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Zehn Jahre Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arm- und Beinamputationen

Selbsthilfegruppe feiert Jubiläum : Bewegen statt behindern ist ihre Maxime

Die Corona-Krise hat der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Arm- oder Beinbehinderung schwer zugesetzt. Doch die Menschen lassen sich nicht unterkriegen.

Die Corona-Pandemie wird längst global als Geißel der Menschheit wahrgenommen. Aber wohl keine andere Betroffenengruppe leidet aktuell so unter dem Virus wie die Menschen mit Arm- oder Beinamputation.

Kaum einer weiß das besser als Ilona-Maria Kerber, die als Leiterin der ampuLAG-Saar (Selbsthilfegruppe für diesen Personenkreis im Regionalverband Saarbrücken und Umgebung) jetzt die Mitglieder der Selbsthilfegruppe im Landkreis Merzig-Wadern zur Feier ihres zehnjährigen Bestehens ins Merziger Brauhaus eingeladen hatte. Dort begrüßte sie auch den Vorsitzenden Herbert Latz, der die inzwischen zusammengelegten Gruppen aus den Kreisen Merzig-Wadern sowie Saarlouis leitet.

Bei der Feier dieses kleinen Jubiläums wurde allen Beteiligten schnell deutlich, welches Wechselbad der Gefühle sie im vergangenen Jahr durchlitten hatten. So resolut, wie die Mitglieder Kerber seit langem kennen, forderte sie im Brauhaus alle auf, nur jeweils zu zehnt an einem der Tische Platz zu nehmen. „Das sind nun mal die Corona-geschuldeten Auflagen, daran bin ich wirklich nicht schuld!“ Bei ihrer Ansprache wurde aber auch die sensible Seite der Vorsitzenden unübersehbar, als sie sich zwischendurch einige Tränen wegwischen musste. Als sie dabei auf ihre persönlichen Erfahrungen des vergangenen Jahres zurückblickte, verwandelte sich das anfängliche Staunen der Mitglieder schnell in nachvollziehbares Mitgefühl.

Den schlimmsten Schicksalsschlag erlitt Kerber durch den Verlust ihres Mannes, der als Folge einer schweren Erkrankung für immer von ihrer Seite ging. Aber auch ihr ehrenamtliches Engagement für die Menschen mit Arm- oder Beinamputation im Saarland forderte sie weit über ein erträgliches Maß hinaus. Dafür habe insbesondere der Kampf gegen die Folgen der Pandemie gesorgt. Daraus sei nicht nur der sprunghaft angestiegene bürokratische Aufwand bei der Hilfestellung für alle möglichen Anträge ihrer Mitglieder bei Behörden resultiert. Entsprechender Ärger mit Sanitätshäusern und Taxiunternehmen, die auf einmal nicht mehr die für Rollstuhlfahrer unverzichtbaren Fahrten übernehmen wollten, habe sich hinzugesellt.

Als dann auch noch die plötzlich für Mitgliedertreffen erforderlichen negativen Corona-Testergebnisse beinahe unüberwindliche Barrieren aufbauten, ließ die um ihren Mann trauernde Vorsitzende wieder ihren schon verloren geglaubten Kampfgeist aufblitzen. „Als ich mich selbst um eine Ausbildung als zugelassene Testerin bemühen wollte, rieten mir viele von dieser ihnen aussichtslos erscheinenden Perspektive ab. Aber nicht zuletzt dank der Unterstützung durch unsere Gesundheitsministerin Monika Bachmann habe ich diese Ausbildung mit meiner Zulassung als Testerin erfolgreich abschließen können.“

Nur so hätten die letzten Mitgliederversammlungen überhaupt stattfinden können. „Dann habe ich die noch nicht geimpften Rollstuhlfahrer vor den Restaurants testen und anschließend allen die zum Glück negativen Testbescheinigungen ausstellen können.“ So sei dies auch vor der jetzigen Feier mit buntem Rahmenprogramm im Merziger Brauhaus geschehen, die übrigens unter Schirmherrschaft der Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich ausgerichtet wurde.

Kerber wies aber auch noch darauf hin, dass sie engagierte Mitglieder an ihrer Seite wisse, die sie schon seit Jahren tatkräftig unterstützten. Besonders hob sie in diesem Zusammenhang das Engagement von Doris Braun, Harald Friedrich, Dagmar Kappel und Lotte Ullrich hervor. In gemütlicher Atmosphäre feierte die Selbsthilfegruppe mit dem Motto „Bewegen statt behindern“ dann noch ihr kleines Jubiläum im Brauhaus.