Zuhörer loben Ideen zu Gestaltung des Gustav-Regler-Platzes in Merzig

Kostenpflichtiger Inhalt: Ideenskizze zum Seffersbachbereich : Gustav-Regler-Platz in Merzig wird gemütliches Wohnzimmer

Die Stadt Merzig hat ihre Ideen zur Gestaltung des Seffersbachsbereichs am Mittwochabend vorgestellt. Der Entwurf fand positive Resonanz.

Viel Grün, weniger Versiegelung, ein erlebbarer Seffersbach, der zudem in Teilen renaturiert ist, und jede Menge Sitzmöglichkeiten: Mit der Vorstellung, wie die gute Stube der Kreisstadt aussehen könnte, sind die Zuhörer zufrieden. Rund ein halbes Jahr haben Christian Bies, Leiter des Fachbereiches Stadtplanung und Umwelt, Hochbau, Tiefbau, und sein Kollege Franzel Schwindling die Ideen, die die Bürger ihnen mit auf den Weg gaben, in die Skizze eingearbeitet, wie künftig das Gesicht des Gustav-Regler-Platzes und dessen Umfeld aufgefrischt werden sollen – unterstützt vom Büroteam dutt&kist/arus. Am Mittwochabend haben die Verantwortlichen der Stadt ihren Plan vorgestellt.

Dass sich Stadt und Eigentümer bei Neubauten auf maximal drei Geschosse geeinigt haben, findet beim Gros der gut 40 Zuhörer ebenso Zustimmung wie die Idee, dass in der Straße Am Werthchen Fußgänger, Autofahrer und Radfahrer gleichberechtigt sind. „Shared Space“ ist für Bies das Zauberwort für die Straßengestaltung. Dieses Konzept wurde nach seinen Worten in den Niederlanden entwickelt und dient der Verkehrsberuhigung durch eine andersartige Verkehrsraumgestaltung, die auf der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer beruht – ein Vorschlag, mit dem sich Hannah Spanier, Sprecherin der Bürgerinitiative Stadtmitte Seffersbach, sehr wohl anfreunden kann. Ihr Wunsch: Diese Verkehrsberuhigung auch entlang des Mehrgenerationenhauses durchzuziehen und die Parkmöglichkeiten entlang der Straße abzuschaffen – eine Forderung, die nach den Worten von Bies und Schwindling durchaus berechtigt ist. „Da werden wir uns was überlegen müssen. Denn vom Werth­chen aus werden so manche Geschäftsleute beliefert – beispielsweise die Apotheke.“ Doch eines steht für beide jetzt schon fest: „Wir können die Autofahrer nicht komplett rausholen.“ Derweil wünscht sich Gast Edwin Weber optische Zeichen auf der Straße, „damit die Verkehrsteilnehmer wissen, woran sie sind“. Und Zuhörer Werner Schmitt fordert, die Neugestaltung bis in die Powei weiter zu entwickeln.

Erfüllt wird laut Bies, Diplom-Ingenieur für Raum- und Umweltplanung, auch der viel geäußerte Wunsch, dass der Gedenkstein für Gustav Regler zu einem zentralen Element des Platzes wird. „Er soll eine prominente Stelle erhalten, beispielsweise durch eine besondere Bepflasterung“ – ein Stichwort, das Dieter Kettenhofen auf den Plan ruft: „Wird der Bodenbelag des gesamten Platzes erneuert“, will der Besucher wissen, eine Frage, Bies mit einem klaren Ja beantwortet. Er stellt Materialien in Aussicht, die auch Hochwasser standhalten. Und barrierefrei bis zum Bach soll der Platz ebenfalls werden.

Neben Bäumen, die gepflanzt werden, kann er sich durchaus auch mobiles Grün vorstellen – Bäume, die ihren Platz in braun eingefärbten Behältnissen aus recyceltem Material gefunden haben. Diese sind laut Bies nicht nur zum Transport geeignet, sondern sie bieten auch die Möglichkeit zum Verschnaufen, da man auf ihnen sitzen kann. Die Art von Bepflanzung hat für den Ingenieur, der in der Kreisstadt für Stadtplanung und Umwelt zuständig ist, den Charme, diese bei Bedarf wegschieben zu können, um die Option zu haben, kleinere Veranstaltungen steigen zu lassen. „Es war gewünscht, dass es keine großen Veranstaltungen auf dem Platz geben soll und dass er konsumfrei bleiben soll.“ Während sich Heinz Temmes, Mitglied der Grünen-Fraktion im Merziger Stadtrat, auch eine grüne Überdachung für den Platz wünscht, sieht Gast Martin Jacobs die Gefahr, dass das mobile Grün Ziel einer Sachbeschädigung werden könnte. Seine Forderung: Die Behälter zu verankern. Die Idee, den Bach auf beiden Ufern barrierefrei zugänglich zu machen, kommt bei den Zuhörern ebenso gut an wie die Ankündigung, Kindern am Wasser Spielmöglichkeiten zu geben, Teilbereiche des Baches zu renaturieren und die Hochwassersituation verbessern. Entsprochen wird laut Bies der Wunsch vieler Merziger, die Liebesinsel in Ruhe zu lassen. Dagegen sehe Edwin Weber gerne, wenn deren Spitze gekappt werde und mit technischen Voraussetzungen die Möglichkeit geschaffen werde, den Bach zu beruhigen. Nach Ansicht von Zuhörer Alois Engeldinger sei der Wasserspiegel des Baches dazu nicht geeinigt. „Er geht rauf und runter. Da braucht’s nur einen kräftigen Regenguss.“

Kritisch sieht Jürgen Schreier, Vorsitzender der Villa Fuchs, die Ankündigung von Bies, die Gestaltung des Platzes unabhängig von einer möglichen Bebauung privater Grundstücke zu machen. Die Attraktivität steht und fällt nach seiner Ansicht mit der gesamten Situation. Es nutze nichts, die eine Seite so attraktiv wie möglich machen, wenn die andere Seite unattraktiv bleibe – eine Meinung, der Klaus Borger, Fraktionschef der Grünen im Merziger Stadtrat, zustimmt. Er plädiert für die Übergangszeit für vertikale Gärten. Nach Darstellung von Bürgermeister Marcus Hoffeld kann die Stadtverwaltung keinen Privaten dazu zwingen, Maßnahmen zu ergreifen. Zufrieden vernimmt der Verwaltungschef die Zustimmung, die der Entwurf findet. „Er hat mir sehr gut gefallen“, kommentiert die Merzigerin Steffi Schnur.

Alte und neue Bäume sowie mobiles Grün sollen den Gustav-Regler-Platz prägen. Foto: „Stadtverwaltung Merzig in Zusammenarbeit mit dem Büroteam dutt&kist/arus“
Mobiles Grün: Dabei werden Bäume in Behälter aus recyceltem Material gepflanzt. Foto: „Stadtverwaltung Merzig in Zusammenarbeit mit dem Büroteam dutt&kist/arus“

Manfred Klein, Chef der SPD-Fraktion im Merziger Stadtrat, lobt die Arbeit von Bies und Schwindling. Dass sich Private und Verwaltung bei einem Neubau auf drei Stockwerke geeinigt haben, nennt er eine gute Basis. Derweil lobt Temmes den optimalen Verlauf der Arbeit. Nicht festlegen lassen will sich Diplom-Ingenieur Bies auf die Kosten für das Projekt. Die können nach seinen Worten erst ermittelt werden, wenn die komplette Planung steht. Dagegen ist er sich in Sachen Zuschuss sicher: Zwei Drittel der Summe kommen aus dem Topf der Städtebauförderung. Und noch steht für ihn fest: Im kommenden Jahr sollen die Planungen fertig sein.