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Zwangsarbeiter schuften im Zweiten Weltkrieg im Grünen Kreis

Das Lager am Schützenhaus in Merzig. Foto: Archiv Porz
Das Lager am Schützenhaus in Merzig. Foto: Archiv Porz FOTO: Archiv Porz
Merzig. Kein Thema bewegt seit längerer Zeit die Gemüter im Land so sehr wie die durch die Flüchtlingskrise bedingte Masseneinwanderung nach Deutschland. In unserer Serie wird die Zuwanderung in die Merziger Region während der vergangenen 200 Jahre auch als Geschichte der auf vielfache Weise stattgefundenen Begegnung mit dem Fremden dargestellt. Volkmar Schommer

In Merzig wurde auf dem Gelände des heutigen Wolfsfreigeheges ein früheres RAD-Lager zum Fremdarbeiterlager "Am Schützenhaus" umfunktioniert, als die ersten Deportationen aus der Sowjetunion begannen. In Hilbringen ist für 1940 ein französisches Kriegsgefangenenlager belegt, bei dem es sich möglicherweise um das ehemalige RAD-Lager in den Saarwiesen gehandelt hat. Bei Aufräumarbeiten an der Saarlinie nach dem "Frankreichfeldzug" 1941/42 war auch ein Arbeitskommando mit luxemburgischen Häftlingen des KZ Hinzert hier eingesetzt.



Im Merziger Werk von Villeroy & Boch gab es ein "Lager VILBO" für sowjetische Zwangsarbeiter , getrennt in ein Männerlager im Bereich der Terrakottafertigung und ein Frauenlager im Bereich Rohrebau. Ab 1943 wurden auch italienische Militärinternierte zur Zwangsarbeit eingesetzt. Auf dem Ehrenfriedhof von Besch haben 27 Sowjetbürger, ein polnischer und ein italienischer Gefangener, die in Merzig verstarben beziehungsweise ums Leben kamen, nach dem Krieg ihre letzte Ruhestätte gefunden. Für Hilbringen gilt dies für vier, für Mondorf für zwei und für Merchingen für einen sowjetischen Toten. Auffällig ist, dass sich unter den Toten aus Merzig auch vier Kinder befanden, die 1942/43 in der Sowjetunion geboren waren, und alle in der ersten Hälfte des Jahres 1944 starben. Die Mütter waren offensichtlich zusammen mit ihren Kleinkindern, die zum Teil wohl noch im Säuglingsalter gewesen sein sollen, zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert worden.

In Losheim gab es ein Lager auf dem Gelände des heutigen Globus-Marktes, in dem Ostarbeiterinnen untergebracht waren. Vermutlich wurden die hier untergebrachten Frauen in der Betriebsstätte der Fortuna-Werke, einem Maschinenbauunternehmen, das unter anderem auch Flugzeugteile herstellte, eingesetzt.

Die Fortuna-Werke, deren Hauptsitz sich damals in Stuttgart befand, unterhielten während des Krieges einen Zweigbetrieb in Losheim, der sich in der Nähe des Bahnhofs befand. Das Losheimer Zweigwerk fertigte zu seinen Glanzzeiten mehr als die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Schleifspindeln. Ein weiteres Ostarbeiterinnenlager befand sich im Tanzsaal des Gasthauses "Lübeck". Die Frauen wurden auch zu Schanzarbeiten im Bereich des Westwalls eingesetzt. < Wird fortgesetzt.