aber ebenso eine Premiere wie für den Neu-Einsteiger Siegbert Schellenbach aus Eimersdorf.

Erstmals erwandern vier weitere Saarländer diese Distanz: die Illinger Thomas und Karina Wagner sind mit ihren Freunden Ralf und Ann-Christin Müller als „Stiftung Wadentest“ unterwegs. Thomas hat bereits an einer Wallfahrt nach Klausen an der Mosel teilgenommen, 90 Kilometer in zwei Tagen bewältigt. Mit 40-Kilometer-Touren von Illingen zum Schaumberg hat sich das muntere Quartett vorbereitet und ist an den nächsten touristischen Highlights immer noch gut drauf.

Wieder zurück in Mettlach geht es an Rathaus und St. Lutwinus-Kirche vorbei hoch zur Burg Montclair, bevor nach dem Abstieg zur Saar eine weitere Verpflegungsstelle wartet. Nun kann sogar Saar-Wein verkostet werden, dann setzen die Wanderer mit der Fähre Welles über auf die andere Seite. Nun kommt der steile Anstieg nach Nohn und weiter auf dem Wehinger Viez-Pfad in Richtung Tünsdorf. Einzelne Passagen weisen nun 17 bis 18 Prozent Steigung auf. Dafür entschädigt die Idylle des Mosel-Gaues bei langsam untergehender Sonne.

Geschafft: Erst nach Einbruch der Dunkelheit kehrten die meisten von der Tagesetappe zurück ans Cloef-Atrium. Foto: Axel Künkeler

Im Bistro „Alte Scheune“ in Wehingen gibt es nochmals Pasta zur Stärkung, reichlich Getränke am letzten Verpflegungspunkt in Tünsdorf an der Kirche. Die letzten sieben Kilometer werden nun weitgehend in der Dunkelheit absolviert. An der Neumühle und dem Steinbach entlang auf dem Saar-Hunsrück-Steig nach Mettlach. Dort am Orkelsfelsen ist das Ziel fast erreicht. Für viele ist nun doch „Ende Gelände“, die eigenen körperlichen Grenzen sind erreicht. Für die Grenzgänger war es eben auch eine Grenzerfahrung.

Selbst die Ultra-Läufer Ingolf und Andreas beschließen, auf die Nachtetappe zu verzichten. Es sind muskuläre Probleme bei Andreas und die Befürchtung, sich in der Dunkelheit auf den Waldwegen zu verletzen. Auch der Saarlouiser Thorsten Stalter überlegt eine ganze Weile, geht mit seinem Freund Ralf dann aber doch noch die 23 Kilometer durch die Nacht. Es sind aber „nur noch“ 58 Nachtwanderer, 53 davon erreichen das Ziel am Sonntagmorgen. Damit haben die meisten ihre Wanderung doch schon nach 57 Kilometern beendet  – erschöpft, aber zufrieden über ihre Leistung und das schöne Erlebnis.

Zufrieden ist natürlich auch Anna-Lena Koster von der Saarschleife-Touristik. Schließlich gab es ganz viel Lob von den Teilnehmern und mit insgesamt 192 gestarteten Wanderern einen neuen Rekord, auch wenn nicht alle das Ziel erreicht haben.