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Zwei Merziger protestieren für das Öffnen der Grenzen

Kostenpflichtiger Inhalt: Per Pedes gegen die Grenzschließungen : Zwei Merziger wandern als Zeichen grenzüberschreitende Freundschaft

Geschlossene Grenzen? Für zwei Merziger quasi unvorstellbar. Mit einer Aktion protestieren sie für eine baldige Öffnung.

Zwei Saarländer aus Merzig, Philip Hoffmann (31) und Christoph Drost (32), machen sich am Samstagmorgen um 8.30 Uhr von Habkirchen aus auf den Weg entlang der französischen Grenze nach Perl, um damit ein Zeichen für das Schengener Abkommen und die grenzüberschreitende Freundschaft zu setzen. Gleichzeitig wollen sie damit gegen die Grenzschließungen in Folge der Corona-Krise protestieren.

Normalerweise laufen die beiden jedes Jahr Etappen der verschiedenen Jakobswege. Dieses Vorhaben wurde 2020 durch den Covid-19-Erreger abrupt verhindert. Dafür haben sich die beiden aber dafür entschieden, sich auf die fast 200 Kilometer lange Strecke von Habkirchen an der französischen Grenze nach Nennig an der luxemburgischen Grenze aufzumachen. Sowohl der Informatiker Christoph Drost – er arbeitet als Berater bei EY in Luxemburg – als auch Volkswirt Philip Hoffmann – er ist nach seinem Studium in Luxemburg, Frankreich, Belgien und den USA bei Union Investment in Luxemburg beschäftigt – sind im Saarland ohne Grenzen groß geworden und kennen im Gegensatz zu manchem Älteren keine Schlagbäume an den Grenzübergängen mehr. Normalerweise pendeln sie täglich von Merzig nach Luxemburg, um dort ihrer Arbeit nachzugehen. Die Tortur langer zeitraubender Grenzkontrollen mussten sie jedoch nicht über sich ergehen lassen, weil sie auf Heimarbeit ausweichen konnten. Die beiden wanderlustigen Europa-Freunde möchten ein klares Zeichen für das Schengener Abkommen setzen, das 1985 unterzeichnet wurde und 1995 in Kraft getreten ist.

„Unser Ziel ist es, daran zu erinnern, dass das Saarland grenzenlos ist und dass die Grenzkontrollen nur einen temporären Charakter haben dürfen“, betont Philip Hoffmann, der sich auch politisch in der Jungen Union engagiert. „Für unsere Generation sind die Grenzen nicht mehr existent und aus diesem Grund müssen die Kontrollen baldmöglichst auch wieder komplett verschwinden“, ergänzt Christoph Drost. Beide sehen gerade in der Großregion eine Chance für das Saarland.

„Ohne Luxemburg müssten wir nach Frankfurt, London oder Paris ziehen, um unserer Arbeit nachkommen zu können“, sagen die beiden Merziger unisono. Der freie Grenzübertritt bietet beiden die Möglichkeit, im Saarland zu bleiben und trotzdem ihren Beruf auszuüben. „So geht es vielen Menschen in unserer Großregion“, erklärt Philip Hoffmann weiter. Und Christoph Drost fügt hinzu: „Für diese Menschen und das Erfolgsmodell unserer Grenzregion möchten wir mit unserem Marsch ein Zeichen setzen.“

Auf ihren 200-Kilometer-Marsch haben sich die beiden Wanderfreunde von der Unteren Saar nur mental vorbereitet. Sie hoffen, die acht Etappen ohne körperliche Probleme bewältigen zu können. Einzelne Abschnitte haben es doch kräftig in sich. So gilt es schließlich neben der Distanz auch etliche Höhenmeter zu bewältigen. In den vergangenen Tagen sind die beiden Merziger die einzelnen Teilabschnitte zu Hause noch einmal minutiös durchgegangen und haben ihre Ausrüstung und ihre Wanderbekleidung bei einem intensiven Spaziergang durch ihre Heimatstadt noch einmal auf Herz und Nieren durchgetestet.

An diesem Samstag soll es nun am deutsch-französischen Grenzübergang in Habkirchen losgehen. Generalsekretär Markus Uhl aus dem Saar-Pfalz-Kreis kommt eigens, um die beiden Europa-Befürworter ganz offiziell zu verabschieden. Abends am Zielpunkt der einzelnen Etappen werden die beiden dann zumindest die ersten Tage abgeholt, damit sie sich zu Hause erholen und schlafen können. In den Tagen danach hoffen Philip Hoffmann und Christoph Drost, nach Wiedereröffnung der Gastronomie dann unterwegs in Hotels oder Pensionen übernachten zu können.

Unterstützung erhalten die beiden Wanderer auf einzelnen Streckenabschnitten von Landtagsvizepräsident Günter Heinrich, dem parlamentarischen Geschäftsführer der Landtagsabgeordnete Stefan Thielen (CDU) sowie dem Großrosselner Bürgermeister Dominik Jochum und seinem Beigeordneten Michael Krewer, der zudem stellvertretender Landesvorsitzender der Jungen Union ist. Am Ziel in Schengen will am nächsten Samstag der deutsche Botschafter im Großherzogtum, Heinrich Kreft, die beiden Europa-Wanderer begrüßen und zu ihrer gelungenen Aktion beglückwünschen. „Und natürlich achten wir sorgfältig darauf, dass überall die vorgegebenen Hygiene- und Distanzbestimmungen auch wirklich eingehalten werden“, sagt Philip Hoffmann abschließend.