| 19:13 Uhr

Zu Ehren der Friedenskönigin Maria

Einweihung der Marienkapelle am 15. August 1956 (links). Die Marienkapelle während der Renovierung 2016. Repro/Foto: Norbert Becker
Einweihung der Marienkapelle am 15. August 1956 (links). Die Marienkapelle während der Renovierung 2016. Repro/Foto: Norbert Becker FOTO: Norbert Becker
Merchingen. Geld sammeln und Steine schleppen war vor 60 Jahren angesagt beim Bau der Marienkapelle auf dem Galgenberg in Merchingen. Die Gläubigen scheuten keine Kosten und Mühen für ihr Gotteshaus. Norbert Becker

Am 15. August, dem Fest Maria Himmelfahrt, wurde vor 60 Jahren auf dem Galgenberg hoch über Merchingen eine massive Marienkapelle eingeweiht. Sie ist seitdem zu einem Kleinod des Dorfes und einer von den Gläubigen immer noch gern besuchten Andachtsstätte zu Ehren der Mutter Gottes geworden. Die Farbe des Innenraumes hatte sich im Laufe der Zeit verdunkelt und bot kein schönes Bild mehr. In diesem Zustand sollte das kleine Gebäude im Jubiläumsjahr nicht bleiben. Also ging kürzlich wie damals eine Gruppe Merchinger Männer an die Arbeit. Es waren ehrenamtliche Helfer einer im Frühjahr 2016 gegründete Dorf-AG (lose Vereinigung freiwilliger Helfer des Dorfes) und leistete vielen Arbeitsstunden, um die Kapelle wieder in einen ansehnlichen Zustand zu bringen. Dazu wurde das gesamte Gelände großflächig gerodet und von Buschwerk befreit. Die Kapelle selbst wurde einer grundlegenden Reinigung unterzogen und mit einem neuen Innenanstrich versehen. Die Arbeiten wurden im Laufe dieser Woche abgeschlossen, sodass sich die Kapelle und ihr Umfeld wieder in einem schicken und ansehnlichen Zustand befinden. Hiervon können sich die Besucher der Jubiläumsfeier (siehe Info) überzeugen.


Blick in die Chronik

Es soll aber auch an die Geschichte der Kapelle erinnert werden. Am 26. Januar 1955 regten die Merchinger Kolpingsöhne bei einer Zusammenkunft den Bau einer kleinen Marienkapelle auf dem Galgenberg mit Unterstützung der gesamten Dorfgemeinschaft an. Der Gemeinderat Merchingen gab einstimmig einem Pachtantrag der Pfarrgemeinde für 99 Jahre zum Pachtzins von 100 Franc für den Bau dieser Kapelle auf einem gemeindeeigenen Streifen am Galgenberg seine Zustimmung. Die Grundsteinlegung erfolgte am 15. August 1955 durch den Präses, Pastor Josef Kraus. Nach einem Bericht der Merziger Volkszeitung dürfte die dann vorgenommene Realisierung der Marienkapelle als ein seltenes Beispiel einmütiger Opferfreudigkeit gelten.

Zu dem relativ hohen Betrag, der vor allem für die Inneneinrichtung benötigt wurde, gab es keinerlei Zuschüsse. Er musste durch Sammlungen der Gläubigen zusammengetragen werden. Das Übrige taten die Kolpingsöhne und die katholischen Jungmänner des Dorfes. In monatelanger Freizeitarbeit brachen sie die für den Bau erforderlichen Natursteine selbst und schafften sie den steilen Pfad zum Galgenberg hinauf.

Der Tag der Einsegnung am Namenstag Mariens indes lohnte all ihre Mühen. Umgeben von Fahnen schaute die neue Kapelle vom Galgenberg hinab über das Merchinger Tal, wo die Glocken der Pfarrkirche St. Agatha zur feierlichen Einsegnungsprozession riefen. Hieran beteiligte sich fast die gesamte Dorfgemeinschaft, denn wohl jede Familie hatte ein Scherflein zum Bau beigetragen. Einfach und äußerlich schmucklos fügt sich die aus den dort vorkommenden Steinen erbaute Kapelle in die Landschaft ein.



Eine mit Kalksteinplatten belegte Treppe führt zum Eingang des kleinen Bauwerks, dessen einziger Schmuck im Innenraum ein großes, eindrucksvoll von klarer Schönheit wirkendes Muttergottes-Standbild, umgeben von Blumen und Kerzen, ist.

Der Merchinger Pastor Kraus wies damals auf die besondere Bedeutung dieses Tages hin. Insbesondere dankte er allen, die durch ihre Arbeit, ihre kleinen und großen Spenden zum Bau dieser Stätte zur Verehrung der Gottesmutter beigetragen haben.

Die Kapelle sei Maria, der Friedenskönigin geweiht, denn keine Zeit habe sich mehr nach Frieden gesehnt als diese. Im Jahre 1942 habe Papst Pius XII. die Welt der Friedensfürstin geweiht. Und so empfahl der Pastor die Merchinger Pfarrei auch dem besonderen Schutz der Mutter Gottes. Dechant Lermen nahm dann zusammen mit dem einheimischen Pastor Kraus und Pastor Klein aus Püttlingen die eigentliche Einsegnung der Kapelle vor.

Zum Thema:

Auf einen Blick 60-Jahr-Feier: Sonntag, 14. August, 15 Uhr, Beginn der Feier an der Marienkapelle unter Mitwirkung des Musikvereins und des Kirchenchores. Ein Fahrdienst für gehbehinderte Personen ist ab 14.15 Uhr an der Kirche eingerichtet. Nach der Feier gibt es Kaffee und Kuchen im Sportlerheim. nb