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Tischtennis: Zwischen Bietzen, Basis und Bundesliga

Tischtennis : Zwischen Bietzen, Basis und Bundesliga

Dirk Lion aus Bietzen war Trainer in der Tisch- tennis-Bundesliga. Nun kümmert er sich darum, drei Verbände mit 60 000 Spielern zu einen – und hilft dem Nachwuchs in seinem Heimatort.

Eine Trainingseinheit mit einem Bundesliga-Trainer. In diesen Genuss kommen Nachwuchssportler nur selten. Doch Dirk Lion ist sich dafür nicht zu schade – im Gegenteil: Für den 29-Jährigen ist es eine Selbstverständlichkeit, den Sportfreunden Bietzen-Harlingen, wo er vor 20 Jahren selbst mit Tischtennis begann, regelmäßig einen Besuch abzustatten. So auch am Dienstag-Abend, als Lion zehn Jungs und Mädels in der Bietzer Schulturnhalle das Tischtennis-Einmaleins näherbringt.

Für Lion übrigens keine ungewohnte Arbeit. Auch bei seinem jetzigen Arbeitgeber, dem Tischtennisverband Württemberg-Hohenzollern, ist der studierte Sozialwissenschaftler unter anderem im Aus- und Fortbildungsbereich tätig. Bis zuletzt lag sein Fokus aber in einem anderem Bereich: Betreuung derer, denen nur noch schwer etwas beizubringen ist: Tischtennis-Profis. Bei Bundesligist ASV Grünwettersbach waren das zuletzt Masataka Morizono, Dang Qiu, Samuel Walker und Alvaro Robles – bekannte Namen der Tischtennis-Welt.

Vor zwei Jahren fand Lion den Weg zum Neu-Bundesligisten aus Karlsruhe, wo er bis Ende der vergangenen Saison dem Trainerteam angehörte. „Die Profis trainieren normal drei Mal am Tag und haben oft eigene Vorstellungen, was und wie. Andererseits legen sie viel Wert auf deine Meinung“, berichtet Lion.

Von den genannten Schützlingen sorgte der Japaner Morizono mit Doppel-Gold bei der Sommer-Universiade auf Taiwan unlängst erneut für Aufsehen. Dang Qiu, mit dem Lion gut befreundet ist, erreichte mit ihm als Trainer im März das Viertelfinale der deutschen Meisterschaft. Erst gegen Nationalspieler Benedikt Duda war Endstation, nachdem Dang Qiu zuvor Nationalspieler Steffen Mengel geschlagen hatte. „Das war einer meiner größten Erfolge als Trainer“, sagt Lion.

Wegen Schulterproblemen musste er selbst als Spieler zurückstecken – und widmete sich so schon früh dem Trainerdasein. Den Posten bei Grünwettersbach hat er aus Zeitgründen inzwischen aufgegeben. Seit Juni ist es nun seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die anvisierte Fusion der drei Tischtennisverbände in Baden-Württemberg gelingt. Schon seit Jahren steht ein Zusammenschluss von Baden, Südbaden und Württemberg-Hohenzollern im Raum, die Umsetzung scheiterte aber bisher. Das soll ab Juli 2019 anders aussehen: Um die Fusion voranzutreiben, wurde der Verein Tischtennis Baden-Württemberg gegründet. Lion ist dabei Koordinator von elf Arbeitskreisen, die sich auf mehreren Ebenen (etwa Finanzen, Satzung, Spielordnung) mit Vorkehrungen für die Fusion befassen. „Es ist eine große Herausforderung. Es geht darum, 60 000 Menschen aus 1200 Klubs zu einen. Uns ist es wichtig, die Basis entsprechend in den Prozess einzubeziehen, etwa durch Umfragen“, sagt Lion.

Er selbst ist zurück an der tiefsten Basis, dort wo er vor vielen Jahren die ersten Schritte des jetzt eingeschlagenen Wegs tätigte. „Bei Willi hat alles angefangen“, blickt Lion zu Willi Klein, dem Tischtennis-Abteilungsleiter der SF: „Er war wie ein Ziehvater. Seine menschliche Art und der Enthusiasmus für die Sportart waren prägend für mich. Dafür bin ich ihm dankbar, es ist mir eine Herzensangelegenheit, immer mal wieder herzukommen“, erzählt Lion. „Er hat Fußball und Tischtennis gespielt und war einer der ersten, die dem Fußball abgesagt haben. Dirk hat mit 13 schon erste Mannschaft und mit 15 Regionalliga gespielt“, erinnert sich Ex-Trainer Klein. Die Schulterprobleme hat Lion inzwischen im Griff. Der 29-Jährige geht beim TTC Birkenfeld auch selbst wieder in der Landesliga an die Platte. Und ab und an in der Heimat in Bietzen, wo man dankbar ist, dass er die Abteilung mit seinem Fachwissen unterstützt.