Zukunft der Lerntreffs immer noch ungewiss

Zukunft der Lerntreffs immer noch ungewiss

In Brotdorf, Weiskirchen und Wadern haben sich drei Lehrerinnen bereit erklärt, die Offenen Lerntreffs ehrenamtlich weiterzuführen. Die SZ hat einen VHS-Kurs besucht und mit Schülern gesprochen.

"Was gehört in ein Schlafzimmer?", fragt Lehrerin Carmen Koscheny die etwa 15 Schüler des Offenen Lerntreffs in Weiskirchen . Schnell wissen die Syrer, Italiener, Russen und Polen Antworten: Ein Bett zum Schlafen, brauche man, und auch einen Schrank, aber groß müsse dieser sein, sagen sie in gebrochenem Deutsch. Der Alphabetisierungskurs des VHS-Grundbildungszentrums wird in Weiskirchen nur von Migranten und Flüchtlingen besucht. Er ist einer der elf Offenen Lerntreffs im Landkreis Merzig-Wadern. "Ab Juli ist die VHS in die Sommerpause gegangen. Auch die Offenen Lerntreffs wurden eingestellt, das lag aber auch an der nicht sichergestellten Finanzierung", erläutert VHS-Geschäftsführerin Ulrike Heidenreich. Denn das VHS-Grundbildungszentrum stand noch Anfang dieser Woche kurz vor der Schließung, da das Saar-Bildungsministerium die Dozentenhonorare nicht übernehmen wollte. Zwar hat das Ministerium am Montag eine Sonderzuweisung von 20 000 Euro für die Jahre 2014 und 2015 zugesagt (die SZ berichtete), aber das reiche noch lange nicht, um die Offenen Lerntreffs weiterhin zu finanzieren, ist sich Koscheny sicher: "Damit sind ja nicht mal die bisherigen Ausgaben des Jahres gedeckt."

Auf die Offenen Lerntreffs habe niemand der Teilnehmer und Lehrer in Brotdorf , Wadern und Weiskirchen verzichten wollen. "Die Kurse finden seit Juli ehrenamtlich statt", sagt sie.

Wie es nach der Einmalzahlung weitergehen wird, wisse noch niemand. "Wir haben noch keine Informationen von der VHS", bemängelt Koscheny. Heidenreich ist sich jedoch sicher: "Ein gewisses Grundlevel muss aufrechterhalten werden. Die Löcher der Vergangenheit sind mit den 20 000 Euro zunächst gestopft." Generell befinde man sich auf einem guten Weg, sie hoffe, dass ein Integrations- und Sprachkurs des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bald den Flüchtlingen einen qualifizierten Unterricht bieten könne, als das bisher ein Offener Lerntreff tue.

Denn den drei Dozentinnen Carmen Koscheny, Christiane Vicari und Ruth Kahlert-Barth in Wadern, Weiskirchen und Brotdorf stehen für den Unterricht keine Lehrmaterialien zur Verfügung. "Wir versuchen, wichtige Begriffe des Alltags zu vermitteln", erklärt Koscheny. "Das Ziel ist, dass Migranten und Flüchtlinge sich bei Post, Bank und im Supermarkt auch alleine zurecht finden können. Wir gehen zum Beispiel auch mit einer Gruppe in den Supermarkt, dort können die Schüler Fragen stellen, falls sie etwas nicht verstehen", sagt Koscheny. Manche Teilnehmer müssten sogar bei null anfangen. "Einige können kein Englisch und zudem unsere Schrift nicht lesen, da müssen wir mit Händen und Füßen erklären", erläutert die Dozentin. Der Zusammenhalt in der Gruppe sei jedoch so stark, dass sich jeder Kursteilnehmer untereinander helfe. Die Schüler würden Kontakte knüpfen und so zu einem Teil der Gemeinde werden.

Die 36-jährige Haifaa ist erst vor vier Wochen in Deutschland angekommen. Die Syrerin wohnt mit ihrem Mann und den gemeinsamen fünf Kindern in einem Haus in Rappweiler. Sie haben bereits Freunde gefunden. Ihre neunjährige Tochter sei heute sogar auf einem Kindergeburtstag. Hilfe bekommt Haifaas Familie durch Gisela Trampert-Ney. "Die Familie hat sich in kürzester Zeit integriert", berichtet diese stolz.

Auch der 25-jährige Mohammed fühlt sich hier Zuhause. "Man findet hier schnell Freunde", sagt er auf Deutsch und lächelt. Das Merziger Fraktionsbündnis aus Grünen, Piraten und Freien Wählern zeigt sich in einer Pressemitteilung erfreut über die Rettung des VHS-Grundbildungszentrums Merzig-Wadern. Die notwendigen finanziellen Mittel habe die VHS jetzt erhalten.

"Bei einem Rettungsschirm könne es jedoch nicht bleiben", erklärte der Merziger Stadtverordneter Klaus Borger. Das Fraktionsbündnis fordere daher die Landesregierung auf, die notwendigen Mittel für den dauerhaften Betrieb des Grundbildungszentrums zur Verfügung zu stellen. "Denn wer bei der Bildung und integrativen Angeboten spart, spart an falscher Stelle", sagten die Vertreter des Fraktionsbündnisses.